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Reale Wertverluste

Warum investieren Pensionskassen noch in unattraktive Staatsanleihen?

Staatsschulden sind ein schlechtes Geschäft – doch Pensionskassen investieren trotzdem weiter in sie.

Adriel Jost

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«Für Pensionskassen haben Obligationen weiterhin einen Nutzen», erklärt Ökonom Adriel Jost. zVg

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Werden Kreditgeber der USA ihr Geld zurückerhalten? Die Antwort lautet: ja. Die spannendere Frage ist jedoch, wie viel dieses Geld noch wert ist, wenn der Kredit ausläuft. Hoch verschuldete Staaten haben ein grosses Interesse daran, steigende Zinsen zu verhindern, und profitieren davon, wenn Zentralbanken durch Käufe von Staatsschulden das Zinsniveau tief halten. Nur so lässt sich eine Schuldenspirale vermeiden. Die Kehrseite davon sind weitere Geldentwertungen. Der US-Staat wird die 100 Dollar immer zurückbezahlen – doch dafür wird sich nicht mehr allzu viel kaufen lassen.
Das Problem zeigt sich bereits heute. Investieren Schweizer Anleger in ausländische Staatsschulden, erzielen sie oft kaum oder sogar negative Renditen: Entweder frisst die Währungsabwertung die Zinsen auf, oder die Kosten der Währungsabsicherung tun es. Aber auch in der Schweiz nehmen Investoren eine nur knapp positive Verzinsung von längerfristigen Staatsobligationen in Kauf. Wird die Inflation in den nächsten zehn Jahren hierzulande jedoch tatsächlich im Schnitt negativ sein? Wohl kaum. Damit ist ein realer Wertverlust wahrscheinlich.
Adriel Jost ist Ex-SNB-Mitarbeiter, Fellow am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) in Luzern und Präsident des Thinktanks Liberethica.

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Tiefe Verzinsung und realer Wertverlust machen Staatsschulden zu einem schlechten Geschäft. Wer investiert unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch in sie? Es sind vor allem institutionelle Anleger wie Pensionskassen. Diese haben ihren Obligationenanteil in den vergangenen zehn Jahren zwar leicht reduziert – von durchschnittlich 33 auf 28  Prozent. Sollten Pensionskassen ihre Obligationenquote aber nicht konsequent auf null senken?
Für Pensionskassen haben Obligationen weiterhin einen Nutzen. Sie helfen, Verluste innerhalb eines Jahres zu begrenzen. Pensionskassen sprechen in diesem Zusammenhang von ihrer «Risikofähigkeit»: Wie stark dürfen die Anlagen innerhalb eines Jahres schwanken, damit die Kassen ihre Verpflichtungen jederzeit erfüllen können? Sinken die Preise der Anlagen zu stark, ist diese Sicherheit nicht mehr gewährleistet.
«Pensionskassen spielen gemeinsam mit den Staaten ein Spiel auf Kosten der Bürger.»
Finanzielle Repression – also ein künstlich stabiles Zinsniveau unterhalb der Inflationsrate – hilft den Staaten, weil die schleichende Besteuerung von der Bevölkerung via Inflation wenig wahrgenommen wird. Pensionskassen profitieren aber auch davon. Obligationen verlieren zwar real über die Zeit an Wert, doch dies zeigt sich nicht in jährlichen nominalen Verlusten und erhält dementsprechend wenig Aufmerksamkeit. Ganz im Gegenteil, tiefe Zinsen und Zentralbankliquidität helfen Aktien- und Immobilienpreisen und sorgen für nominale Gewinne.

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Hinzu kommt: Hohe Inflationsraten stellen für Pensionskassen kein unmittelbares Problem dar, denn auch ihre Leistungsversprechen – also die Renten respektive der Kapitalbezug – verlieren inflationsbereinigt an Wert. Hohe Inflation bei tiefen Zinsen ist daher für die Versicherten ein deutlich schlechteres Szenario als für die Pensionskassen selbst.
Etwas zugespitzt formuliert: Staatsobligationen ermöglichen, dass Pensionskassen und andere institutionelle Investoren gemeinsam mit den Staaten ein Spiel auf Kosten der Bürger spielen. Institutionelle Investoren wollen (oder müssen per Gesetz) ihr Risiko gemessen an jährlichen Schwankungen begrenzen, Staaten ihre Schulden möglichst geräuschlos finanzieren.
Ändern würde sich dies, wenn die Versprechen der Pensionskassen zumindest teilweise inflationsbereinigt ausgestaltet wären. Dann müssten Pensionskassen stärker in Aktien, Immobilien und Gold investieren – kurzfristig mit höheren Risiken, langfristig jedoch mit besseren realen Renditen.

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