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Optimismus

Wie die Uhrenmesse SIHH der Flaute trotzt

Am SIHH zeigen sich die Luxusbrands von der Marktlage kaum beeindruckt. Die erste Uhrenmesse des Jahres wartet mit zahlreichen Neuerungen auf. Auch kleine Hersteller lassen sich nicht lumpen.

Gabriel Knupfer

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2016 war fΓΌr die Schweizer Uhrenhersteller ein schwieriges Jahr. Die Exporte der Branche gingen um 10 Prozent zurΓΌck und bei den Luxusherstellern waren die Einbussen noch hΓΆher, bestΓ€tigte der PrΓ€sident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), Jean-Daniel Pasche, letzte Woche. Teilweise mussten einst exportierte Uhren sogar in die Schweiz rΓΌckimportiert werden, um die Preise hoch zu halten.

Von der schwierigen Situation vieler Hersteller ist indes am Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) wenig zu spΓΌren. An der 27. Ausgabe der jeweils ersten Uhrenmesse des Jahres zeigen die Hersteller zahlreiche Neuheiten – darunter extrem komplizierte Ausnahmeobjekte zu fantastischen Preisen.

Kombination von Minutenrepetition und Tourbillon

So zeigt etwa die Richemont-Firma Cartier ein neues Modell der Mysterious-Kollektion. Die Β«Rotonde de Cartier Minute Repeater Mysterious Double TourbillonΒ» soll mehr als 500'000 Franken kosten und ist auf 50 Exemplare limitiert. Der Preis hat seinen Grund: Es gilt als grosse Herausforderung in der Uhrmacherei, Minutenrepetitionen mit einem Tourbillon zu kombinieren, insbesondere wenn dies in einem schΓΆnen und tragbaren GehΓ€use umgesetzt werden soll.

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Sogenannte Repetitionen – Komplikationen bei denen die Uhr auf Wunsch durch BetΓ€tigen eines Hebels oder Knopfes die Zeit schlΓ€gt – sind vor allem bei Sammlern beliebt. Am SIHH zeigen neben Cartier noch vier weitere Hersteller die schwierige technologische Spielerei, wie das Β«Manager MagazinΒ» berichtet. Die Kombination mit einem Tourbillon – einer komplexen Vorrichtung zum Ausgleich der Ganggenauigkeit – hat neben Cartier auch Vacheron Constantin im Angebot.

GehΓ€use aus KΓ€se

Technologische Errungenschaften gibt es auch im Β«CarrΓ© des HorlogersΒ» der kleinen Manufakturen zu sehen. H. Moser aus Schaffhausen hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal eine Uhr zu 100 Prozent in der Schweiz hergestellt. Der Clou: Das GehΓ€use besteht aus gehΓ€rtetem Vacherin-KΓ€se. Die Uhr soll zu Gunsten der unabhΓ€ngigen Schweizer Zulieferer der Uhrenbranche versteigert werden. Wer sie gleich mitnehmen mΓΆchte, mΓΌsste die exorbitante Summe von 1'081'291 Franken auf den Tisch legen.

Urwerk, eine kleine Genfer Firma, prΓ€sentiert fΓΌr knapp 100'000 Franken eine JubilΓ€umsausgabe zum 20-jΓ€hrigen Bestehen. Nicht fehlen darf dabei die sogenannte Satelliten-Zeitanzeige, bei der Stunden und Minuten auf kleinstem Raum im rechten Teil der Uhr angezeigt werden.

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Β«Einfachere und kostengΓΌnstigere UhrenΒ»

Neben den extrem teuren SammlerstΓΌcken gibt es am SIHH des Jahres 2017 aber noch eine gegenlΓ€ufige Tendenz. Die Hersteller wollen auch fΓΌr Einsteiger wieder interessant werden. Reine Protzobjekte finden laut Experten keinen Anklang mehr. So hat etwa Montblanc fΓΌr den SIHH eine Β«TimewalkerΒ» fΓΌr rund 3000 Franken aufgelegt.

Β«Wir stellen derzeit eine steigende Nachfrage nach einfacheren und kostengΓΌnstigeren Uhren festΒ», sagte FH-PrΓ€sident Pasche im Vorfeld der Messe.

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Gabriel Knupfer
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