Die Weine des Gebiets Chablis in Frankreich zeigen viel Raffinesse, Frische und die typischen mineralischen Noten. Das Ziel ist es, den Terroircharakter der Weine zu betonen.
Rudolf Trefzer
Chablis le Clos: Eine der Top-Weinlagen im nΓΆrdlichen Burgund. Β Β Foto: ZVG RMS
Das Chablis-Anbaugebiet ist nach dem gleichnamigen, im Zentrum der Appellation situierten Dorf benannt und liegt mehr als 100 Kilometer nΓΆrdlich von Beaune. Das Klima ist geprΓ€gt durch lange, kalte Winter und oftmals recht heisse Sommer. Mehr als in sΓΌdlichen Weinbaugebieten beeinflussen hier die Launen des Klimas die Ertragsmengen und die JahrgangsqualitΓ€t. Besonders gefΓΌrchtet sind die spΓ€ten FrΓΌhjahrsfrΓΆste, die den jungen Austrieb der Reben schwer schΓ€digen und eine Ernte dramatisch dezimieren kΓΆnnen. Die Winzer versuchen dieser Gefahr zu trotzen, indem sie entweder HeizΓΆfen in den Rebbergen aufstellen oder die Reben mit SprΓΌhwasser berieseln, damit sich ein schΓΌtzender Eispanzer um die Triebe bildet.
Diese Frostschutzmassnahmen haben dazu gefΓΌhrt, dass seit den 1960er-Jahren die RebflΓ€che des Chablis-Gebiets kontinuierlich auf heute rund 5000 Hektaren wuchs. Den historischen Tiefpunkt markierten die 1950er-Jahre. Wie in vielen nΓΆrdlichen Anbaugebieten fΓΌhrten der in den 1880er-Jahren aus Γbersee eingeschleppte Echte Mehltau und die Reblaus zu einem dramatischen RΓΌckgang der RebflΓ€che. Viele Winzer verzichteten in der Folge darauf, ihre Weinberge neu zu bestocken, nicht zuletzt auch deshalb, weil mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes Billigweine aus dem SΓΌden zu einer existenzbedrohenden Konkurrenz wurden. Doch das ist Schnee von gestern. Heute macht das Rebenmeer um das StΓ€dtchen Chablis und um 19 weitere zur Appellation gehΓΆrende Orte deutlich, dass die Weine des Gebiets in Frankreich und im Ausland (70 Prozent der Produktion werden exportiert) gefragt sind.
Wer Weine aus dem Chablis-Gebiet verkostet, fragt sich natΓΌrlich immer, ob denn die typischen Terroir-Charakteristiken der verschiedenen Lagen in der Aromatik der Weine erkennbar sind. Vergleicht man die Weine eines einzelnen guten Produzenten miteinander, wird man mitunter markante Unterschiede zwischen den einzelnen Lagen feststellen. Vergleicht man jedoch die Weine der gleichen Lage von verschiedenen Produzenten, zeigt sich deutlich, dass nicht nur die Lage, sondern auch die Arbeitsweise des Winzers in den Reben und im Keller den Charakter und die Stilistik der Weine wesentlich beeinflusst. Hier spielt vor allem der Ausbau eine Rolle, insbesondere die Frage, ob die Weine in Edelstahltanks oder in EichenfΓ€ssern ausgebaut werden. Spitzenproduzenten wie William FΓ¨vre und die renommierte Winzergenossenschaft La Chablisienne (der Betrieb erzeugt einen Viertel der gesamten Weinproduktion im Chablis-Gebiet) halten sich mit der Verwendung von EichenholzfΓ€ssern zurΓΌck und setzen β je nach Appellationsstufe β auf einen sorgfΓ€ltig ausbalancierten Mix zwischen Stahltank- und Eichenfassausbau.
Das Ziel ist es, den Terroircharakter der Weine zu betonen und ihre fruchtigen und floralen Aromakomponenten, ihre MineralitΓ€t und ihre saftig-krΓ€ftige SΓ€ure herauszustreichen. Und schliesslich spiegeln die spezifischen Jahrgangsmerkmale den Klima- und Vegetationsverlauf in den Weinen wider: 2010 gilt als sehr gut, klassisch burgundisch, elegant und nervig, 2011 dagegen prΓ€sentiert sich gefΓ€llig, rund und ausgewogen, und 2012 steht fΓΌr ein ganz grosses Jahr mit komplexen, finessenreichen, frischen Weinen mit grossem Entwicklungspotenzial.
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Bezugsnachsweise der erwÀhnten Weine: La Chablisienne: Bindella (bindella.ch) und Maison Mathieu (mathieuvins.ch) William Fèvre: Martel (martel.ch) und Gerstl (gerstl.ch)