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BILANZ-Briefing

Trumps Show wirbelt Davos auf wie nie zuvor

Die Themen der Woche: Atemloses WEF, Peak Don, UBS-Nachfolgeraten, Börsen-Blick.

Dirk Schütz

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«Trumps wahres Genie ist seine meisterhafte Beherrschung der «Dead cat strategy», sagt Chefredaktor Dirk Schütz. 

BILANZ

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Trumps wahres Genie ist seine meisterhafte Beherrschung der «Dead cat strategy»: Stets die Öffentlichkeit vor sich hertreiben mit wilden Vorstössen – immer neue tote Katzen auf den Tisch legen, die die höchste Währung des Ego-Boosting garantieren: Permanente Aufmerksamkeit. Zum Jahresbeginn hat er die Frequenz noch mal erhöht: Venezuela, Grönland, Powell – atemlos ins Neue Jahr, an dessen Ende die bösen Midterms drohen. Da kommt die grosse Show in Davos nächsten Mittwoch gerade recht.

Doch das ist eben das Spezielle an dieser Strategie, von Insidern auch «Deadcatting» genannt: Effekt statt Veränderung, Kurzfrist-Aufregung statt Langfrist-Wirkung. In Venezuela ist eine Schurkin auf einen Schurken gefolgt, in Grönland rasseln wie im Iran bislang nur die Säbel, und bei der Anzeige gegen Fed-Chef Powell behauptete er gar, er habe davon nichts gewusst, obwohl er sie gefordert hatte. Dass die Gegenwehr steigt, zeigt nicht nur die Kritik von allen noch lebenden Ex-Fed-Chefs, von Greenspan bis Yellen, sondern auch von Jamie Dimon, JP-Morgan-Überbanker, inoffizieller CEO der US-Konzernwelt und erster Seismograf für Trumps-Standing in der Business-Welt. Die Risse werden grösser.

Da traut sich sogar der bislang eher vorsichtige Nationalbank-Chef Martin Schlegel aus der Deckung und protestiert mit seinen Notenbank-Kollegen von Frankfurt bis Sydney. Gewiss, die Herde bietet Schutz. Richtig ist der Protest dennoch.

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USA vs China 

Und so bleibt die Frage: Was bringen die grossen Trump-Festspiele in Davos? Dass er mehr Wirbel machen wird als bei seinen ersten beiden Besuchen, darf als sicher gelten, wir leben ja im Zeitalter von Trump 2.0. Es ist sein erster Besuch auf dem Alten Kontinent in der zweiten Amtszeit, bislang war er nur in Grossbritannien, und als EU-Chefin von der Leyen mit ihm ihren Zolldeal verhandeln wollte, musste sie auf seinen Golfplatz nach Schottland reisen. Bereits häufen sich Gerüchte, Trump wolle Davos zu einer Art G7-Ukraine-Gipfel machen. Dafür stehen zwar die Regierungschefs Macron, Meloni und Starmer nicht auf der Teilnehmerliste. Aber wenn Trump auf dem Kontinent landet, kommen alle – und Davos wird noch voller.  

Da wirkten die WEF-Versuche schon fast hilflos, das diesjährige Davos als neutral darzustellen. Bei der virtuellen Pressekonferenz von CEO Brende am Mittwoch mussten Journalisten kurze Fragen einreichen, das WEF wählte in bester Trump-Manier aus, Fragen zur Amerikanisierung des WEF fanden kein Gehör. Stattdessen durften mehrere Chinesen Fragen stellen, und Brende konnte die Bedeutung der chinesischen Delegation betonen – doch die zweigrösste Wirtschaftsmacht ist mit weniger als 100 Teilnehmern vertreten, die USA dagegen mit mehr als 900. Die USA übernehmen das WEF. Bleibt die Frage, wie lange. Peak Don.

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UBS-Gerüchte                                                             

Es ist immer erstaunlich: Da bringt also die Financial Times eine kleine Story über den angeblichen Rücktritt von UBS-Chef Ermotti im Frühjahr 2027 und nennt mögliche Nachfolger, und auch durchaus selbstbewusste Redaktionen von F+W bis NZZ springen auf und beten nach. Dass die Story null Neuigkeitswert hatte, weder bei Abtrittsdatum noch Kandidatennamen? Egal. Ist doch die FT.

Dabei lassen sich bei allen vier auch hier wieder genannten Namen gewichtige Kontra-Argumente finden. Iqbal Khan? Seine Vergangenheit aus der «Rotten-Culture»-CS drückt. Beatriz Martin? Nie Ergebnisverantwortung für eine grosse Sparte. Rob Karofsky? Bald 60 Jahre alt, Investmentbanker, und dann noch Amerikaner. Aleksander Ivanovic, als «flavor of the month» in der Story besonders gepusht? Leitet nur eine Mini-Sparte.  Also: Nix Genaues weiss man nicht, zumal es trotz aller Präferenz für eine interne Lösung auch zur Treuepflicht des VRs zählt, extern zu schauen. Da braucht es wohl den Bankchef selbst, der vor kurzem für eine andere FT-Story zu angeblichen Verhandlungen von Präsident Kelleher über einen US-Umzug eine spezielle Charakterisierung wählte: Bullshit.

Diese Woche: Börse 2026

Diese Woche wird es in der Schweiz nur Trump geben, was mancherorts den Wunsch nach einer Zeitkapsel verstärkt. Ein interessanter Aspekt kommt da fast zu kurz: Was bedeute die Dead-Cat-Strategie für die Börse? Dass die Kurse trotz der heftigen FED-Attacke weiter steigen, quittiert die ehemalige Fed-Chefin und Finanzministerin Janet Yellen offen mit Verwunderung. Da wagen sich auch die ersten Grossinvestoren auf die Kritikerbühne. Trump sei «unvorhersehbar», deshalb betreibe man «eine mehrjährige Diversifikationsstrategie weg von US-Assets», lässt der Chief Investment-Chef des US-Bondriesen Pimco verlauten. Was bringt also das neue Börsenjahr? Wir versuchen eine Annäherung im Bilanz Business Talk am Sonntag.

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Dirk Schütz
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