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Machtnetz

Philippe Blatter und seine unsichtbare Macht im Sport

Der Chef des ­Vermarkters Infront ist an den Olympischen Winterspielen kaum sichtbar, aber trotzdem überall präsent.

Ueli Kneubuehler Rinigier

<p>Philippe Blatter, CEO von Infront, prägt seit über 20 Jahren die globale Sportvermarktung.</p>

Philippe Blatter, CEO von Infront, prägt seit über 20 Jahren die globale Sportvermarktung.

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Von Ski über Langlauf bis Curling: Rund zwei Milliarden Menschen werden zwischen dem 6. und dem 22. Februar 2026 den Fernseher einschalten, wenn das olympische Feuer für die Winterspiele in Mailand und Cortina im San-Siro-Stadion entzündet wird. Gemessen an der TV-Reichweite sind die Winterspiele die weltweit fünftgrösste Sportveranstaltung. Mittendrin: der Vermarkter Infront Sports & Media aus Zug. Ein heimlicher Riese, der 2025 mit 1,2  Milliarden Euro einen Rekordumsatz verzeichnete, in der globalen Sportwelt fast überall mitmischt und den doch kaum jemand kennt. An dessen Spitze: Philippe Blatter, 61-jähriger Walliser, seit mehr als 20  Jahren CEO und Präsident. Ein Mann mit einem weitverzweigten Sportnetzwerk; den auch nur wenige kennen. Von Blatter gibt es kaum Fotos, und wenn, dann trägt er oft ein Finisher Shirt eines Triathlons. Auch an den Spielen in Norditalien taucht Infront faktisch nirgends auf – und ist doch überall dabei. Das IOC vermarktet die Spiele selbst. Infront verantwortet nur die TV-Rechte in Teilen Asiens und das IOC-Archiv. Doch Infront ist die Hausagentur von sechs der sieben Olympischen Verbände. In den Jahren zwischen den Spielen sorgen die Zuger dafür, dass Athleten und Sportarten über den Bildschirm flimmern.

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Die Mitstreiter

Es gibt nicht viele Unternehmen, deren Chefs derart viel Sitzleder haben wie Philippe Blatter. Seit mehr als 20 Jahren ist er CEO und Präsident in Personalunion. Und das trotz verschiedener Besitzerwechsel. 2015 hat der chinesische Konzern Dalian Wanda den Zuger Vermarkter Infront für 1,2  Milliarden Dollar von der Private-Equity-Firma Bridgepoint übernommen. Der Chef blieb derselbe. Und mit ihm Senior Vice President Bruno Marty, verantwortlich für den Wintersport. Marty ist im gleichen Jahr wie Blatter bei Infront gestartet. Ein Walliser Freund ist Franz Julen, unter anderem OK-Präsident der Skirennen in Zermatt, die ab 2028 im Rennkalender stehen. Seit vielen Jahren kooperiert Blatter eng mit fast allen IOC-Verbänden. Besonders gut versteht er sich mit Khunying Patama Leeswadtrakul, Präsidentin des Badminton-Weltverbands, und Lord Sebastian Coe, Präsident des Dachverbands der Leichtathletik. Auch der Fussball ist wichtig. Gut ist die Beziehung zu Romy Gai, Chief Business Officer der FIFA. Gai ist unter anderem für die Marketingpartner verantwortlich. Infront vermarktet auch diverse Fussballligen. Dazu gehören etwa die italienische Serie A mit CEO Luigi De Siervo und die Ligue de Football Professionnel in Frankreich mit Präsident Vincent Labrune. Seine Leidenschaft fürs Laufen übt Blatter auch mit Infront-Hut aus. Die Zuger vermarkten die Abbott World Marathon Majors (New York, Tokio, Boston, Berlin, London, Chicago) mit CEO Dawna Stone. Ein Trend ist der Indoor-Fitnesswettkampf Hyrox, eine Kombi aus Laufen und funktionellem Krafttraining. Mit den Gründern Moritz Fürste und Christian Tötzke ist Blatter eng. 2022 hat Infront die Mehrheit an Hyrox übernommen.

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<p>Lord Sebastian Coe ist Präsident des Dachverbands der Leichtathletik.</p>

Lord Sebastian Coe ist Präsident des Dachverbands der Leichtathletik.

Getty Images
<p>Lord Sebastian Coe ist Präsident des Dachverbands der Leichtathletik.</p>

Lord Sebastian Coe ist Präsident des Dachverbands der Leichtathletik.

Getty Images

Die Familie

Philippe Blatter ist gebürtiger Walliser, wohnt aber seit dem Studium in der «Üsserschwiiz», davon die letzten 20  Jahre im Kanton Zug. Er ist verheiratet mit Sandra Blatter und hat zwei erwachsene Söhne. Der Firmenname ist auch privat Programm: Sport steht über allem. Er ist leidenschaftlicher Triathlet über die Langdistanz. Seit 2000 hat er sage und schreibe 20  Ironman-Rennen durchgestanden, darunter dreimal die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Auch seine Familie hat das Sport-Gen intus. Die vier haben schon den einen oder anderen Familienlauf zusammen bestritten. Blatter ist ein nicht ganz unbekannter Familienname im Wallis. Der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter ist Philippes Onkel.

