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Wein: Viel Neues im Osten

Der Thurgau gilt als der Obstbaukanton par excellence. Eine junge Generation von Winzern macht den Kanton jetzt auch zur Weinbauregion.

Rudolf Trefzer

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Weinbau im Thurgau? SelbstverstΓ€ndlich – auch wenn der Kanton vorab als Obstbaugebiet bekannt ist, kann der Weinbau auf eine lange Geschichte zurΓΌckblicken. Wie anderswo waren es auch hier die KlΓΆster, die seit dem 8. Jahrhundert in ihren Landwirtschaftsbetrieben Reben kultivierten und die geernteten Trauben zu Wein verarbeiteten. Um 1850 soll die RebflΓ€che im Thurgau noch mehr als 2000 Hektaren betragen haben, weshalb das Β­Gebiet mit seinen sanften HΓΌgelΒ­zΓΌgen als das Β«Chianti nΓΆrdlich der AlpenΒ» galt.

Viele Flurnamen verweisen auf die einstige grosse Bedeutung des Weinbaus. In der zweiten HÀlfte des 19. Jahrhunderts folgte dann der dramatische Niedergang. Jahre mit Hagel und nasskalter Witterung führten wiederholt zu Missernten. Die aus Übersee eingeschleppten Rebkrankheiten, die Ausbreitung der Reblaus und die zunehmenden Wein­importe als Folge des Ausbaus des euro­pÀischen Eisenbahnnetzes liessen den Rebbau zusammenbrechen.

Erst im Laufe des letzten Jahrhunderts konnte die Rebe im Thurgau – allerdings in viel bescheidenerem Rahmen – wieder Fuss fassen. Heute sind 272 Hektaren mit Reben bestockt. Das Hauptanbaugebiet ist das Thurtal mit rund 170 Hektaren und den wichtigsten Lagen Ottenberg und Iselisberg. Bei den Rebsorten dominieren klar der Blauburgunder mit 153 Hektaren und der MΓΌller-Thurgau mit 61 Hektaren AnbauflΓ€che. Eine gewisse Verbreitung gefunden haben auch die roten VarietΓ€ten Garanoir (Gamay Γ— Reichensteiner) und Regent. Bei den weissen Sorten erweitern Pinot gris, Sauvignon blanc, GewΓΌrztraminer, Pinot blanc und Chardonnay den Sortenspiegel. Der Elbling dagegen, diese einst im nΓΆrdΒ­lichen Europa und auch im Thurgau weit verbreitete Sorte, wird kaum mehr angebaut.

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PrΓ€gten einst die gekelterten Beerliweine – aus Maische erhitzten Blauburgundertrauben – und die nach durchgefΓΌhrter maloΒ­laktischer GΓ€rung eher sΓ€urearmen RiesΒ­lingΓ—Sylvaner das (nicht immer ΓΌber alle Zweifel erhabene) Image der ThurΒ­gauer Weine, so hat sich inzwischen das Bild radikal gewandelt. Eine jΓΌngere Generation von gut ausgebildeten, engagierten Winzern zeigt heute, wo es im Thurgauer Weinbau langgeht. Als Pionier fungierte wΓ€hrend Jahren der jΓΌngst verstorbene Hans Ulrich Kesselring vom Schlossgut Bachtobel in Weinfelden. Zum stattlichen Anwesen, das heute von Kesselrings Neffen Johannes Meier mit Umsicht gefΓΌhrt wird, gehΓΆren 6 Hektaren Rebland, auf denen mit fast vier FΓΌnfteln der Blauburgunder dominiert.

Drei Varianten werden gekeltert: Die erste ist der fruchtbetont-sΓΌffige Klassiker des Hauses, teils im traditionellen Verfahren mit MaischeerwΓ€rmung, teils mit MaischegΓ€rung hergestellt. Die zweite und die dritte werden nach zehn Tagen Vorstandzeit in burgundischen EichencuvΓ©es vergoren und nachher in 800-Liter-EichenfΓ€ssern respektive in Barriques ausgebaut. Zeigt der No. 2 fruchtige Vielschichtigkeit und burgundische Eleganz, so prΓ€sentiert sich der No. 3 stoffig-dicht und komplex (degustiert wurden die 2008er). Doch auch auf anderen WeingΓΌtern versteht man es, herausragende Pinot noirs zu keltern: Der Β«Schloss WeinfeldenΒ» 2008 des Weinguts Burkhart (Weinfelden), der Β«Ottenberger Alte RebeΒ» 2010 des Weinguts Broger Β­(Ottoberg) und der Β«SΓ©lection Alte RebenΒ» 2010 des Weinguts Saxer (Nussbaumen) verbinden auf beeindruckende Weise Kraft und Tiefgang mit Eleganz und Saftigkeit.

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Bei den Weissweinen steht klar der RieslingΓ—Sylvaner im Zentrum. Um ihm Fruchtfrische und Spritzigkeit zu verleihen, verzichten die Winzer heute auf die DurchfΓΌhrung der malolaktischen GΓ€rung. Diese bekΓΆmmlichen, sΓΌffigen Weine lassen sich ebenso zum ApΓ©ro wie auch als Essensbegleiter zu leichten Speisen servieren. Jeder Winzer, der etwas auf sich hΓ€lt, fΓΌllt natΓΌrlich auch seine weisΒ­sen SpezialitΓ€ten ab.

So zΓ€hlt etwa der Sauvignon blanc des Weinguts Bachtobel mit seiner fruchtig-saftigen Eleganz wohl zu den besten Interpretationen, die von dieser aromatischen Β­Sorte hierzulande gekeltert werden. Zu begeistern vermΓΆgen auch der gut strukturierte Weissherbst, den Michael Broger aus dem SaiΒ­gnΓ©e-Saft seiner Blauburgundertrauben keltert, und die vielschichtige, harmonisch ausbalancierte CuvΓ©e Β«Schloss WeinfeldenΒ», die das Weingut Burkhart aus Chardonnay, Sauvignon blanc und Pinot blanc komponiert.

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