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Presseschau

«Weltstar», «Volkskumpel»: Presseblumen für Polo Hofer

Der Tod des Mundartmusikers Polo Hofer ist am Dienstag das dominierende Thema in der Deutschschweizer Presse. Mit grossen Frontbildern und Doppelseiten ehren die Zeitungen den Mundartrock-Pionier.

«Am Samschtig, 22. Juli, churz vor Mitternacht, het mys letschte Stündli gschlage und i bi zfriede deheime ygschlafe» - so verabschiedete sich Polo Hofer mit 72 Jahren von der Welt. Der Berner Mundart-Rocksänger, geboren als Urs Alfred Hofer, machte später seinen Pfadinamen zum Markenzeichen. Er war...
... Mitbegründer der ersten Schweizer Mundartrock-Band (2. von links). Rumpelstilz wurde mit Songs wie «Kiosk» und «Teddybär» berühmt, aber auch mit Klassikern wie «D Rosmarie und i» oder «Die gfallene Ängel». Den grössten Hit schuf er zusammen mit Bandkollege Hanery Amman (Mitte) - ....
.... «Alperose» aus dem Jahr 1985. Hanery Amman hatte ihn komponiert, ursprünglich hiess er «Kentucky Rose». Irgendwann geriet der Song in die Hände von Polo Hofer, der ihn mit einem berndeutschen Text versah und zum Gassenhauer machte. Der Song war später auch Namensgeber eines Musicals mit den Hits von Polo Hofer.
2006 wurde «Alperose» zum grössten Schweizer Hit gewählt. Ein Jahr später trat Polo Hofer wieder auf die Bühne. 2007 gewann der «Schacher Seppli» mit Ruedi Rymann.
Polo Hofer konnte sich auch mit dem Titel «Schweizer des Jahres» schmücken. Den Fernsehpreis machte er in gewohnt geschäftstüchtiger Manier zu Geld: Für den Auftritt an der TV-Gala liess er sich eine Entschädigung im vierstelligen Bereich auszahlen.
Auch sein Heimatort Interlaken würdigte den Musiker. 2009 wurde Polo Hofer und sein Ex-Bandkollege Hanery Amman mit einem eigenen Platz geehrt.
Die Post liess Polo Hofer 2013 gar eine eigene Sonderbriefmarke entwerfen.
In den letzten Jahren hatte der Mundartrocker zunehmend gesundheitliche Probleme. Im Mai liess er es sich aber nicht nehmen, persönlich zur Enthüllung seines Denkmals anzureisen. Das Kunstwerk aus einer Interlaker Weisstanne steht vorerst am Thunersee. Später soll sie auf einem Schiff über den See schippern.
Polo Hofer war auch aktiver Bürger. Für ein provokantes Polit-Statement war er immer zu haben. Er war der Kiffer der Nation, aber er engagierte sich auch im Kampf gegen Aids und erhob seine Stimme gegen rechtspopulistische Tendenzen. 2002 warb er auf dem Konzert «Swiss Bands GO Uno» für den Uno-Beitritt der Schweiz - auf dem Bild mit Bundesrätin Ruth Metzler.  Bilder: Keystone/Text: mit sda
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«Am Samschtig, 22. Juli, churz vor Mitternacht, het mys letschte Stündli gschlage und i bi zfriede deheime ygschlafe» - so verabschiedete sich Polo Hofer mit 72 Jahren von der Welt. Der Berner Mundart-Rocksänger, geboren als Urs Alfred Hofer, machte später seinen Pfadinamen zum Markenzeichen. Er war... RMS

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Der Sänger und Bandleader Polo Hofer, der durch Mundart-Hits wie «Kiosk», «Giggerig» und «Teddybär» bekannt wurde, starb am Samstag 72-jährig. Vor knapp einem Jahr hatte er bekanntgegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Der letzte ausgebildete Handlithograph der Schweiz war der Gründer der ersten Mundart-Rockband des Landes.
Der «Tages-Anzeiger» würdigt den Texter, Maler und passionierten Cannabiskonsumenten, zu dessen Erscheinungsbild oft eine dunkle Sonnenbrille und eine Zigarette zählten, als «Kumpel des Schweizervolks» und «Rebellen von nebenan». Hinter dem Sprücheklopfer habe sich aber auch ein sensibler Mensch verborgen. Die Zeitung beschrieb Hofer als Lebemann. Seine Heiterkeit werde schmerzlich fehlen.

Schweizer «Weltstar»

Der «Blick» hält Hofer für einen «National-Unheiligen» und «schweizerischen Weltstar». Er habe mit «Alperose» dem Land den grössten Schweizer Hit geschenkt. Er sei nicht nur Scherzbold und Provokateur gewesen, sondern auch ein Philosoph, der gerne über die Existenz Gottes diskutiert habe. Den grössten Schweizer Mundartrocker habe man nie richtig gekannt.
Für die «Aargauer Zeitung» ist ein Pionier und die Stimme einer Nation verstummt. Er habe in den 1970er Jahren zu den Wegbereitern des Berner Rocks gehört. Der Bürger aus Interlaken habe der Gegenbewegung, den Hippies, ein Gesicht gegeben. Er habe ihr Songs gegeben, die ein Lebensgefühl vermittelten, in einer Sprache, die jeder verstanden habe: Mundart.

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Vorbild in der Szene

Die «Neue Zürcher Zeitung» sieht in Hofer ein Vorbild in der Musikszene. In seiner drei Jahrzehnte umspannenden Karriere habe er seit den achtziger Jahren den Weg bereitet für Bands wie Züri West, Patent Ochsner, Stiller Has und viele andere, heisst es im Nachruf. Polo Hofers «Swissness» sei verkaufsfördernd gewesen. Schliesslich sei die Konkurrenz für Hofer und seine Schmetterband aber immer grösser geworden.
Die «Berner Zeitung» konstatiert, dass der Musikkünstler ein Gespür für den Geist der Zeit gehabt habe. Hofer habe in den 1960er Jahren als Erster Mundart und Rock verbunden. Später sei er vom gesellschaftspolitischen Provokateur zum allseits respektierten Nationalheiligtum geworden.

Zwischen Kunst und Kommerz

«Tschou Polo, du wirst fehlen» schreiben die «Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt». Sie sehen Hofer als ein Stück Schweizer Identität. Er gehöre zu den Grossen der Schweizer Kultur. Er habe nie den Spagat zwischen Kunst und Kommerz gescheut. Obschon er deswegen angefeindet worden sei, sei seine Bedeutung unbestritten.
Die «Basler Zeitung» ist sich sicher, dass Polo Hofer wegen seiner vielen schönen Lieder nicht in Vergessenheit geraten wird. Hofer habe Melancholie in seinen Liedern und seiner Stimme gehabt. Gleichzeitig habe er auch Störrisches, Knorriges und Widerborstiges ausgestrahlt.

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(sda/ise)

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