In den wirtschaftspolitischen Debatten taucht eine Befürchtung immer wieder auf: Die Internationalisierung der Schweizer Unternehmen führe dazu, dass auch die Identifikation mit dem Land leidet – und dass die Konzernzentralen damit an Bodenhaftung und «Swissness» verlieren (zur Diskussion etwa hier, hier und hier).

Schweizer Manager würden halt doch gelegentlich anders entscheiden als irgendwelche Söldner-Chefs, die aus fernen Ländern eingeflogen wurden. 

Interessanterweise geschieht aber auch das Umgekehrte, ohne dass dies weiter beachtet würde: Internationale Manager verschweizern. Und am Ende werden sie zu Bürgern des Landes. 

«Sobald die Voraussetzungen erfüllt sind»

Der aktuelle Fall: Tidjane Thiam. Der Konzernchef der Credit Suisse, Bürger der Côte d'Ivoire und von Frankreich, will nun auch Schweizer werden.

«Das möchte ich tun, sobald die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind», sagte der Credit-Suisse-CEO der Westschweizer Wirtschaftszeitung «L’Agefi» (Link kostenpflichtig).

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In die Schlagzeilen schaffte es etwa die Einbürgerung von Ex-ABB-Chef Ulrich Spiesshofer: alt Bundesrat Johannes Schneider-Ammann höchstpersönlich überreichte dem Manager 2016 den Schweizer Pass.

Ulrich Spiesshofer, CEO of Swiss power and automation company, ABB Group, during a press conference to deliver the company's 2018 annual results in Zurich, Switzerland, 28 February 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ulrich Spiesshofer

Quelle: Keystone

Der Ex-Swiss-Chef und heutige Roche-Präsident Christoph Franz wurde 2017 Schweizer. Die Verbundenheit mit der Schweiz spielte auch bei seinem Wechsel von der Luftfahrt- in die Pharmabranche eine Rolle: «Seit vier Jahren pendle ich von Zürich nach Frankfurt. In Zukunft pendle ich von Zürich nach Basel», sagte Franz dem «Tages-Anzeiger». «Mein Lebensmittelpunkt und der meiner Familie, meiner Frau und meiner fünf Kinder im Teenageralter ist in der Schweiz.»

Christoph Franz, Chairman of Hofmann-La Roche Ltd, is pictured during the St. Gallen Symposium, a platform for dialogue on key issues in management, the entrepreneurial environment and the interfaces between business, politics and civil society, at the university of St. Gallen, Switzerland, on Thursday, May 4, 2017. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Christoph Franz

Quelle: Keystone

Ivan Glasenberg erhielt die Staatsbürgerschaft Ende 2010. 153 Bürger seiner Gemeinde Rüschlikon stimmten dem Antrag des gebürtigen Südafrikaners mit australischem Pass «fast einstimmig» zu – obwohl der Gemeinderat Glasenbergs Deutschkenntnisse lediglich als «ausreichend» klassierte, wie Medien damals berichteten.

Ivan Glasenberg, CEO Glencore, ist auf dem Weg zur Glencore-Jahresversammlung am Mittwoch, 2. Mai 2018, in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Ivan Glasenberg

Quelle: Keystone

Herrliberg auf der gegenüberliegenden Seite des Zürichsees ist Bürgerort des Ostdeutschen Jörg Wolle: Der ehemalige Chef des Handelskonzerns DSKH lebt heute in Schindellegi, Kanton Schwyz.

CEO Joerg Wolle spricht an der Bilanzmedienkonferenz des Handels- und Dienstleistungsunternehmens DKSH, am Montag, 6. Februar 2017, in Zuerich. DKSH hat im Geschaeftsjahr 2016 mit allen wesentlichen Kennziffern die Spitzenwerte vom Vorjahr uebertroffen. Das Unternehmen steigerte 2016 seinen Nettoumsatz um 4,5 Prozent auf 10,5 Milliarden Franken. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Jörg Wolle

Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Der Schweizer Pass ist unter Topmanagern auffallend attraktiv. Einfach zu erwerben ist er nicht, wie Viktor Vekselberg erfahren musste: Die Einbürgerung der russischen Milliardärs in Zug liegt auf Eis, die Gemeindeverwaltung lässt sich nichts über allfällige Anträge des Investors entlocken.

VLADIVOSTOK, RUSSIA - SEPTEMBER 7, 2017: Renova Group Board Chairman and Skolkovo Foundation President Viktor Vekselberg at a session titled "Specially Protected Natural Areas: Opportunities for Government and Business" as part of the 2017 Eastern Economic Forum at Far Eastern Federal University on Russky Island. Yuri Smityuk/TASS Host Photo Agency (Photo by Yuri Smityuk\TASS via Getty Images)

Viktor Vekselberg

Quelle: Getty Images

Mehr Erfolg hätte Vekselberg wohl in Malta oder Zypern, wo der Russe ebenfalls als Investor aktiv ist. Die Behörden auf den Mittelmeerinseln vergeben äussert freigiebig EU-Staatsbürgerschaften an finanzkräftige Ausländer.

(mbü)