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Talent-Magnet Google

Talent-Magnet Google
Google zählt heute zu den beliebtesten Arbeitgebern. Nach Zürich kam das Unternehmen vor genau zehn Jahren.

Kein Unternehmen ist attraktiver für Studierende. Warum das so ist, zeigt ein Blick ins Forschungszentrum Zürich.

Sie nennen sich «Zoogler». Z für Zürich, heute der grösste Forschungs- und Entwicklungsstandort des ITKonzerns ausserhalb der USA. Vor genau zehn Jahren kam Google nach Zürich, damals mit zwei Mitarbeitenden. Heute arbeiten auf dem Areal, wo Hürlimann früher Bier braute, 1300 Menschen aus 75 Nationen. Software-Entwickler, Kundenbetreuer, Anwälte, Personalfachleute, Kommunikationsprofis. Ein grosser Teil von ihnen sind Ingenieure unterschiedlicher Studienrichtungen. In Stellenanzeigen liest sich das so: «Enterprise Technical Solutions Engineer, Cloud Technology », «Software Engineer, Site Reliability Engineering, University Graduate » oder «Information Security Incident Response Engineer». Wer sich darunter nichts vorstellen kann, wird nie ein «Googler». Zwei Millionen Bewerbungen erhält das Unternehmen mit weltweit 50 000 Beschäftigten jedes Jahr. Wer nach dem mehrstufigen Aufnahmeprozess einen Job bekommt, darf sich zu den Besten seines Fachs zählen.

Seit sechs Jahren Top

In der Universum-Rangliste der attraktivsten Arbeitgeber ist Google zweimal die Nummer 1 (Business und IT) und einmal die Nummer 2 (Ingenieure). Für Studierende der Sozial- und Geisteswissenschaften steht Google an vierter, für Naturwissenschaftler an fünfter Stelle. Kein anderes Unternehmen schneidet besser ab, keines kam so schnell an die Spitze. 2008 kam Google zum ersten Mal in die Rangliste der attraktivsten Arbeitgeber für Wirtschaftswissenschaftler, damals auf Platz 4. Sechs Jahre nur hat der Weg an die Spitze gedauert. Offenbar hat Google genau das zu bieten, was die Studierenden von ihrem ersten Arbeitgeber gemäss der Universum-Studie erwarten: Intakte Work-Life-Balance, intellektuelle Herausforderungen, inspirierende Vorgesetzte und Teams, Internationalität, und das alles in einer möglichst angenehmen Arbeitsatmosphäre. Ist das so? Werfen wir einen Blick in den «Engineering Hub» Zürich, der sich grundlegend von den Bürolandschaften anderer Firmen unterscheidet.

Es ist eine eigene Welt, in der die «Zoogler» arbeiten: farbig, trendy, abwechslungsreich. Einen grossen Raum in den Gebäuden nehmen die Lounges ein. Die eine ähnelt der Bibliothek eines traditionellen britischen Clubs, die andere einem Dschungel mit Rückzugsnischen unter Bäumen, die dritte ist einer riesigen Speditionskiste nachempfunden, in anderen Räumen fühlt man sich wie beim Durchstich des Gotthardtunnels oder in einer U-Bahn-Station.

Kaffeemaschinen, allerlei Getränke und Snacks gibts überall. Googler zahlen nichts dafür. Sie essen und trinken auch kostenlos in den drei Restaurants. Ob asiatisch, mediterran oder schweizerisch- amerikanisch, man speist vorzüglich. Frühstück, Mittagessen, Abendessen, ob im Haus genossen oder mit nach Hause genommen – alles ist gratis.

Google investiert in die Mitarbeiter und fordert sie zu Pausen während des Tages auf. Sie können beispielsweise im Gym eine Fitnesstunde besuchen, im Meditationsraum in sich gehen oder sich bei einer Massage erholen. Ein abgedunkelter Raum mit Aquarien in der Längswand und einer Reihe von Liegestühlen steht für ein Mittagsschläfchen oder die Überwindung des Jetlags zur Verfügung. Im Werkraum können Ingenieure, die zur Abwechslung mal Handfestes herstellen möchten, sägen, hobeln und feilen. Die Frage drängt sich auf: Wird bei Google überhaupt gearbeitet?

