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Stadler Rail kämpft mit Kursverlusten, während Aktionäre das Vertrauen in Peter Spuhler verlieren. Ein möglicher Wendepunkt könnte durch Banker Barend Fruithof kommen.
«Zu kämpfen haben im Reich von Stadler-Rail-Patriarch Peter Spuhler vor allem die Aktionäre», sagt Chefredaktor Dirk Schütz.
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Es ist ein Satz, der nachhallt: «He is done with her» hat der Welt-Dominator im Weissen Haus angeblich über Karin Keller-Sutter gesagt, nachdem die Präsidentin ihm eine halbe Stunde einen «Crashkurs in Volkswirtschaft und politischer Ökonomie verabreicht habe», wie der Sonntags-Blick berichtet. Botschaft zu dem mittlerweile legendärsten Telefonat der jüngeren Schweizer Geschichte: Alles war viel schlimmer.
Nun wäre ein derartiges KKS-Verhalten nicht überraschend, so dass diese neue Version durchaus plausibel klingt. Aber auch hier gilt das grosse Gesetz des Regierungs-Handelns: Alles ist Innenpolitik. Trump agiert aus dieser Optik, wie alle anderen auch, die sich brav bei ihm aufreihen – und auch das Leak und die damit verbundene Attacke gegen die Präsidentin lässt sich auf diesem Hintergrund sehen: In der SVP ist KKS verhasst, spätestens, seit sie Ueli Maurer beim CS-Dossier hart attackierte. Dass sie an Glanz verloren hat, freut manche Büchsenspanner in Bundesbern. Die Liste ihrer Feinde ist lang.
Doch das muss nicht zwangsläufig heissen, dass KKS nicht mehr mit dem Don sprechen sollte. Die einfache Wahrheit ist: Ob sie oder Guy Parmelin – beide liegen so weit unter der Wahrnehmungsschwelle des Präsidenten, dass sie für ihn nicht einmal mikroskopisch zu erkennen sind. Nutzen Sie ihm als Prügelfiguren, nimmt er sie gern, aber genauso kann es sein, dass er die Schweiz bald wieder zum Paradies Europas hochschraubt, weil sie der bösen EU der Stirn zeigt. Vielleicht wäre KKS sogar besonders geeignet für die nächste Runde: Ein Bully schätzt nach einem Zoff den grossen Kotau als Demütigung besonders – wenn ihn denn KKS wirklich über sich bringt. Es wäre der Beweis, dass sie in der grossen Politik angekommen ist.
Das nicht mehr ganz so helle Strahlen der Finanzministerin könnte auch auf ein anderes Dossier abfärben, und das wäre gut so: in unserer heute erscheinenden Ausgabe, in der wir in der Titelstory «Brabecks Blamage» noch einmal das WEF-Fiasko des einstigen Nestlé-Chefs aufarbeiten, bringen wir ein Interview mit Andrea Orcel, dem Ex-UBS-Investmentbanking-Chef und heute als Chef der Mailänder Unicredit der erfolgreichste Banker der Eurozone. Natürlich würde er es nie so drastisch formulieren, deshalb greifen wir selbst zur rabiaten journalistischen Zuspitzung – die Botschaft lautet: KKS begeht Vertragsbruch. Die UBS habe die Credit Suisse unter bestimmten Bedingungen übernommen, betont Orcel. «Ich kann verstehen, dass sie nicht akzeptieren will, dass die Voraussetzungen, unter denen sie das Geschäft abgeschlossen hat, im Nachhinein geändert werden.»
Und auch zu den KKS-Plänen äussert er sich. Dass sein Haus, mit 13 Banken in Europa die europäischste aller Grossbanken, einen ähnlich hohen Auslandsanteil hat wie die UBS, führt nicht etwas zu einer Verschärfung der Regulierung. Eine separate Kapitalunterlegung für Auslandstöchter, und das sogar von 100 Prozent, wie sie KKS fordert, kennt der europäische Regulator nicht, und Orcel hält sie auch nicht für sinnvoll: Entscheidend für die finanzielle Bewertung einer Bank sei die «Gesamtkapitalisierung auf Gruppenebene». Und wer hat früher die europäische Bankenaufsicht bei der EZB geleitet? Der heutige Finma-Chef Stefan Walter. Der wollte selbst bei der Deutschen Bank, mit ihrem noch immer zu grossen Investmentbanking deutlich risikostärker unterwegs als die UBS, die Auslandstöchter nicht mit separater Kapitalunterlegung quälen, schon gar nicht mit 100 Prozent. Jetzt ist er voll auf den Schweizer Sonderweg eingeschwenkt – in diesem Fall ein Irrweg. Hoffentlich bessert das Parlament nach.
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Das Klagen gehört in der Industrie dazu, am Dienstag Woche meldete der Dachverband Swissmem einen möglichen Jobverlust von 30 000 Stellen durch US-Schock und EU-Verlagerungen. Der bekannteste Industrie-Unternehmer des Landes ist allerdings als Eishockey-Angreifer kein Klager, sondern ein Kämpfer. Zu kämpfen haben im Reich von Stadler-Rail-Patriarch Peter Spuhler vor allem die Aktionäre. Acht Prozent ging der Kurs am Mittwoch nach der Verkündung der Halbjahreszahlen in die Knie, der Rebound gestern machte nicht einmal die Hälfte wieder gut.
Seit dem Börsengang 2019 hat sich der Kurs halbiert, in den vergangenen zwölf Monaten ging es 20 Prozent bergab. Irgendwie trauen die Aktionäre Spuhler nicht so recht. Braucht es einen Stromschlag von aussen? Top-Performer in seinem Reich ist mittlerweile der Nutzfahrzeug-Hersteller Aebi Schmidt, bei der Ex-CS- und Bär-Banker Barend Fruithof dem Patron – und auch sich selbst - mit US-Akquisition und Börsengang satte Summen in die Kassen gespült hat. Wie wir in einer grossen Story über die Best Buddies schreiben, stösst Fruithof jetzt auch in Spuhlers Heiligtum vor: Er wird Mitglied der PCS Holding, in der Spuhler alle seine Beteiligungen verwaltet. Banker-Börsen-Rezepte für Stadler? Könnte helfen.
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Zwar etwas besser, aber ebenfalls kaum euphorisch dürfen sich die Partners-Group-Aktionäre fühlen: Ihr Investment verlor in Jahresfrist sieben Prozent. Dienstag zeigt das Private-Equity-Haus seine Halbjahreszahlen. Die Firma mit ihren EU-kritischen Gründungs-Milliardären scheint sich in Bern – trotz oder wegen ihres Polit-Engagements – besonderer Beliebtheit zu erfreuen: Sie stellte mit Fredy Gantner und Marcel Erni gleich zwei Teilnehmer an dem wenig wirkungsmächtigen Washington-Flug der Schweizer Politspitze vor drei Wochen.
Das würde wirklich interessieren: Was bewegen sie hinter den Kulissen? Können Sie überhaupt etwas bewegen? Doch profane Zahlenbericht-Erstattung haben sie längst hinter sich gelassen, am Dienstag werden wir sie nicht sehen. Schade.
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