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Aufwand und Ertrag der Treue: Wer monogam lebt, versteht etwas von Wirtschaft

Ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer lebt monogam. Denn sie verstehen etwas von Wirtschaft. Es geht um das Prinzip von Aufwand und Ertrag.

Kurt. W. Zimmermann

Haussperling Spatz Vogel

Geballte AggressivitΓ€t: Spatzen-Weibchen vertreiben alle anderen Weibchen, die sich auch nur in die NΓ€he ihres Gatten wagen.

imago stock&people

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Nach unserem Fussballspiel sassen wir Senioren noch auf ein Bier in der Gartenbeiz. Es entwickelte sich eine typische Altherren-Diskussion. Wir debattierten die Frage, ob Monogamie eine natΓΌrliche oder unnatΓΌrliche Form der Partnerschaft sei.

Β«Gibt es jemanden in der RundeΒ», fragte einer, Β«der seiner Frau ein Leben lang treu war?Β» – Β«Ja, ichΒ», sagte unser Torwart, Β«ich bin siebzehn Jahre verheiratet, da war nie etwas, kein Seitensprung.Β»

Β«Und warum nicht?Β», fragten wir. Β«Es wΓ€re mir zu anstrengendΒ», sagte er.

Aus biologischer Sicht war das eine Γ€usserst prΓ€zise Antwort. Die Frage nach Monogamie oder Polygamie ist im Tierreich, zu dem letztlich auch wir gehΓΆren, eine ΓΆkonomische Frage. Es geht um Aufwand und Ertrag, um Angebot und Nachfrage.

Treu – trotz Nachteile

Nur etwa fΓΌnf Prozent der SΓ€ugetiere leben monogam, aber rund neunzig Prozent der VΓΆgel. Lebenslang zusammen sind etwa die WΓΆlfe, RotfΓΌchse, SchwΓ€ne, Felsenpinguine, Springaffen und Blaumeisen.

Auf den ersten Blick ist ihre lebenslange Zweierkiste ein ineffizientes Verhalten. Der Bestand des eigenen Rudels, der eigenen Herde und des eigenen Schwarms ist im System der Polygamie viel besser gesichert, weil die Fortpflanzung dadurch breiter gestreut ist.

Darum interessieren sich Biologen viel mehr fΓΌr die monogamen Viecher als fΓΌr die anderen Arten, bei denen das ΓΌbliche Rudelbumsen gilt. Warum sind sie treu, obwohl das Nachteile hat?

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Zur Beantwortung der Frage kehren wir zuerst kurz zu unserem Torwart im Gartenrestaurant zurΓΌck. Er erzΓ€hlte uns, dass seine Gattin zu einer erhΓΆhten Eifersucht und Kontrolle neige. Selbst der kleinste One-Night-Stand kΓΆnnte darum zu einem Drama samt Scheidung eskalieren. Dieses Risiko gehe er auf keinen Fall ein. Γ–konomisch ist das logisch.

Prinzip von Aufwand und Ertrag

Bei den Tieren ist es Γ€hnlich. Die Spatzen-Weibchen etwa vertreiben mit geballter AggressivitΓ€t alle anderen Weibchen, die sich auch nur in die NΓ€he ihres Gatten wagen. Der mΓ€nnliche Vogel ist von diesem Verhalten jeweils so eingeschΓΌchtert, dass er die Paarung mit einer anderen Braut verweigert, selbst wenn er mal Gelegenheit dazu hΓ€tte.

Eine effiziente Technik haben auch die Stare. Die Weibchen bieten sich hier ihrem MΓ€nnchen pro Stunde mehrmals zum Geschlechtsverkehr an, wenn das MΓ€nnchen versucht, mit seinem Gezwitscher eine andere Frau anzulocken. Das kann tagelang so gehen. Am Schluss ist Herr Star so fix und fertig, dass sich jeder Gedanke an einen Seitensprung erΓΌbrigt.

Aufwand und Ertrag sind ebenfalls ein wesentliches Steuerungsmerkmal in der Biologie. Der weibliche Fuchs zum Beispiel, die FΓ€he, ist nur zwei, drei Tage lang befruchtungsfΓ€hig. Es wΓ€re tΓΆricht, wenn der Mann diesen Slot aufgrund eines ausserehelichen Abenteuers verpassen wΓΌrde. Also bleibt er ein Leben lang monogam.

Auch beim Homo sapiens unterliegt Treue dem Prinzip von Aufwand und Ertrag. Wenn fΓΌr Ehebruch hundert Peitschenhiebe drohen, wie im Islam, dann wird jeder Flirt zum High-Risk-Unternehmen. Im Schweizer Strafgesetzbuch wiederum wurde der Ehebruch im Jahr 1989 gestrichen, trotz Widerstand der Kirche, die hier die gΓΆttliche Ordnung gefΓ€hrdet sah.

Bei unserer Altherren-Diskussion in der Gartenbeiz kam dann auch die Frage auf, wie viele MitbΓΌrger zeitlebens monogam leben. Es ist etwa ein Drittel, wobei der Anteil der Frauen hΓΆher ist als jener der MΓ€nner.
Ein Drittel ist immer noch bemerkenswert hoch. Es sind ungefΓ€hr gleich viele, die noch felsenfest an Gott glauben.

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Über die Autoren
Kurt. W. Zimmermann
Kurt W. Zimmermann
Kurt W. Zimmermann

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