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Mercedes: Junger Stern

Mercedes verfolgt im Kompaktsegment einen neuen Kurs. Die Stuttgarter wollen mit der A-Klasse zu Audi und BMW aufschliessen.

Michael Rehsche

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Mercedes hatte in der Vergangenheit im Kompaktsegment wenig GlΓΌck. Die bisherige A-Klasse erreichte zwar respektable StΓΌckzahlen, doch wirklich Geld verdienen liess sich mit ihr nicht. Zudem schreckte der kleinste Mercedes die jΓΌnΒ­gere Kundschaft. Β«Zu biederΒ» hiess es. Das soll ab Herbst 2012 alles anders werden.

Β«A wie AngriffΒ» – mit diesen martialischen Worten stellte Mercedes-Chef Dieter Zetsche die neue A-Generation auf dem Automobilsalon in Genf vor. Dass sich ausgerechnet die Nobelmarke, welche sich frΓΌher in diskreter ZurΓΌckhaltung geΓΌbt hatte, in die kriegerischen Niederungen des globalen Automobilmarkts begibt, zeigt, wie grundlegend sich die Lage in den letzten zehn Jahren geΓ€ndert hat.

Vorbei sind die Zeiten, als ein Auto allein des Sterns auf der Motorhaube wegen gekauft wurde. Dies gilt bestenfalls noch fΓΌr das Segment der prestigetrΓ€chtigen Limousinen, also fΓΌr die E- und S-Klasse. Aber davon allein kann Mercedes nicht mehr leben. In den letzten Jahren haben die Konkurrenten BMW und Audi nicht nur aufgeschlossen, sondern Mercedes ΓΌberholt. Erschlossen haben sie neue Marktsegmente. Auf der QualitΓ€tsebene steht Mercedes zwar noch auf AugenhΓΆhe mit seiner deutschen Konkurrenz. Auf Grund der Zahl der verkauften Autos sind BMW und Audi in einzelnen Fahrzeugklassen am Stern jedoch vorbeigezogen.

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Ein Grund dafΓΌr ist der Umstand, dass das grosse Wachstum in den letzten Jahren im Bereich kleinerer Autos stattgefunden hat, nicht am oberen Ende, wo Mercedes frΓΌher – und auch heute noch – seine TrΓΌmpfe ausspielt und gutes Geld verdient. Im Kompaktsegment hatten BMW und Audi bisher eine glΓΌcklichere Hand, vor allem wenn es um das Wecken von Emotionen oder um das Anziehen neuer KΓ€ufer ging. Mit dem Audi A3, dessen Β­aktuelle Generation wie die neue A-Klasse in Genf prΓ€sentiert wurde, aber auch mit dem Kleinwagen A1 wΓ€re Audi der bisherigen A-Klasse weit davongefahren.

Zwar konnte der kleine Mercedes stΓΌckzahlmΓ€sΒ­sig mit seinen Konkurrenten mithalten, doch wegen der eingesetzten Technik und des Designs ist die Marke mit den vier Ringen wesentlich prΓ€senter als Mercedes. Dasselbe lΓ€sst sich von den kleinen BMW aus der Einer-Reihe sagen, deren Stellung zudem noch von der zur BMW Group gehΓΆrenden Marke Mini gestΓΌtzt wird.

Stark abflachender Enthusiasmus fΓΌr Elektrofahrzeuge

In Genf aber hat Mercedes gezeigt, wie der Konzern reagieren will. Der A-Klasse wurde ein vΓΆllig frisches Design verpasst, die Front des Wagens komplett ΓΌberarbeitet. Die Karosserie fΓ€llt nicht mehr in VerlΓ€ngerung der Frontscheibe nach vorne ab, sondern mΓΌndet in eine leicht gewΓΆlbte Motorhaube – wie bei einem richtigen Auto eben und nicht wie bei einem Β«PoschtiwΓ€geliΒ».

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Auch die gesamte Fahrzeugarchitektur wurde nach neuen Gesichtspunkten gestaltet. Beispielsweise fΓ€llt der doppelte Boden der bisherigen A-Klasse weg. Diese Konstruktion war vor gut 15 Jahren im Hinblick auf einen Stauraum fΓΌr die Batterien eines Elektro-Mercedes eingefΓΌhrt worden. Dass sie jetzt aufgegeben wurde, sagt viel ΓΌber den sich stark abflachenden Enthusiasmus fΓΌr Elektrofahrzeuge aus.

Dank der neuen Bauweise ist ein grΓΆsserer Innenraum nicht zuletzt in der HΓΆhe entstanden, was den Insassen ein GefΓΌhl von GrosszΓΌgigkeit in einem kompakten Fahrzeug verschafft. In Sachen Komfort, aber auch was technische Ausstattung betrifft, ist die A-Klasse Ausgabe 2012 schon in der Basisversion gut versorgt.

Das Ziel mit der A-Klasse heisst, nicht Visionen nachzuΒ­jagen, sondern Wachstum zu generieren und hΓΆhere Aufmerksamkeit bei allen KΓ€uferschichten zu erreichen. Die Konkurrenz allerdings schlΓ€ft nicht, wie Genf deutlich zeigte. Ab September 2012 wird sich herausstellen, ob die Neuausrichtung Erfolg hat und auch die Preise – sie sollen bei rund 26000 Franken beginnen – bei den Kunden auf Gegenliebe stossen.

Die A-Klasse wird es neben der Basisausstattung mit den Linien Β«UrbanΒ», Β«StyleΒ» und Β«AMG SportΒ» geben. Preis: ab 26'000 Franken.

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