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Karstadt und Kaufhof 
René Benko – der Kaufhaus-König

René Benko
Tiroler Selfmademan René Benko: Die Fusion der deutschen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt ist perfekt.Quelle: Sebastian Widmann / Getty Images

Schon früh sammelte er das Geld reicher Investoren ein und steckte es in Luxusimmobilien. Nun wird René Benko zum Eigentümer einer der grössten Warenhauskonzerne.

Veröffentlicht 11.09.2018

Mit kleinen Deals muss sich der österreichische Immobilieninvestor Rene Benko längst nicht mehr zufriedengeben - die hat er schliesslich schon mit knapp zwanzig Jahren gemacht. Damals brach der 1977 in Innsbruck geborene Benko die Schule ab, um Dachböden auszubauen und dann als Wohnungen teuer zu verkaufen. Das Immobiliengeschäft faszinierte den ehrgeizigen Benko und liess ihn nicht mehr los. «Ich könnte nicht aufhören», sagte er einmal in einem Interview.

Nun baut Benko sein Imperium weiter aus und schmiedet nach der Übernahme des Traditionskonzerns Karstadt ein Bündnis mit dem Kaufhof. Damit wird er nach mehreren Fehlschlägen zum Wegbereiter der vielzitierten deutschen Warenhaus-Allianz. Benko hatte schon mehrfach versucht, nach Karstadt auch den Erzrivalen Kaufhof unter seine Kontrolle zu bringen. Doch mehrere Versuche einer Übernahme der Kette waren gescheitert - jetzt ist Benko am Ziel. Dabei hilft ihm auch, dass Kaufhof unter der Ägide des nordamerikanischen Eigners HBC in die roten Zahlen geschlittert ist.

Wie Spitzensport

Noch 2015 hatte HBC Benko den Kaufhof vor der Nase weggeschnappt. Jetzt zahlen sich für den Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Kindergärtnerin Geduld und Beharrlichkeit aus. «Man kann es beschreiben wie Spitzensport», sagte Benko einmal über sein Geschäft. «Es ist nicht nur Talent, sondern auch die Konsequenz, hart zu arbeiten, nicht aufzugeben, den Weg nicht zu verlassen und mehr zu bewegen und zu leisten, als es andere tun wollen.»

Sein Weg führte Benko aus seiner Heimat Tirol nach Wien. Mit seinem Unternehmen Signa sammelt er seit der Jahrtausendwende das Geld reicher Investoren ein und steckt es in Luxusimmobilien in Innenstädten. Mittlerweise ist das Immobilienvermögen der Signa Gruppe nach deren Angaben auf rund zwölf Milliarden Euro gewachsen, der Umsatz der Handelsbeteiligungen liege bei rund 4,5 Milliarden Euro. Neben Österreich ist die Gruppe auch in anderen europäischen Ländern aktiv, in Deutschland zählt Signa die Nobel-Kaufhhäuser KaDeWe in Berlin und Oberpollinger in München zu ihrem Reich.

Prominentes Netzwerk

Hinter diesen grossen Coups steht Benko jedoch meist nicht allein. Der Investor hat ein dichtes Netz aus Freunden und Förderern geknüpft: Gleich zu Beginn seiner Karriere gewann er das Vertrauen des Tankstellen-Erben Karl Kovarik, mit dessen finanzieller Unterstützung er auch grössere Projekte umsetzen konnte.

Noch deutlich prominentere Namen finden sich im Beirat seiner Firma - darunter Unternehmensberater Roland Berger und der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) - aber auch Susanne Riess, frühere Politikerin der rechtspopulistischen FPÖ. «Er ist sehr geschickt dabei, von anderen zu lernen», beschreibt ihn ein Wegbegleiter. Auch Benko selbst ist sein Umfeld wichtig: «Man muss weder frech sein noch besonders mutig, sondern besonders konsequent in der Umsetzung der Investitionsziele - und dabei, dass man schaut, dass man professionelle Leute an seiner Seite hat.»

Bestechung von Politikern

Sein weit verzweigtes Netzwerk konnte Benko jedoch nicht vor einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung schützen, die er in einem Korruptionsprozess aufgebrummt bekam: Ihm wurde vorgeworfen, über seinen Steuerberater Politiker bestochen zu haben, die in einer steuerlichen Angelegenheit zugunsten von Signa intervenieren sollten. Der Oberste Gerichtshof in Wien hatte das Urteil bestätigt.

Benko hat sich aus der operativen Führung seines Unternehmens zurückgezogen und wechselte 2013 an die Spitze des Beirats. «Offenbar habe ich auch ein glückliches Händchen für richtige Zeitpunkte», wird Benko auf der Signa-Homepage zitiert. Beim Kaufhof ist dieser nun gekommen.

(reuters/ccr)

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