Heute Montag ΓΆffnet in Genf zum 29. Mal der Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH). Dies geschieht in einer Zeit, in der sich die Messelandschaft im Umbruch befindet und geopolitische wie auch konjunkturelle Sorgen die Aussichten der Schweizer Uhrenbranche eintrΓΌben.
In Genf prΓ€sentieren vom 14. bis am 17. Januar wie im Vorjahr 35 Luxusuhrenmarken auf dem Palexpo-GelΓ€nde ihre Kollektionen und Neuheiten den HΓ€ndlern, Journalisten und Kunden. Und die dΓΌrften wiederum in Scharen nach Genf reisen. Die Messe rechnet erneut mit rund 20'000 Besuchern. Das war 2018 Rekord.
Doch fragt sich, wie lange das noch so bleibt. Das weniger luxuriΓΆse aber grΓΆssere Pendant in Basel, die Baselworld, muss bereits bei der nΓ€chsten Ausgabe Ende MΓ€rz wichtige AbgΓ€nge hinnehmen. Abgesagt hat der grΓΆsste Aussteller Swatch Group mit Marken wie Omega, Longines oder BrΓ©guet. Auch Raymond Weil oder Corum werden nicht mehr teilnehmen.
Swatch-Chef Nick Hayek hatte sich in den Medien unter anderem darΓΌber geΓ€rgert, dass die Messe die Aussteller bei der Erarbeitung des neuen Konzepts zu wenig miteinbezogen hatte. Er plant nun Β«auf Wunsch vieler KundenΒ» die DurchfΓΌhrung eines Treffens in ZΓΌrich.
Richard Mille und Audemars Piguet verabschieden sich
In Genf ist die Lage noch nicht derart angespannt und die Zahl der Aussteller bleibt vorerst noch gleich. Zwar ist das Schmuckhaus Van Cleef&Arpels nicht mehr dabei, dafΓΌr werden die Besucher erstmals die Uhren der Traditionsfirma Bovet bestaunen kΓΆnnen. Die im Val-de-Travers beheimatete Manufaktur wurde im Jahr 1822 gegrΓΌndet und ist bekannt fΓΌr exklusive Komplikationen und Taschenuhren. FΓΌr zwei andere unabhΓ€ngige Uhrenhersteller ist das diesjΓ€hrige Treffen hingegen die Derniere. Richard Mille und Audemars Piguet haben angekΓΌndigt, dass sie 2019 letztmals teilnehmen werden. Sie beschreiten andere Wege, um den Kontakt mit HΓ€ndlern und den Medien zu pflegen.
Audemars Piguet arbeite mit immer weniger HΓ€ndlern zusammen, erklΓ€rte der Chef FranΓ§ois-Henry Bennahmias im Interview mit der NZZ. Β«Und jene, mit denen wir weiterhin kooperieren, sind die, mit denen wir zusammen Audemars-Piguet-Boutiquen fΓΌhren. Die brauchen keinen Salon, um sich ΓΌber unsere Neuheiten zu informieren.Β»
In Zukunft im April
Um die Messen attraktiver zu gestalten, unternehmen die Messebetreiber einiges. Ab 2020 finden die AnlΓ€sse unmittelbar hintereinander statt; in Genf Ende April und gleich anschliessend in Basel. Das hat den Vorteil, dass die Besucher nicht mehr wie bis anhin zweimal in die Schweiz reisen mΓΌssen. Der Uhrensalon in Genf geht somit letztmals im Januar ΓΌber die BΓΌhne. Der SIHH bietet zudem neue Attraktionen. Eine davon ist das LAB. Dort stehen die neusten Technologien im Fokus, die die Aussteller mit Forschern entwickelt haben. Es geht um Themen wie Virtual Reality, kΓΌnstliche Intelligenz, digitale Funktionen oder innovative Materialien. Auf der LIVE-BΓΌhne haben die UhrenhΓ€user zudem die Gelegenheit, sich und ihre Produkte zeitnah ΓΌber Social Media der Γffentlichkeit zu prΓ€sentieren.
Sowieso gibt sich die Genfer Messe seit zwei Ausgaben zugΓ€nglicher. Auch diesmal kΓΆnnen fΓΌr den letzten Ausstellungstag, dem Donnerstag (von 15 bis 22 Uhr), Tickets zum Preis von 70 Franken gekauft werden. Vor einem Jahr nutzten rund 2'500 Interessierte diese MΓΆglichkeit. An den restlichen Tagen darf man die Messehalle nur auf Einladung betreten.
Ungewisse Zukunft
An den WeltmΓ€rkten dΓΌrfte den Uhrenmarken in Zukunft wohl ein etwas rauherer Wind entgegenwehen. Die Resonanz an der Genfer und spΓ€ter an der Basler Uhrenmesse ziehen Experten gerne als Gradmesser heran, um einzuschΓ€tzen, wie es der Uhrenindustrie geht. Seit Monaten sorgen sich nΓ€mlich die Analysten vor einer AbkΓΌhlung der Weltkonjunktur und einer AbschwΓ€chung der Wachstumsdynamik an den LuxusgΓΌtermΓ€rkten. Entscheidend wird sein, wie sich der chinesische Absatzmarkt entwickelt und ob die Chinesen mit den aufziehenden Wolken rund um den Handelsstreit mit den USA die Lust am Geldausgeben verlieren. Weltweit werden SchΓ€tzungen zufolge heute rund ein Drittel der LuxusgΓΌter an Chinesen verkauft und dieser Anteil dΓΌrfte laut einer Studie des Wirtschafsberaters Bain bis 2025 auf 45 Prozent ansteigen.
Noch sind Schweizer Uhren am Weltmarkt gefragt: In den Monaten Januar bis November des zu Ende gegangenen Jahres haben die Schweizer Uhrenexporte um 7,1 Prozent auf 19,5 Milliarden Franken zugelegt. Das Wachstum hat sich allerdings zuletzt abgeschwΓ€cht. Die Zahlen zum Gesamtjahr verΓΆffentlicht der Schweizerische Uhrenverband (FH) Ende Januar.