Ja, es wird. Alle die Annehmlichkeiten sind mehr als Beigemüse. Die Umgebung soll beitragen, dass die Arbeit Spass macht, sie soll inspirieren, möglichst viele Gelegenheiten bieten, einander zufällig zu treffen und über Ideen zu diskutieren. Von diesen Ideen lebt Google, sie unter den Tisch zu wischen, wäre ein Verbrechen. Jeder Googler kann heute noch CEO Larry Page eine E-Mail schicken und bekommt eine Antwort. Fragen sind nicht lästig, sondern willkommen. Ein Beispiel dafür ist TGIF, «Thank God It’s Friday».

Revolutionäre Ideen

Die Veranstaltung findet weltweit in jedem Google-Büro statt und ermöglicht es den Mitarbeitern, sich vor dem Wochenende in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen, sich über Neuigkeiten bei Google Schweiz zu informieren und Ideen zu besprechen. Es sind häufig revolutionäre Ideen, die bei dieser und anderen Gelegenheiten vorgebracht werden. Larry Page, Mitgründer von Google, sagt: «Ein grosser Teil meiner Arbeit besteht darin, den Fokus der Mitarbeitenden auf revolutionäre Dinge zu lenken.» Und, bleibt anzufügen, die Grundsätze des Unternehmens zu teilen. Dazu gehört, dass der Nutzer an erster Stelle steht, dass schnell besser ist als langsam, gut nicht gut genug, dass man Geld verdienen kann, ohne jemandem zu schaden. Und was bei Studierenden besonders gut ankommt: «Man kann seriös sein, ohne einen Anzug zu tragen.»

In Zürich, dem Entwicklungszentrum für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, sind Anzüge rar. Hier entstanden wichtige Beiträge zur Entwicklung des E-Mail-Dienstes Gmail, der Videoplattform YouTube und des Online-Kartendienstes Google Maps. Deren Navigationsfunktion wurde zu einem wesentlichen Teil in Zürich entwickelt, ebenso die digitale Agenda Google Calendar. Die Priority Inbox, die Gmail-Nachrichten nach ihrer Wichtigkeit ordnet, ist ein Werk der «Zoogler». Das Google-Zürich-Team arbeitet an Content ID, einem Dienst zum Schutz der Urheberrechte auf YouTube, und tüftelt an innovativen Werbemöglichkeiten für die grösste Videoplattform der Welt. Dass der Werbespot zu Beginn des Films nach fünf Sekunden weggeklickt werden kann und der Kunde in diesem Fall nicht dafür zahlen muss, ist eine Erfindung der Zürcher. Und wenn Google Now dafür sorgt, dass die User immer wissen, was heute auf ihrem Terminplan steht, wo sie hinmüssen und wie sie dort am besten hinkommen, haben die Leute in Zürich dazu beigetragen.

Clever und zielstrebig

Wer bei Google arbeitet, ist, wie BILANZ schreibt, «jung, arbeitswütig, experimentierfreudig und technologiegläubig». Google selber beschreibt die idealen Mitarbeitenden zurückhaltender: Clever und zielstrebig sollen sie sein, sich aktiv einbringen, sich leidenschaftlich mit Google-Problemen auseinandersetzen und das Unternehmen weiterentwickeln.

Ihre Arbeit organisieren sie weitgehend selbständig, denn die Mitarbeitenden sollen unternehmerisch denken. Sie brauchen niemanden, der ihnen vorschreibt, wann sie zu arbeiten haben. Die einen kommen spät, die anderen früh. Die einen arbeiten in die Nacht hinein, die andern machen rechtzeitig Feierabend. Was nicht ausschliesst, dass sich manche Zoogler im Büro, das eben kein normales Büro ist, daheim fühlen, hier einen Teil ihrer Freizeit verbringen, Freundschaften schliessen, mit Kolleginnen und Kollegen Sport treiben und diskutieren. Nicht alle wollen oder können ihr Privatleben streng von der Arbeit trennen. Und weil da Menschen aus aller Welt arbeiten, viele neu in Zürich sind, bietet ihnen Google eine Art Heimat, einen Ort zum Arbeiten und zum Leben.

