DER BANKER RELOADED

Der Investment Banker dankt ab, der Retail Banker kommt: So einfach sieht die Finanzwelt nach der Krise nicht aus. Viele der Stellen und Funktionen im Investment Banking oder im Eigenhandel, die ab- oder umgebaut werden, sind sowieso in London oder New York angesiedelt. Bei der Kompensation wird die Branche Abstriche machen müssen – aus wirtschaftlichen Gründen und auch deshalb, weil der politische Druck nach den massiven staatlichen Finanzspritzen steigt. Ansonsten wird sich das Berufsbild nicht völlig wandeln, zumal viele Arbeitsplätze innerhalb der Banken nicht branchenspezifisch sind: Inhouse-­Beratung, Human Resources, Marketing, Kommunikation oder Rechtsdienste.

Gestärkt aus der Krise wird der sogenannte Relationship Manager gehen, im Private wie im Retail Banking. «Der seriöse Kundenberater ist gefrager denn je», schätzt Headhunter Pascal Forster von Russell Reynolds Associates. Das Risikomanagement, das bereits seit Jahren boomt, bleibt ein grosses Thema – gerade kurzfristig für die Überarbeitung der bisherigen Modelle.
Auch der für die Banken sehr lukrative Bereich für strukturierte Produkte wird nicht einfach sterben. Die Finanzindustrie dürfte mit aller Innovationskraft neu durchzustarten versuchen.

DIE DAUERBRENNER

WIRTSCHAFTSPRÜFER. Immer neue und immer mehr Regeln: Die Wirtschaftsprüfer profitieren von der steigenden Komplexität der Wirtschaftswelt. «Neue Regulierungen bedeuten für uns auch neue Felder, die kontrolliert werden müssen, zusätzliche Arbeit also», sagt etwa Thomas Huwyler, bei Ernst & Young Schweiz für den strategischen Human-Resources-Bereich zuständig. Allerdings ist die Entwicklung zweischneidig, weil sie zu Vorgehensweisen nach Checklisten führt, was die Arbeit der Prüfer eintöniger macht. Ernst & Young stellt jährlich in der Wirtschaftsprüfung zwischen 150 und 200 Mitarbeitende ein.

JURISTEN. Der klassische Anwalts- und Richterberuf hat immer Konjunktur, in der Krise vielleicht noch etwas mehr. Dann steigt in der Regel die Prozessfreudigkeit, und die Wirtschaftsanwälte haben Hochkonjunktur. Generell nimmt die Nachfrage nach juristischer Dienstleistung mit der Globalisierung und steigender Komplexität zu, nicht nur von Firmenseite, sondern auch in der Verwaltung oder bei internationalen Organisationen. Umweltrecht gilt als Trend­bereich, aber auch steuerliche und regulatorische Beratung. Seit den neunziger Jahren hat sich das Berufsbild des Wirtschaftsanwalts als Erfolgsmodell etabliert. Das konservative und vernetzte Denken der Juristen könnte gerade im ­jetzigen Umfeld vermehrt Manager zu Erfolgen führen.

BERATER. Laufen das Geschäft und die Konjunktur, werden sie beigezogen, um Wachstums- und Akquisitionsstrategien zu entwickeln. In der Krise helfen sie Kosten zu reduzieren, Prozesse zu optimieren und bei Firmenzusammenschlüssen. Das Berufsprofil hat sich gewandelt – weg vom Generalisten hin zu fachlicher, industrieller und vor allem technischer Kompetenz. Ein grosser Kostentreiber in der modernen Firmenwelt ist die Informationstechnologie. Spezialisten in diesem Bereich sind bei Beraterfirmen besonders gefragt.

NEWCOMER

«Alles, was sich im Bereich neuer Energien etabliert hat, ist sicherlich zukunftsträchtig», sagt Ursula Knorr vom Institut für Führung und Personalmanagement der Uni St.  Gallen. Dazu gehören etwa Verkehrs-, Umwelt- oder Energietechnik. Bei den Ingenieurberufen spielt die Musik im interdisziplinären Bereich: bei Nanotechnologie, Medizinaltechnik oder Biosystemen, einem Mix aus Biologie und ­Ingenieurtechnik. «Immer komplexere Probleme erfordern das Denken in mehreren Dimensionen und Bereichen», sagt ETH-Professor und Hilti-Präsident Pius Baschera. So gilt etwa das Supply Chain Management, bei dem ein Produkt vom Einkauf des Rohmaterials über die Produktion bis zur Auslieferung betreut wird, als Charge mit grosser Zukunft.

REVIVAL

INGENIEUR. Der traditionelle Ingenieursberuf hat sich mit der Globalisierung und Technologisierung stark gewandelt. Neben den klassischen Einsatzgebieten wie Forschung und Entwicklung, Qualitätssicherung oder Inbetriebsetzung von Anlagen werden vermehrt auch Aufgaben im Marketing, Produkt- und Projektmanagement und in der Kommunikation von Ingenieuren wahrgenommen. Dies auch in kleineren und mittleren Betrieben.

INFORMATIKER. Sie gehören zu den grossen Gewinnern der vergangenen Jahre. Wer hätte das nach dem Platzen der Dotcom-Blase gedacht?

MATHEMATIKER. Ähnlich könnte es nach der jetzigen Finanzmarktkrise den Mathematikern ergehen. Viele haben Karriere in Hedge Funds gemacht und im Bereich der strukturierten Produkte. Dort wird der Spielraum künftig enger. Dafür werden sie im Risikomanagement noch gefragter sein als heute schon.

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