Er ist einer der bekanntesten Köpfe am Schweizer Bankenplatz. Ein Jahrzehnt lang leitete Jürg Zeltner das Wealth Management der UBS, bis er die Bank Ende 2017 verliess. Und scheinbar abtauchte. Im Mai erschien sein Name wieder auf der Bildfläche – als designierter CEO und Verwaltungsrat bei der Privatbankengruppe KBL. Ein Wechsel also vom mondänen Paradeplatz zu einem vergleichsweise kleinen Vermögensverwalter mit Sitz in Luxemburg, was in der Branche für Verwunderung sorgte.

Doch nun zeigt sich: Zeltner hat keine Absicht, die Schweiz zu verlassen. Vielmehr will er mit der KBL an die Zürcher Bahnhofstrasse ziehen und dort eine Schweizer Niederlassung eröffnen. Der Top­banker hat einen Steinwurf vom Paradeplatz entfernt im historischen «Eid­genoss»-Gebäude Büroräume gemietet, wie eine gut informierte Quelle bestätigt. Der Vertrag für die rund 600 Quadrat­meter grosse Fläche läuft vorerst jedoch auf seinen eigenen Namen.

Eidgenoss-Gebäude an der Bahnhofstrasse in Zürich

Zeltners KBL soll in das historische Gebäude einziehen.

Quelle: ZVG

Bewilligung von EZB notwendig

Der Grund: Es müssen noch zwei Hürden genommen werden, die dem Vernehmen nach indes Formsache sind. Weil Zeltner sich als Investor gleich auch an KBL beteiligt – über den Anteil besteht Stillschweigen –, braucht es von der Europäischen Zentralbank eine Bewilligung. Die steht zwar noch aus, soll aber in Kürze eintreffen.

Ferner fehlt KBL dann noch eine Schweizer Banklizenz. Liefern wird sie voraussichtlich die zum Verkauf stehende Bank am Bellevue, die KBL übernehmen will. Mit ihr kommen rund zwei Milliarden Franken an Kundenvermögen zu der Luxemburger Gruppe, die sieben europäische Banken umfasst und in 50 Städten präsent ist. Aktiv ist KBL neben Luxemburg in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Spanien und Grossbritannien. Kontrolliert wird die Bank von der Al-Thani-Familie in Katar.

80 Milliarden Franken Kundengelder

Mit den rund 80 Milliarden Franken an verwalteten Kundengeldern ist die KBL ein Zwerg im Vergleich zur Vermögensverwaltung der UBS. Für Zeltner entscheidend ist aber, dass er nun unternehmerisch tätig sein kann. Mit seiner KBL peilt er denn auch ein starkes Wachstum an, die Schweiz dient dabei als wichtige Drehscheibe.

«Wir werden enorm in Kundenerfahrung, Technologie und Menschen investieren», sagte Zeltner, als er CEO wurde. «Wir werden schnell und mit der unerschütterlichen Absicht vorankommen und jedem Kunden, den wir bedienen können, noch mehr Wert bieten.» Das klingt ganz und gar nach einer Kampfansage an seinen alten Arbeitgeber.

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