Guten Tag,
Urgestein der FDP, Feindbild der SVP: Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz über seine Fehde mit Christoph Blocher, die Wahlen und seine Nachfolge.
Der Präsident: Walter Kielholz am Hauptsitz der Swiss Re.
Gian-Marco Castelberg für BILANZDer Hauptsitz der Swiss Re am Mythenquai in Zürich. Walter Kielholz, Präsident des zweitgrössten Rückversicherers der Welt und Inbegriff des Zürcher Freisinns, empfängt zu einem seiner seltenen Interviews. Erfrischend im Gegensatz zu so vielen anderen Konzernlenkern: Er spricht Klartext.
Herr Kielholz, in Grossbritannien, Deutschland oder Italien zerbröselt die traditionelle Parteienlandschaft. Hierzulande geht es bei den Wahlen nur darum, welche der grossen Parteien zwei Prozent mehr oder weniger bekommt. Ist die Schweiz eine Bastion im Herzen Europas?
Die Parteienlandschaft ist bei uns eben nicht so entscheidend. Die Referenden und Volksinitiativen bestimmen die politische Agenda. Dadurch haben die Parteien nicht die Dominanz wie in einer rein parlamentarischen Demokratie wie in Grossbritannien. Aber die Briten können sich derzeit gar nicht mehr bewegen, es herrschen primär Gebrüll und Geschrei. Deshalb halte ich unser System schon für überlegen.
Es ist allerdings auch schwerfällig, wie das Ringen in der Europafrage zeigt.
Wir sind vermutlich das Land in Europa, das sich in verbindlichen Volksabstimmungen am meisten mit Europa befasst hat, obwohl wir gar nicht dabei sind. Wir haben in der Regel sehr konsistent abgestimmt. Das Faktum, dass diese Abstimmungen stattfinden, hat dazu geführt, dass diese Verhandlungen vorsichtig und austariert geführt werden, damit man hinterher vors Volk treten kann. Ein Dutzend solcher Abstimmungen wurde vom Bundesrat gewonnen, die einzige Ausnahme war die Masseneinwanderungs-Initiative. Aber zu dieser Zeit gab es solche Verwerfungen nicht nur in der Schweiz.
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