Ende Jahr wird der Marktplatz Siroop eingestellt. Coop und Swisscom haben damit viel Geld verbrannt. Wie viel, lรคsst sich nicht exakt beziffern, aber schรคtzen. Zuletzt arbeiteten 180 Personen fรผr Siroop. Die Personalkosten dรผrften sich somit gut zwischen 10 bis 18 Millionen Franken belaufen โ konservativ kalkuliert. Fรผr 2017 hat Siroop laut Experten mindestens 30 Millionen Franken fรผr Marketing ausgegeben. Hinzu kommen noch Versandkosten, Mieten, Versicherungen und IT-Kosten. Alles in allem dรผrften sich die Ausgaben im Bereich um 50 Millionen Franken bewegen
Doch wie viel konnte Siroop รผberhaupt einnehmen? Experten schรคtzen den Umsatz auf 60 Millionen Franken โ im Vorjahr waren es laut des Kรถlner EHI Retail Instituts noch 25 Millionen Franken. Von Retailern wie etwa Schuh-, Kleider- oder Spielzeughรคndlern nimmt Siroop eine Kommission von 10 Prozent. Bei Elektronikartikel mit ihren tiefen Margen ist es allerdings weniger. Rechnet man dennoch optimistisch mit einer Marge von 10 Prozent auf den gesamten Umsatz, erzielte Siroop 2017 einen Ertrag von 6 Millionen Franken.
Konservativ geschรคtzt stehen als Ausgaben um die 50 Millionen Franken also einem optimistisch gerechneten Ertrag von 6 Millionen Franken gegenรผber. Der Online-Marktplatz dรผrfte somit vergangenes Jahr einen Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich eingefahren haben. Genug jedenfalls, damit erst Swisscom ausstieg und nun auch Coop die Reissleine gezogen hat.
Siroop zu frรผh aufgegeben
Hat Coop dennoch zu frรผh aufgegeben? ยซIch bin รผberrascht, dass jetzt schon der Stecker gezogen wirdยป, sagt Patrick Kessler, Prรคsident des Verbands Schweizer Versandhรคndler (VSV). ยซEigentlich hรคtten sie Siroop mindestens drei Jahre Zeit geben mรผssen.ยป Doch der Glaube an das Produkt sei wohl schon frรผh verloren gegangen. Dass es im Online-Handel jedoch einen langen Atem braucht, zeigen die Beispiele Amazon oder Zalando. Beide schrieben lange Jahre Verluste.
Bei Siroop ist aber trotz auffรคlliger Werbekampagne der Funke nicht gesprungen: weder bei den Hรคndlern noch bei den Kunden. Verschiedene Hรคndler berichteten, dass kaum Bestellungen via Siroop hereingekommen seien. Zudem war es laut Kessler nicht mรถglich, seine Produkte prominenter zu bewerben. Bei anderen Markplรคtzen wie Amazon oder ricardo.ch hingegen geht das. Und bei den Konsumenten konnte Siroop auch nicht mit sonderlich tiefen Preisen punkten. Kessler sagt: ยซVom Nutzen her gab es keinen relevanten Unterschied zu anderen Portalen, die schon lรคnger am Markt sind.ยป Auch Digitec Galaxus ist noch kein Geldesel
Konkurrentin Digitec dagegen hat sich mit der Integration von Galaxus nach und nach zu einem Marktplatz entwickelt, der eine Rolle spielt im Schweizer Onlinehandel. Da sah Coop wohl kaum noch eine Chance, mit Siroop gross Marktanteile aufzuholen. Digitec Galaxus, die zu 70 Prozent der Migros gehรถrt, hat vergangenes Jahr mit 861 Millionen Franken 14 mal mehr umgesetzt.
Dennoch dรผrfte der grรถsste Schweizer Online-Hรคndler noch kein Geldesel sein, wie sich abschรคtzen lรคsst: Insgesamt arbeiteten derzeit 1150 Personen bei Digitec Galaxus. Allein die Personal-Kosten dรผrften sich daher gegen einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen. Fรผrs Marketing dรผrfte der Online-Hรคndler mindestens so viel ausgegeben haben wie Siroop. Schรคtzungen in der Branche gehen sogar vom Doppelten aus. Die Ausgaben dรผrften somit รผber 150 Millionen Franken liegen.
Doch wie sieht es mit dem Ertrag aus? Der grรถsste Teil des Umsatzes machen Elektronikartikel aus, auf denen die Marge sehr tief ist. Besonders etwa bei Fernsehen, Computer, Tablets oder Smartphones. Branchenexperten schรคtzen, dass solche Produkte mit einer Marge bis maximal 5 Prozent etwa 50 Prozent des Umsatzes ausmachten. In diesem Bereich gรคbe das einen Bruttoertrag von 22 Millionen Franken. Digitec Galaxus hat nun freie Bahn
Hรถher dรผrfte die Marge bei Ersatzteilen und Gadgets wie Kabel, Stecker und Handyhรผllen sein. Rechnen kann man bei diesen Produkten mit durchschnittlichen Marge von 20 bis 30 Prozent. Nimmt man 30 Prozent ergibt das einen Bruttoertrag von 130 Millionen. Insgesamt dรผrfte sich der Bruttoertrag also geschรคtzt um 150 Millionen Franken belaufen. Ertrag und Ausgaben kรถnnten sich somit ungefรคhr die Waage halten.
Kessler zumindest schรคtzt, dass Digitec Galaxus trotz der hohen Werbeintensitรคt nahe an der Profitabilitรคt ist. ยซWenn sie zwei, drei Jahre so weiter wachsen, kommt es sehr gutยป, sagt er. Dass der Konkurrent Siroop bald wegfรคllt, spielt dem Online-Hรคndler zusรคtzlich die Karten. Auch kรถnnte er nun seine Marketingausgaben etwas zurรผckfahren. Gefahr droht nur noch von den auslรคndischen Giganten, die in der Schweiz stรคrker werden.