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Zwölf Jahre an der Spitze von Julius Bär sind nicht genug

Bank Julius Baer branch at Bahnhofstrasse 36 in Zurich, Switzerland, on July 9, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)Der Standort der Bank Julius Baer an der Bahnhofstrasse 36 in Zuerich, aufgenommen am 9. Juli 2018. (KEYSTONE/Chritian Beutler)
Julius Bär: Die Bank ist wegen Geldwäsche-Verstössen im Dunstkreis von Fifa und dem venezolanischen Ölkonzern PDVSA ins Visier der Berner Fahnder geraten.Quelle: © KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Eigentlich müsste VR-Präsident Sauter im Frühjahr abtreten. Doch er erwägt eine Verlängerung: Bankchef Bernhard Hodler muss sich bewähren.

Dirk Schütz
Von Dirk Schütz
11.10.2018

Nach der Rüge der Finma gegen die CS lautet die Frage: Wie steht es mit dem Enforcement-Verfahren gegen Julius Bär? Die Bank ist wegen Geldwäsche-Verstössen im Dunstkreis von Fifa und dem venezolanischen Ölkonzern PDVSA ins Visier der Berner Fahnder geraten.

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Besonders pikant: Die Fälle stammen aus der Zeit, als der heutige Bär-Chef Bernhard Hodler (58) als Chief Risk Officer für die Compliance verantwortlich war. Dass der damalige CEO Boris Collardi im September 2017 den langjährigen Risikochef Hodler durch den UBS-Mann Oliver Bartholet ersetzte, soll auch an einer gewissen Unzufriedenheit über die Compliance gelegen haben.

Der Plan war offenbar, den verdienten Hodler nach einer kurzen Übergangszeit in den Verwaltungsrat zu hieven. Er galt als Nachfolgekandidat für den VR-Präsidenten Daniel Sauter. Doch der abrupte Abgang Collardis letzten November machte die Pläne zunichte. Hodler musste einspringen und will jetzt von der vom VR anfänglich deklarierten Interims- zur Dauerlösung werden.

Amtszeit wäre eigentlich beschränkt

Für Sauter heisst das: Er könnte noch länger bleiben. Zwar liegt die Amtszeitbeschränkung bei Bär bei zwölf Jahren. Danach müsste der 61-jährige Sauter, der vor einiger Zeit mit einer Viruserkrankung länger ausser Gefecht war, 2019 gehen. Dass jedoch Ausnahmen möglich sind, spurte Sauter an der letzten Generalversammlung bereits vor: Der Brite Charles Stonehill durfte auch nach zwölf Jahren noch bleiben.

Julius Bär
Bär-CEO Bernhard Hodler (l.) und VR-Präsident Daniel Sauter.
Quelle: Stefan Wermuth/Bloomberg

«Der VR kann Ausnahmen von der prinzipiellen Regelung beschliessen. Darüber wird zu gegebener Zeit informiert», lässt Bär zu Sauters Zukunft ausrichten. Mit einer derart willkürlichen Statutenauslegung riskiert Sauter jedoch den Unmut der Aktionäre, die auf saubere Corporate Governance pochen.

Wichtige Rolle in Causa Raiffeisen

Hodler spielte auch in der Causa Raiffeisen eine wichtige Rolle. Pierin Vincenz erhielt 2015 vom Bär-Konto seines Komplizen Beat Stocker 2,9 Millionen Franken, und diese Zahlung wurde im April 2016 via «Inside Paradeplatz» bekannt. Zwar wäre die Affäre ohnehin ans Licht gekommen, denn die Finma ermittelte bei der Raiffeisen-Beteiligung Investnet bereits. Doch Vincenz und Stocker drohten mit einer Anzeige wegen Bankgeheimnisverletzung, und es war Hodler, der die interne Untersuchung nach dem Abgang des damaligen Schweiz-Chefs Barend Fruithof anstiess und von einer Anwaltskanzlei untersuchen liess. Als sicher galt, dass das Leck in der Compliance-Abteilung lag. Doch der Schuldige wurde nie gefunden. Wenige Zeit später wurde Bartholet als Nachfolger Hodlers ausgerufen.

Sein Problem ist der Kurs: Minus 15 Prozent bei Bär, plus 15 Prozent bei Vontobel in diesem Jahr. Hodler arbeitet also auf Bewährung – und liefert damit Sauter eine Rechtfertigung, noch etwas länger zu bleiben.

Julius Bär
Die Aktie von Julius Bär schlägt sich 2018 deutlich schlechter als jene von Konkurrent Vontobel.
Quelle: Bilanz