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Mode 
Bye-bye, Bally!

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Bally in Feierlaune: Das Schweizer Modelabel wird chinesisch.Quelle: Donato Sardella / Getty Images

Eine chinesische Investment-Gesellschaft kauft Bally. Obwohl in Europa ausserhalb der Textilbranche unbekannt, gehört das Unternehmen zu den wichtigen Playern im internationalen Modegeschäft.

Veröffentlicht 09.02.2018

Der Dauer-Übernahmekandidat Bally hat mal wieder einen neuen Besitzer – das Unternehmen geht nach China zu Shandong Ruyi. Am Freitag haben sich die chinesische Investmentgesellschaft und Noch-Besitzerin JAB Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann mit dem Bally-Management geeinigt. Damit wird wahr, was schon länger spekuliert wurde – Shandong Ruyi erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an Bally.

Laut einer Mitteilung wird JAB weiterhin eine Minderheitsbeteiligung an dem Modeunternehmen aus dem Tessin halten.

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Chinesen setzen auf Luxus

Wie viel die Chinesen für die Beteiligung zahlen, bleibt ungenannt. JAB möchte gemäss Insidern rund 700 Millionen Dollar für Bally. Die chinesische Firma zählt zu den grössten Textilunternehmen Chinas und will Bally als Luxusmarke stärken, wie der Vorstandsvorsitzende von Shandong Ruyi durcblicken lässt.

Fakten zu Bally

Heute gibt es weltweit 156 Bally-Filialen, acht davon in der Schweiz. Zudem gibt es vier Bally-Flagships-Stores in London, Los Angeles, Tokio und New York. Zwei weitere, in Peking und Mailand, sollen 2018 eröffnen. Der Hauptsitz der Firma befindet sich in Caslano TI und Mailand. In Mailand sitzen unter anderem Marketing, Design und Kommunikation. Das Londoner Büro wurde 2017 geschlossen. Insgesamt beschäftigt Bally rund 1600 Mitarbeiter. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen 2016 sein Ebitda verdoppeln sowie das Marktwachstum um vier Prozent steigern können. Der Umsatz wird von Experten auf über 500 Millionen Franken geschätzt.

«Bally ist eine der wichtigsten Marken für Luxusschuhe und Lederaccessoires mit einer mehr als hundertjährigen Tradition. Die Geschichte von Bally und seinen Produkten ergänzen in hohem Masse unsere bestehende Stärke im Modebereich», sagt Yafu Qiu zum Deal. Nach Umsatz zählt Shandong Ruyi bereits ohne Bally zu den Top 20 der globalen Mode- und Luxuskonzerne – deutlich vor Michael Kors, Burberry oder Prada.

Shandong Ruyi hat wohl auch einen Auftrag der Regierung in Peking, mit Luxusmarken ein Gegenpol zu den etablierten europäischen und amerikanischen Konzernen aufzubauen. Ähnlich wie HNA im Bereich Infrastruktur, Dalian Wanda in der Unterhaltungsindustrie oder Fosun in der Tourismusbranche.

Bally wurde 1851 von Carl Franz Bally gegründet. 1976 hielt Werner K. Rey kurz die Aktienmehrheit, ihm folgte 1977 der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle, welche wiederum seine Bally-Anteile 1999 an die US-Investmentgesellschaft Texas Pacific Group (TPG) veräusserte. Im April 2008 wurde das Unternehmen erneut verkauft - an die Vorläufergesellschaft von JAB.

(spm/tdr)