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Foto: Thomas Meier. Zürich, 16.05.18. Interview mit SNB-Chef Thomas Jordan.
Quelle: Thomas Meier

Thomas Jordan

Seinen Kurs geht er unbeirrt: An der jährlichen Aussprache mit dem Bundesrat von Mitte November bekräftigte der Nationalbank-Präsident erneut die Notwendigkeit der Negativzinsen. Der Franken sei nach wie vor hoch bewertet, die bestehende Geldpolitik also unverändert nötig. Die SNB stemmt sich mit Zinsen von minus 0,75 Prozent und Eingriffen am Devisenmarkt gegen eine Aufwertung des Frankens. Kritik gab es kaum, obwohl die Wirtschaft unter den Negativzinsen, für welche die Rentner mit schrumpfenden Pensionen und die Sparer mit mageren Renditen die Zeche zahlen, arg leidet. Jordan, seit 2012 an der Spitze der Behörde, ist nahezu unantastbar. Nachdem sein flamboyanter Vorgänger Philipp Hildebrand noch mit allerlei Ränkespielen angefeindet worden ist und nach Devisentransaktionen seiner Gattin hat zurücktreten müssen, lassen die Politiker den bodenständigen Ökonomen aus Biel weitgehend gewähren.

Mit seiner ruhigen Art verkörpert der 1,90 grosse Hüne auch physisch die Gravitas, die er für sich in Anspruch nimmt. Dabei gab es für ihn schwierige Momente, wie er kürzlich zugab. Im Januar 2015 zum Beispiel, als er – sichtlich nervös – vor den Medien die Aufhebung des Mindestkurses zum Euro bekannt gab. Die Folge: eine abrupte Aufwertung des Frankens und damit der Kosten für die Exportindustrie um rund 20 Prozent. Studien zeigten denn auch, dass der starke Franken in den zwei Jahren nach dem Entscheid zu einer Reduktion der Beschäftigungszahl um durchschnittlich 4,6 Prozent geführt hat. «Wir wussten, dass die Aufwertung Auswirkungen haben wird. Wir wussten aber auch, dass ein Nicht-Entscheid, Angst haben vor dem Entscheid, noch viel grössere Auswirkungen auf die Schweiz haben würde», sagte er im Januar 2018 anlässlich des dritten Jahrestags des Beschlusses. So wäre die SNB ohne die Aufhebung nicht mehr in der Lage gewesen, eine wirksame Geldpolitik zu betreiben.

Auch als Regulator ist die Nationalbank aktiv, in enger Zusammenarbeit mit der Finanzmarktaufsicht Finma, und hält ein waches Auge auf die Risiken des Finanzsektors für die Schweizer Volkswirtschaft. Derzeit besonders im Blick: die Ungleichgewichte auf dem Immobilienund Hypothekarmarkt.

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