Guten Tag,
Dank modernen Leuchten und Lichtinstallationen wird die böhmische Glasbläserkunst wieder in aller Welt gefeiert.
Ruth Händler
Sweetie aus dem Glasofen: Die Leuchte Macaron gehört mit ihrem Schmelz aus Onyx-Stein zu den Ikonen der Brokis-Kollektion.
ImagoPlötzlich kam wieder Licht aus Osten, stilvoll gefasst in Glas aus böhmischen Manufakturen. Unvergesslich, wie sich Brokis, das junge Label aus dem winzigen Ort Horní Dubenky im Süden Tschechiens, mit mundgeblasenen, rauchfarben-eleganten Leuchten in die Phalanx der westlichen Hersteller schob. Wie Lasvit aus Nordböhmen bei Auftritten während der Mailänder Designwoche aufspielte. «Bohemian Rhapsody», die Schau mit Kreationen von Nendo, Fabio Novembre und Mathieu Lehanneur, die aus der Dunkelheit zu den Klängen von Queen aufzuckten, war 2011 Programm und Ansage: Im böhmischen Glas, längst abgeschrieben als altbacken, schwerfällig und uncool, ist wieder Musik drin. Es rockt.
Von der glamourösen Verführungskunst des Endprodukts ist bei den Janštejn-Glaswerken, wo die Brokis-Leuchten entstehen, wenig zu spüren. Hinter unzähligen Hügeln und Wäldern der Region Vysocina, wo man eher das Auftauchen von Rübezahl als modernes Design erwartet, liegt das Gebäude-Ensemble der Manufaktur aus dem Jahr 1809. Einzig eine neue Halle für Qualitätskontrolle, Montage und Verpackung, mit den Büros und dem Showroom von Brokis, kündet in plissiertem Aluminiumgewand vom Gestaltungswillen der Firma.
1997 hat Jan Rabell, damals Investmentbanker in Prag, die Glaswerke gekauft. Zunächst als Spekulationsobjekt. «Früher wurde hier klassisches Leuchtenglas für den heimischen Markt hergestellt», erzählt er, «und für Low-Cost-Marken wie Ikea – bevor diese zur Produktion nach Asien abwanderten. Angesichts der chinesischen Konkurrenz hatten wir nur die Chance, grössere, bessere und kompliziertere Stücke für Premium Brands zu produzieren.» Rabell reorganisierte, reformierte, investierte – und blieb. «Ich habe mich bald entschlossen, das Unternehmen zu behalten. Glas ist ein starkes Material – sehr einfach, es zu lieben.»
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