Guten Tag,
Feuer, Stahl und Hexerei: In einer immer künstlicheren Welt Dinge von Hand zu erschaffen, erfüllt Herz und Seele.
Stefan Poth
Messermacher Jo Wiesner in seiner Werkstatt.
Suse HeinzEs ist 6.30 Uhr. Dunkel, neblig, alles andere als kuschelig. Doch der Drang, aufzustehen, ist stärker als das Verlangen nach frühmorgendlicher Bettruhe. Wir haben Grösseres vor. Unsere Mission: aus Stahl und Feuer ein Messer schmieden, das uns überleben wird. Ein Messer, das so funktional wie ästhetisch sein soll. Ein Unterfangen, das uns Kopfarbeiter so überfordert, dass wir nur von den Besten lernen wollen. Und genau zu denen fahren wir hin – durch die nebligen Kurven des Luzerner Hinterlandes.
Der Weg ist so mystisch wie unser Ziel. Die Zeichen der Zivilisation werden rarer, Häuser tauchen nur noch vereinzelt auf. Die einspurige Strasse mäandert durch die Hügel und Wälder der Biosphäre Entlebuch – eine Landschaft, die durchaus auch von Hobbits bewohnt sein könnte. Gerade als wir uns fragen, ob wir noch auf dem richtigen Pfad sind, erscheint der Wegweiser «Wiesner Mysterion». Unzählige Kurven, Abzweigungen und dunkle Waldabschnitte später erreichen wir den Bramboden – ein Weiler mit dominanter Kirche und ein paar alten Häusern, wie aus der Zeit gefallen. Das ehemalige Ausflugsrestaurant «Weitsicht» ist ein Bau, wie man in der Schweiz viele kennt: in wunderbarer Landschaft gelegen, aber zu einer Zeit gebaut, als Ästhetik gerade Pause machte. Umso spektakulärer ist die Handschrift von Stefan Wiesner. Alte Gerätschaften, viel Holz, Laborinstrumente, Tierschädel, unzählige Dosen, warmes Licht – und ein Empfang, der uns sofort in eine andere Welt katapultiert.
Die meisten Menschen kommen wegen Stefan Wiesner auf den Bramboden – verständlich. Seine Welt, seine charismatische Art, seine Feuerküche sind eine Reise wert. Stefan Wiesner hat sich als «Hexer aus dem Entlebuch» einen Namen in der Welt der Gastronomen gemacht. Bekannt durch die Zubereitung seiner Speisen auf offenem Feuer. Doch heute wollen wir mit seinem Sohn Jo den Stahl zähmen.
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