<p>Philippe und Sandra Blatter.</p>

Philippe und Sandra Blatter.

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<p>Philippe und Sandra Blatter.</p>

Philippe und Sandra Blatter.

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Die Karriere

Als Philippe Blatter als Maschineningenieur an der ETH Zürich startete, hat er sich kaum gedacht, dass er einst einen Sportvermarkter führen wird. In den USA hängte er einen MBA an. Danach startete er als Partner bei McKinsey und lernte dort die Granden Thomas Knecht (heute Knecht Gruppe) und Christian Casal (ehemaliger McKinsey-Schweiz-Chef) kennen. McKinsey, die Schmiede der Chefs, machte ihn tatsächlich zum Chef. 2006 begann er bei Infront als CEO und Präsident und traf auf den legendären Co-Firmengründer und früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Bei Infront lernte er auch Andreas Jacobs kennen, dessen Jacobs Stiftung von 2002 bis 2011 Eigentümerin des Sportvermarkters war und diesen an das Private-Equity-Haus Bridgepoint weiterreichte – mit Xavier Robert im Lead. Fussball-Legende Günter Netzer zählt ebenfalls zu den Infront-Mitgründern und war lange Verwaltungsrat, ebenso wie der Unternehmer und ehemalige Diplomat Uli Sigg. Das Verlagshaus Ringier (Herausgeberin der BILANZ) mit CEO Marc Walder hatte zwischen 2011 und 2019 ein Joint Venture mit Infront. Den katarischen Premier Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani kennt Blatter durch das Joint Venture AspireInfront. Infront gehört dem chinesischen Konzern Dalian Wanda, an dessen Spitze Gründer Wang Jianlin steht.

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<p>Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ist Premierminister von Katar.</p>

Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ist Premierminister von Katar.

AFP
<p>Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ist Premierminister von Katar.</p>

Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani ist Premierminister von Katar.

AFP

Die Gegenspieler

Auf dem Niveau von Infront gibt es nicht mehr allzu viel Konkurrenz. Ein Mitbewerber ist die Agentur Endeavor/IMG mit CEO Ari Emanuel. Infront hat diese bei der Vergabe der Archivrechte der Olympischen Spiele abgelöst. Wenn es um Medien- und Vermarktungsrechte im Fussball geht, dann pitcht Infront nicht selten gegen Stefan Felsing, CEO von Sportfive. Im Fussball ist auch die US-Agentur Relevent mit CEO Daniel Sillman ein Konkurrent. Relevent hat jüngst die Luzerner Agentur Team nach 35  Jahren als Vermarkter der UEFA Champions League und Co. abgelöst. Auch um die Rechte für die Nutzung von Daten wird konkurriert. Hier kommt die St. Galler Firma Sportradar ins Spiel, gegründet und geführt von Carsten Koerl.

<p>Stefan Felsing ist CEO von Sportfive.</p>

Stefan Felsing ist CEO von Sportfive.

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<p>Stefan Felsing ist CEO von Sportfive.</p>

Stefan Felsing ist CEO von Sportfive.

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Die Wintersport-Connection

In Mailand und Cortina kämpfen die Athletinnen und Athleten in 16  Disziplinen um Ruhm, Ehre und Medaillen. Erstmals olympisch ist das Skibergsteigen, das sich aus einem Wettkampfformat für militärische Patrouillen entwickelte. Philippe Blatter kennt alle in Mailand. Zentrale Figuren beim IOC sind Präsidentin Kirsty Coventry sowie deren langjähriger Vorgänger und Ehrenpräsident Thomas Bach. Besonders wichtig sind der Präsident des Ski-Weltverbands (FIS) und IOC-Mitglied Johan Eliasch und FIS-CEO Urs Lehmann. Der frühere Swiss-Ski-Präsident ist seit September 2025 erster Chief Executive des Ski-Weltverbands. Wichtig sind zudem die Präsidenten des Internationalen Hockeyverbands, Luc Tardif, des Bob- und Skeletonverbands, Ivo Ferriani, des Skatingverbands, Kim Jae-youl, und des Biathlonverbands, Olle Dahlin. Eng sind die Bande natürlich zu den Schweizer Sportfunktionären wie Urs Kessler, Präsident, und Martin Baumann, CEO von Swiss Ice Hockey, und Christian Hofstetter, der als Chef im Mai die diesjährige Eishockey-WM in der Schweiz organisiert. Nicht fehlen in der Liste darf Diego Züger. Er ist Co-CEO von Swiss-Ski und verantwortlich für das Kommerzielle. Bis 2016 war er Manager Winter Sports bei Infront.

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<p>Kirsty Coventry ist die Präsidentin des IOC.</p>

Kirsty Coventry ist die Präsidentin des IOC.

keystone-sda.ch
<p>Kirsty Coventry ist die Präsidentin des IOC.</p>

Kirsty Coventry ist die Präsidentin des IOC.

keystone-sda.ch
Über die Autoren
Ueli Kneubuehler Rinigier
Ueli Kneubühler
Ueli Kneubühler

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