Guten Tag,
Er schlägt Schneisen durch den Dschungel der chinesischen Bürokratie: Ex-Goldman-Sachs-Banker Dominik Ess. Zugute kommt ihm Trumps Zollpolitik.
Dominik Ess war im Wall-Street-Olymp, doch dann entdeckte er sein Herz für die Schweizer KMU.
Karrieren gehen manchmal ihre eigenen Wege. Noch vor ein paar Jahren deutete nichts darauf hin, dass sich Dominik Ess schon bald mit fernöstlichen Foodverordnungen herumschlagen und im Dienste von Schweizer KMU durch die Untiefen der chinesischen Bürokratie waten würde. Als Goldman-Sachs-Banker hatte der Absolvent der Universität St. Gallen schon Mitte zwanzig erreicht, wovon andere ein Leben lang träumen: die Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere im Olymp der Hochfinanz, in der Welt der «Masters of the Universe», die sich von Regierungen und Grosskonzernen bitten lassen. Seine Domäne war die der Swaps, Options und Forwards, die es braucht, um Superreiche noch reicher zu machen, des autonomen Portfolio-Rebalancings, des Hedgings und der Liquidity-Solutions – die Sphären, in denen das Jonglieren mit Millionen und Milliarden so alltäglich ist wie für andere der Gang in den Supermarkt. Ein Berufsleben der Superlative.
Doch der Appenzeller wollte mehr – und das hiess in seinem Fall zumindest fürs Erste: kleinere Brötchen backen. Ess hängte seinen Job bei der Grossbank an den Nagel, um stattdessen Schweizer KMU bei ihrem Sprung nach China und in andere asiatische Märkte zu unterstützen. «Wenn ich in der Bank etwas über einen Markt wissen wollte, griff ich zum Telefon», sagt Ess auf die Frage nach dem Warum. «Innerhalb eines globalen Konzerns hatte ich direkten Zugang zu Fachwissen und Netzwerken auf der ganzen Welt. Diese Grössenvorteile stehen kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz nicht zur Verfügung – das schien mir nicht richtig.» Und so kam es, dass er mit gerade mal 27 Jahren sein eigenes Unternehmen gründete. Er ging voll ins Risiko anstatt auf Nummer sicher.
Admeliora soll die Produkte von Schweizer KMU in China unter die Leute bringen. Produkte von KMU, die eigentlich zu wenig PS auf den Boden bringen, um in einem Land mit potenziell 1,4 Milliarden Konsumenten und Konsumentinnen Fuss zu fassen. Die Gottlieber Hüppen zum Beispiel. Die Schweizer Süsswarendelikatesse kommt aus dem gleichnamigen Örtchen am Seerhein, wie das Stück des Bodensees genannt wird, das den Ober- mit dem Untersee verbindet. Dieter Bachmann, CEO und seit dem Verkauf durch die Gründerfamilie Mehrheitsaktionär der Firma, hat seine eigenen Erfahrungen gemacht mit China. «Wir hatten einen Shop in China», sagt er. «Doch als wir vor Ort waren, mussten wir feststellen, dass unser chinesischer Partner im Hinterhof Kuchen fabrizierte, die er dann unter unserem Namen verkaufte.» Ein Klassiker, wie ihn viele China-Fahrer erlebt haben. Als dann auch noch Covid den globalen Handel ins temporäre Koma versetzte, war es mit dem China-Abenteuer zunächst vorbei.
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