Spass an der Arbeit

Es gibt viel zu tun im Reich von Google. Den Spass an der Arbeit lassen sich die Mitarbeitenden von Anfeindungen nicht verderben, aber die Probleme werden diskutiert. Wer da arbeitet, ist zu intelligent, um ethische Fragen belanglos zu finden. Das Unternehmen soll im Sinn des Europäischen Gerichtshofs vergessen lernen? Soll Verweise auf veraltete, irrelevante und allenfalls rufschädigende Stellen im Internet den Resultaten der Suchmaschine vorenthalten? Die Googler werden es schaffen, so wie sie in kurzer Zeit Autonummern oder Gesichter in Street View verpixeln lernten. Google darf nicht alles. Aber Google, so scheint es, kann alles. Und wer dabei sein will, muss vieles können. Ob jemand willkommen ist, zeigt sich im Anstellungsprozess, der über Jahre perfektioniert wurde.

Auf die erste Unterhaltung mit einem Recruiter folgt ein Telefoninterview, danach ein Gespräch in einer der Niederlassungen. Mit dabei ist nicht nur ein Personalverantwortlicher, auch vier oder fünf andere Googler reden mit den Kandidaten. Sie prüfen weit mehr als nur deren fachliche Qualifikation für die ausgeschriebene Stelle, die ohnehin überragend sein muss. Können sie ein Team inspirieren und mobilisieren? Wie denken sie? Wie gehen sie die Lösung für ein Problem an? Passen sie zum Unternehmen und zu seinem Stil, zur «Googleyness»? Damit keine persönlichen Präferenzen und Abneigungen hineinspielen, gehen die Eindrücke der Interviewer auch noch an ein unabhängiges Komitee, bevor sich entscheidet, ob die Kandidaten Aufnahme in den Kreis der Googler finden.

Erfolg macht attraktiv

Abschreckend scheint das Verfahren nicht zu sein, wie die Zahl der Bewerber zeigt. Das hat viele Gründe: Erstens fehlt es nicht an Herausforderungen. Zweitens macht es Spass, in einem erfolgreichen Unternehmen zu arbeiten. 2013 erzielte Google einen Umsatz von fast 60 Milliarden Dollar, der Gewinn betrug gut 12 Milliarden Dollar. Und im ersten Quartal 2014 stieg der Umsatz gegenüber den ersten drei Monaten im Jahr zuvor um 19 Prozent auf 19 Milliarden Dollar.

Dass Google Daten sammelt, sich von uns schenken lässt, sie bündelt, verknüpft und die Resultate möglichst vielen Menschen zugänglich macht, hört sich banal an. Google macht mehr draus. Es gibt kein Problem, das man mit dem richtigen Algorithmus nicht lösen kann. Viele dieser Probleme sind schon gelöst: Die Suchmaschine wird immer intelligenter und beantwortet heute drei Milliarden Anfragen pro Tag. Chrome ist der am meisten installierte Browser. Google Books macht auch noch die entlegensten Stellen in wissenschaftlichen Werken mit kleinster Auflage sichtbar. Das Betriebssystem Android, das Netzwerk Google+, die Tablets und Smartphones namens Nexus, die Millionen Videos auf YouTube, Gmail, Picasa, die Datenbrille Glass – alles das ist Google, der wahrscheinlich mächtigste Konzern der Welt.

Google in Zahlen
www.google.com
Gründung: 4. September 1998
Gründer: Larry Page und Sergey Brin
Hauptsitz: Mountain View, Kalifornien
Mitarbeitende weltweit: Rund 50 000
Mitarbeitende in der Schweiz: Rund 1300
Umsatz 2013: 59,8 Milliarden Dollar
Gewinn 2013: 12,2 Milliarden Dollar
Niederlassungen: Über 70 in mehr als 40 Ländern
Wer sich bewerben kann: Ingenieure zahlreicher Studienrichtungen, Geistes- und Sozialwissenschaftler, Naturwissenschaftler, Juristen und viele andere
Informationen für Bewerber:
http://www.google.com/about/careers/locations/zurich/

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