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Interessenkonflikt 
Paradise Papers: Die Doppelrolle des Zuger Anwalts Martin Neese

Martin Neese
Martin Neese: Amtet als VR bei den Firmen von Jean-Claude Bastos. Quelle: Christian Herbert Hildebrand

Der Anwalt Martin Neese sitzt nicht nur im VR der Quantum-Global-Gruppe von Investor Jean-Claude Bastos, sondern präsidiert auch die Selbstregulierungsorganisation, die diese überwacht.

Florence Vuichard
Von Florence Vuichard
am 29.11.2017

Er hatte keine Freude, als sein Name in der Berichterstattung rund um die «Paradise Papers» auftauchte. Für den Zuger Anwalt Martin Neese heisst es jetzt: mitgefangen, mitgehangen. Denn seit 2013 sitzt er mit dem Anwalt Thomas Ladner in mehreren Verwaltungsräten der Quantum-Global-Gruppe des schweizerisch-angolanischen Investors Jean-Claude Bastos.

Die Unternehmensfamilie, deren Zweck als «Erbringen von Dienstleistungen bei der Verkaufsförderung, Kundendienste und Anlageberatung im Bereich der globalen Vermögensverwaltung» umschrieben ist, besteht in der Schweiz aus insgesamt vier Einheiten in Zug und einem Ableger im Tessin.

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Zugleich Präsident der SRO

Kontrolliert wegen allfälliger Verstösse gegen das Geldwäschereigesetz werden die Firmen von Selbstregulierungsorganisationen (SRO), die wiederum von der Finanzmarktaufsicht (Finma) überwacht werden. Pikant in Neeses Fall ist, dass er nicht nur im Verwaltungsrat der Quantum Global Investment Management sitzt, sondern auch als Präsident der SRO Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF) amtet, die eben diese Zuger Gesellschaft überwachen soll.

Investor Jean-Claude Bastos
Jean-Claude Bastos: Verwaltet den angolanischen Staatsfonds.
Quelle: Anita Baumann

Neese verneint einen Interessenkonflikt und verweist auf die Organisation des VQF: Die Geldwäschereiaufsicht über die Mitglieder werde nicht durch den Vorstand, sondern eine vom Vorstand unabhängige Aufsichtskommission wahrgenommen. «Ich war und bin als Präsident überhaupt nicht involviert», sagt er.

Selbstregulierung ist mehrheitlich unbestritten

Dass SROs strategisch von Personen geführt werden, die gleichzeitig in Unternehmen sitzen, die sie überwachen, ist vom Gesetzgeber so gewollt. In der Botschaft zum Geldwäschereigesetz von 1996 hiess es: «Dies verlangt nicht in jedem Fall die Rekrutierung von Personen, die mit keinem der angeschlossenen Finanzintermediäre verbunden sind. Es muss lediglich sichergestellt sein, dass die üblichen Ausstandspflichten gewahrt werden.» Sprich, dass es zu keinen Interessenkonflikten kommt.

In der Politik ist das System der Selbstregulierung mehrheitlich unbestritten: «Es ist kostengünstig und effektiv», sagt FDP-Ständerat und VQF-Vorstandsmitglied Martin Schmid. Und er verweist darauf, dass sämtliche Regularien der SR-Os von der Finma abgesegnet würden.

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