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EPFL-Präsident 
«Schaffung einer neuen Sozialversicherung für Umschulung»

Martin Vetterli EPFL Lausanne
Herr über die EPFL: Martin Vetterli auf dem Campus der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne.Quelle: Olivier Vogelsang

EPFL-Präsident Martin Vetterli kritisiert die Naivität der Schweizer gegenüber Facebook und Co. und plädiert für die Schaffung einer Sozialversicherung für Umschulung.

Florence Vuichard
Von Florence Vuichard
20.12.2018

Der Präsident der ETH Lausanne (EPFL) Martin Vetterli wirft den Schweizern im Umgang mit den grossen Techfirmen Naivität vor und warnt die Dienstleistungsfirmen. «Alle Bereiche, die mit Information zu tun haben, müssen in Zukunft mit Disruptionen rechnen», sagt er im Interview mit der BILANZ.

Und er ergänzt: «Wir sollten also aufpassen, dass wir nicht nur Konsumenten digitaler Produkte und Dienstleistungen werden, sonst werden wir zu einer digitalen Kolonie der USA.»

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«Es bräuchte neue Sozialversicherung»

Wenigstens ein Teil der hiesigen Bevölkerung müsse an der Schaffung neuer Unternehmen oder der Entwicklung neuer Produkte beteiligt sein, die in Zusammenhang mit der digitalen Gesellschaft stünden. Und Vetterli plädiert für eine «stetige Weiterbildung und Umschulung».

Via San Francisco nach Lausanne

Seine Eltern stammten aus der Deutschschweiz, aus Stäfa ZH, aufge­wachsen ist Martin Vetterli (61) in Neuenburg. Er studierte an der ETH Zürich und in Stanford (CA) Ingenieurwissenschaften und doktorierte an der EPFL in Lausanne. Danach ging er in die USA, wo er Professor an der Columbia University in New York und der University of California in Berkeley war, bis er 1995 in die Schweiz zurückkam – an die EPFL. Von 2013 bis 2016 war er Präsident des Schweizerischen Nationalfonds, und 2017 übernahm er von Patrick Aebischer das EPFL-Präsidium. Sein Forschungsschwerpunkt ist die digitale Signalkompression für Bild und Ton, die hinter Formaten wie JPG und MP3 steckt. Vetterli ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Grandvaux.

Martin Vetterli EPFL-Präsident

Und er geht noch einen Schritt weiter: «Dafür bräuchte es aber eine neue Sozialversicherung: eine Umschulungskasse analog zur Arbeitslosenkasse.» Singapur habe eine solche eingeführt, und die Schweiz müsse dringend darüber reden. «Denn entweder führen wir eine solche Sozialversicherung ein, oder wir landen früher oder später beim bedingungslosen Grundeinkommen. Nichtstun und Vogel-Strauss-Politik sind die falschen Antworten, falls sich die Schweiz ihren Wohlstand durch diese vierte industrielle Revolution sichern will.»

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