Die Feierlichkeiten anlässlich der Inthronisierung von Kronprinz Naruhito lässt die japanische Wirtschaft auf ein Milliardengeschäft hoffen. Brauereien, Hotels, Einzelhändler, Restaurants und Bahn reiben sich bereits die Hände. Zehn Tage lang - noch bis zum 6. Mai - haben Banken, Schulen, Regierungsbehörden und viele Geschäfte geschlossen. Damit soll der neue Kaiser gefeiert werden. Dessen 85-jähriger Vater Akihito dankt nach 31-jähriger Amtszeit ab, Naruhito übernimmt am 1. Mai.

Eine Rekordzahl von 24,7 Millionen Japanern - etwa ein Fünftel der Bevölkerung - wird in der freien Zeit nach Einschätzung des Reiseverbandes JTB Urlaub machen. Die meisten dürften im eigenen Land verreisen. «Die Japaner sind in Festtagsstimmung», sagt der Sprecher der börsennotierten Brauerei Asahi, Yoshiie Horii. «Wir denken, dass die Feiertage den Konsum anregen werden.» Asahi hat bereits die Produktion mehrerer Marken um fünf bis zehn Prozent hochgefahren.

Auswirkungen auf das BIP

Die Hoffnungen der Wirtschaft auf ein einträgliches Geschäft könnten sich auch deshalb erfüllen, weil der Kaiser-Wechsel nicht durch den Tod des Amtsinhabers ausgelöst wird, sondern erstmals seit rund zwei Jahrhunderten durch einen freiwilligen Rücktritt. Dadurch fühlen sich die Verbraucher nicht verpflichtet, sich wegen einer Staatstrauer zurückzuhalten. Die Kaufhäuser in Tokio wollen Sonderartikel herausgeben, etwa mit Goldstaub versehene traditionelle Süssigkeiten.

Experten rechnen damit, dass die Feiertage das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden zweiten Quartal anschieben dürften. Allein die Ausgaben für Inlandsreisen dürften um fast ein Drittel auf 1,48 Billionen Yen (12 Milliarden Euro) steigen, schätzt der Chefökonom des Forschungsinstituts Dai-ichi, Hideo Kumano. «Noch im März gab es viel Gerede über eine Rezession», sagt der Experte. Das habe mit Bekanntgabe der Feierlichkeiten am 1. April geendet. Der private Konsum dürfte während der zehn Tage um 7,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum zulegen, erwartet Ökonom Koya Miyamae von SMBC Nikko Securities. Das könnte das BIP der nach den USA und China drittgrössten Volkswirtschaft der Welt um einen viertel Prozentpunkt erhöhen.

Börsen fürchten lange Auszeit

Die Industrie dürfte die Auszeit wegstecken. Im Frühjahr werden in Japan traditionell mehrere Feiertage begangen, was als die «Goldene Woche» bezeichnet wird. Sie wird diesmal wegen des Thronwechsels verlängert. Der Autobauer Toyota etwa erklärte, dass seine Werke wegen der «Goldenen Woche» ohnehin für neun Tage geschlossen bliebe. IT- und andere Firmen rechnen wegen verlorener Arbeitstage schlimmstenfalls mit einer kleinen Delle. Einer Reuters-Umfrage unter 220 Unternehmen ergab, dass die Hälfte nicht damit rechnet, dass die lange Pause ihre Geschäfte belastet. Rund 28 Prozent erwarten ein Minus, etwa ein Viertel dagegen ein Plus.

Am meisten fürchtet sich die Finanzwelt vor den tagelangen Festlichkeiten. Da die Börsen zehn Tage lang geschlossen bleiben, befürchten einige Händler Störungen bei Geschäften mit der Landeswährung Yen. «Es ist ein Risiko, wenn wir zehn Tage lang nicht handeln können - selbst dann nicht, wenn in Übersee etwas passiert», warnt Marktstratege Shogo Maekawa von JPMorgan Asset Management.

(reuters/ccr)

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