Abo
Zwischenstand zur CS-Integration

Bisher hat die UBS 1500 Angestellte entlassen

Dank Frühpensionierungen, internen Angeboten und Abgangspaketen blieben die Entlassungen bei der Grossbank überschaubar. Das ändert sich jetzt.

Stefan Barmettler HZ

Barmettler Stefan

<p>Er macht aus zwei Banken eine: UBS-Chef Sergio Ermotti. </p>

Er macht aus zwei Banken eine: UBS-Chef Sergio Ermotti. 

Keystone

Werbung

Sergio Ermotti hält wenig von Behauptungen und schmettert wildes Spekulieren auch schon mal als «Bullshit» ab. Er setzt auf Zahlen, auch bei den Entlassungen bei der UBS in der Schweiz. Bereits im August 2023 – kurz nach der Übernahme der Credit Suisse – kündigte er an, es werde in der Schweiz im Zuge der Integration der CS zu 3000 Entlassungen kommen. Es war das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Schweizer Bankenpersonalverband.

Nun zeigen Recherchen der Handelszeitung, dass die UBS bis heute die Hälfte von Ermottis Ankündigung realisiert hat. Konkret: Gut informierten Quellen zufolge wurden bislang 1500 Entlassungen verfügt. Die UBS selber will die Zahl nicht kommentieren, nur so viel: «Wie bereits angekündigt, rechnen wir in der Schweiz im Zuge der Integration mit rund 3000 Entlassungen.» 

Von dieser Obergrenze ist man heute noch weit entfernt. Aus mehreren Gründen: Zum einen konnten Tausende UBS-Angestellte eine offene Stelle intern übernehmen. Andere vom Jobverlust Bedrohte fanden einen neuen Arbeitgeber bei einer Konkurrenzbank, einer Versicherung, in der Industrie oder bei einem Start-up. Der jüngste prominente Abgang war Mike Dargan, langjähriger Technologiechef, der zur Bank N26 wechselt.

Partner-Inhalte

Entlassungen ohne Sozialplan bei der Konkurrenz

Die bislang eher überschaubare Zahl an Entlassungen ist aber auch darauf zurückzuführen, dass die UBS grosszügige Abgangspakete jenen offeriert, deren Stellen eliminiert werden. Wer darauf eingeht, gilt nicht als entlassen. Die Pakete sind gekoppelt an Salär, Dienstjahre und Hierarchiestufe. Diese Abgangspolster können mehrere 100’000 Franken betragen. Was die Zahl der formellen Entlassungen weiter senkt, sind Frühpensionierungen. Die UBS hat sich nämlich verpflichtet, über 58-Jährige nicht auf die Strasse zu stellen. Stattdessen werden sie mit Projekten weiterbeschäftigt, bis sie ab sechzig in Frühpension gehen – wie das früher schon bei vielen UBS-Bankern der Fall war.

Auch bei den Frühpensionierungen zeigt sich die UBS von der grosszügigen Seite. Das gibt Lob vom Schweizerischen Bankpersonalverband: «Wir anerkennen, dass die UBS ihre soziale Verantwortung wahrnimmt.» Dieser sozialverträgliche Umgang wird geschätzt, weil rund 40 Prozent der UBS-Mitarbeitenden über fünfzig Jahre alt sind und sich viele bei der Jobsuche schwertun würden. Dass diese Frühpensionierungen beliebt sind, spiegelt sich bei den Arbeitslosenzahlen wider. Im Kanton Zürich ist die Zahl der arbeitslosen über Sechzigjährigen seit Jahren stabil, und zwar auf sehr tiefem Niveau. Auch dank der vorbildlichen UBS. Da können Betroffene bei Privatbanken oder Versicherungen ein anderes Liedchen singen. Werden sie entlassen, werden sie im besten Fall mit ein paar wenigen Zusatzmonaten über das Obligatorium in die Wüste geschickt. Von einem Sozialplan kann oft keine Rede sein, weil die Entlassungen über die Monate gestaffelt werden, erzählen Personalberater. Dieses Vorgehen spart Geld und sorgt nicht für Schlagzeilen.

Werbung

Obergrenze von 3000 Kündigungen gilt

UBS-Chef Ermotti nannte die Integration der Credit Suisse eine der komplexesten Transaktionen in der Bankengeschichte. Für die bislang 1500 Entlassenen in der Schweiz ist es ein Karriereknick, doch im Vergleich zu früheren Jahren ist die Zahl bis dato bescheiden. Im Jahr 1998 bauten UBS und Credit Suisse insgesamt 10’000 Stellen ab, Tausende verloren ihren Job. 

Doch klar ist auch, dass die Zahl jener, die bei der UBS überzählig sind, in den nächsten 18 Monaten markant ansteigen wird. Mit der Migration der CS-Kundschaft auf die Systeme der UBS fallen gerade im IT- und Operations-Bereich viele Doppelspurigkeiten an, die ausgemerzt werden. Unter dem Strich dürfte die Effizienzsteigerung rund 1500 Mitarbeitenden den Job kosten – das wären 5 Prozent der heute 30’000 Mitarbeitenden in der Schweiz. Ermotti kündigte kürzlich einen Abbau an, und zwar für die zweite Jahreshälfte 2026 und Anfang 2027. Immerhin wird der UBS-Chef wohl alles dafür tun, dass die von ihm vor drei Jahren angekündigte Obergrenze von total 3000 Entlassungen nicht durchbrochen wird. Es sei denn, die Politik brummt der Grossbank exorbitante Regulierungskosten auf – dann wird die Obergrenze ausser Kraft gesetzt.

Werbung

Werbung