Dass Ryanair-Chef Michael O’Leary markige Sprüche machte, focht die Traditions-Airlines nicht an. Er warf ihnen mangelndes Rückgrat gegenüber Umweltschützern vor, belächelte ihre kosten­losen Getränke, ihre hohen Ticketpreise. Lufthansa, Air France, British Airways hielten ihre Marktmacht dagegen – nun nicht mehr. Sie unterschätzten den Angriff der Billig-Airlines von Ryanair bis ­EasyJet, die in Europa 40 Prozent Marktanteil enterten. Nun bauen die Scheichs mit Ölmilliarden riesige Drehkreuze für ihre Golf-Airlines, und die greifen nun auch auf der Langstrecke an. Ausser Kostensparen gibt es keine Antwort. Reichen wird das nicht.

Austauschbare Airlines. «Die gros­sen europäischen Linienfluggesellschaften bleiben die Antwort auf die Frage nach einem tragfähigen Geschäftsmodell schuldig», warnt Tanja Wielgoss, Beraterin bei A.T. Kearney. Eine Weile konnten sie ihr Geschäft in Europa mit Erlösen aus Inter­kontinentalflügen subventionieren. Mit der Golf-Konkurrenz sei das passé, sagt ein Lufthansa-Manager. «Wir werden von allen Seiten in die Zange genommen.»

Mit effizienten Flugzeugen wie dem Riesenflieger A380 oder dem neuen Jumbo Boeing 747-8 fliegen Emirates, Etihad und Qatar Airways aus den arabischen Ländern mittlerweile nonstop nach Asien und in die USA. Mit billigen Tickets ziehen sie immer mehr Passagiere von grossen Drehkreuzen wie Frankfurt ab. Zugleich fliegen junge Airlines aus Asien mit niedrigen Kosten ein. Konnten die Airlines in schlechten Zeiten lange Flugkapazität streichen und die Preise stabilisieren, preschen nun Rivalen in die Lücke. «Die nötige Konsolidierung bleibt aus», sagt Eric Heymann von DB Research.

Das Problem: Die Airlines sind austauschbar. Statt nur die Kosten zu drücken, müssten sich die Traditionscarrier besser vermarkten. «Sie müssen mehr bieten, neue Service-Ideen nah am Kunden, um sich von der Lowcost-Konkurrenz stärker abzuheben», sagt Beraterin Wielgoss. Ihre Marke herausstellen wie Swiss, das könnte der Schlüssel zum Erfolg werden.

Die Lufthansa, monieren Experten, verliere stattdessen ihr Premium-Image. Arrogante Flugbegleiter, nachlassender Service, unbequeme Sitze ärgern die Kunden. Fliegt Germanwings bald Lufthansa-Routen, verschlimmert sich die Situation. Nun streicht Lufthansa-Chef Christoph Franz die erste Klasse aus einem Drittel der Flieger. Finanziell sinnvoll – doch fragt sich, wofür die Lufthansa künftig stehen soll. Franz sagt: «Lufthansa bleibt ein Qualitätscarrier.» Ein Konzept dafür bleibt er im Spareifer schuldig.

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