Das neue Parlament ist grüner, grünliberaler, weiblicher und jünger. Gut möglich, dass das manch einem Wirtschaftsvertreter etwas Angst macht. Für das traditionell stark vertretene Gewerbe jedenfalls war der Wahlsonntag definitiv kein guter Tag.

Nebst der Spitze des Gewerbeverbands, Jean-François Rime und Hans-Ulrich Bigler, wurden auch der Druckereiunternehmer Hansjörg Brunner, der ebenfalls zum Verbandsvorstand gehört, sowie der Bauunternehmer Peter Schilliger abgewählt.

IT-Branche profitiert

Profitiert haben im Gegenzug die IT-Branche und die Start-up-Szene, die ihre noch immer sehr kleinen Delegationen in Bundesbern etwas aufstocken können. So schnappte sich etwa Gerhard Andrey, der grüne Mitgründer der Webagentur Liip, die heute schweizweit rund 180 Angestellte zählt, den Sitz des langjährigen SVP-Nationalrats und Gewerbepräsidenten Rime. Das heisst: Im Kanton Freiburg verdrängt ein Jungunternehmer einen Familienbetriebs-Stammhalter. Oder anders ausgedrückt: Ein IT-Unternehmer schlägt einen Holzunternehmer. Ein Generationenwechsel – nicht nur in Bezug auf den Jahrgang, sondern auch auf die Technologie.

Ebenfalls neu ins Parlament zieht Judith Bellaiche ein, die grünliberale Chefin des Verbands der ICT- und Online-Branche (Swico). Im Wahlkampf hatte sie mit dem Jungfreisinnigen Andri Silberschmidt das überparteiliche «Team Startup» gegründet. Gemeinsam haben die beiden Zürcher Ideen gesammelt, wie Hürden für Jungunternehmen abgebaut werden könnten. Ihr Versprechen: Sie würden den besten, per Publikums-Voting auserkorenen Vorschlag bei Wahlerfolg selbst oder ansonsten über Parteifreunde in Bundesbern einreichen.

Neu schlägt Alt

Nun tragen sie ihn gemeinsam ins Bundeshaus, wurde doch auch Silberschmidt gewählt. Der 25-jährige Bankmitarbeiter und Mitgründer eines auf Poké Bowls spezialisierten Gastrounternehmens hat Gewerbedirektor Bigler verdrängt. Auch hier gilt: Neu schlägt Alt, Pop-up-Erfahrung übertrifft gestandenes Verbandsleben.

In Minne hingegen verläuft der Generationenwechsel im Hause Giezendanner. Zuerst hat der Sohn vom Vater die Geschäftsleitung im familieneigenen Aargauer Transportunternehmen übernommen, nun erbt Benjamin Giezendanner von Vater Ulrich auch den SVP-Sitz im Nationalrat.

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