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Wein

Abschied von der Neuen Welt

Die Region Alentejo entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem der interessantesten Weinanbaugebiete Portugals.

Rudolf Trefzer

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Sicht vom portugiesischen StΓ€dtchen Estremoz aus RMS

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Nicht weniger als ein Drittel der FlΓ€che Portugals umfasst das Alentejo, das Gebiet jenseits des Tejo, das sich vom Atlantik bis hin zur spanischen Grenze erstreckt. Da die hier dominierenden Grossgrundbesitzer den Anbau von Getreide, OlivenbΓ€umen und Korkeichen sowie die Viehwirtschaft bevorzugten, wurde Wein lediglich fΓΌr den lokalen Konsum erzeugt. Mit der GrΓΌndung der ersten Winzergenossenschaften in den 1950er-Jahren begann sich eine Γ„nderung abzuzeichnen, doch gab es vor 20 Jahren nicht mehr als zwei Dutzend Weinbaubetriebe. Der eigentliche Aufbruch erfolgte erst in den letzten 20 Jahren. GegenwΓ€rtig sind rund 22000 Hektaren mit Reben bestockt, deren Trauben von 260 Weinbaubetrieben verarbeitet werden. Dabei entfallen ΓΌber 80 Prozent der Produktion auf Rotweine.
Das Alentejo wurde wegen der herrschenden Aufbruchsstimmung und der innovativen Tendenzen gerne als das Β«portugiesische KalifornienΒ» bezeichnet. Noch vor fΓΌnf Jahren bekam man auffallend viele Neue-Welt-Imitate zu verkosten, das heisst alkoholreiche Weine mit marmeladig-kompottigen Aromen ΓΌberreifer Trauben und exzessiver EichenholzwΓΌrze. Doch dieser Begriff ist nicht mehr angebracht. Inzwischen suchen viele Produzenten erklΓ€rtermassen in ihren Weinen nach mehr EigenstΓ€ndigkeit und Frische.

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Zwei Weinbaubetriebe, die von jeher auf ΓΌberzeugende Weise und auf hΓΆchstem Niveau dieser Linie gefolgt sind, sind die Quinta de Dona Maria von JΓΊlio Bastos und die Quinta do Mouro von Miguel Louro. Beide GΓΌter liegen in Estremoz und strahlen die majestΓ€tische WΓΌrde altehrwΓΌrdiger Gutsbetriebe aus. Auf der schlossΓ€hnlichen Quinta de Dona Maria, die KΓΆnig JoΓ£o V. in der Mitte des 18. Jahrhunderts einer von ihm verehrten Hofdame namens Dona Maria schenkte, hat der Weinbau Tradition. Zurzeit sind 80 Hektaren mit Reben bestockt, mehrheitlich mit roten einheimischen Sorten wie AragonΓͺs, Alicante Bouschet, Touriga Nacional und Trincadeira.
ErgΓ€nzend kommen kleine Anteile internationaler Sorten dazu wie Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Syrah. Neben zwei krΓ€ftig-frischen Weissweinen – dem aus den Sorten Arinto, AntΓ£o Vaz und Viosinho gekelterten Dona Maria branco sowie dem reinsortigen Viognier Amantis branco – erzeugt der gastfreundliche Gutsherr JΓΊlio Bastos je nach Jahr bis zu sechs verschiedene Rotweine. Darunter befinden sich ein reinsortiger Touriga Nacional und ein Petit Verdot (die Bordelaiser Sorte bringt im Alentejo besonders gute Resultate). Zu den auch in der Schweiz erhΓ€ltlichen Klassikern zΓ€hlen der Dona Maria tinto und der Dona Maria tinto reserva, beides Assemblagen, die Stoffigkeit, Eleganz und KomplexitΓ€t harmonisch in sich vereinen.

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Das Gleiche gilt auch fΓΌr die Rotweine, die Miguel Louro auf seiner Quinta do Mouro erzeugt. Der gross gewachsene, in Evora praktizierende Zahnarzt mit dem verwegenen Charaktergesicht hat es sich von Anfang an zum Ziel gemacht, hochkarΓ€tige klassische Weine zu keltern. Auf 27 Hektaren kultiviert er ausschliesslich rote Sorten, vorab die vier gleichen roten portugiesischen VarietΓ€ten wie auf der Quinta de Dona Maria sowie einen kleinen Anteil Cabernet Sauvignon und Petit Syrah. Aus den separat vinifizierten Weinen werden die drei Hauptweine des Guts assembliert: Der fruchtig-saftige Vinha do Mouro, der gehaltvoll-elegante Casa dos Zagalos und der langlebig-komplexe Paradewein Quinta do Mouro.
Auch Miguel Louros Sohn LuΓ­s hat sich mittlerweile als selbststΓ€ndiger Winzer etabliert. Nach seinem Γ–nologiestudium in Lissabon und Arbeitsaufenthalten im Bordelais und in Kalifornien trat er in das Gut seines Vaters ein und grΓΌndete zudem 2004 mit 25 Hektaren gepachtetem Rebland seinen eigenen Weinbaubetrieb, die Adega do Monte Branco. Je zwei weisse und rote Assemblagen (davon je eine weisse und rote Reserva) fΓΌllt LuΓ­s Louro unter dem Namen Alento ab. Β«Meine Weine sind fruchtbetonter und leichter zugΓ€nglich als die GewΓ€chse meines VatersΒ», kommentiert er. Und sie bieten viel TrinkvergnΓΌgen zu einem freundschaftlichen Preis.

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