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Assekuranz

Warum dividendenstarke Versicherungsaktien diesen Januar einknicken

Die Assekuranz-Titel legen einen Fehlstart ins Jahr 2026 hin. Die Chancen und Risiken in der Übersicht.

Thomas Daniel Marti

<p>Mit Löwenfiguren ausgerüstet: Der Hauptsitz der Swiss Re in Zürich.</p>

Mit Löwenfiguren ausgerüstet: Der Hauptsitz der Swiss Re in Zürich.

Bloomberg

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In der Regel performen die Versicherungsvaloren wegen der im Frühling anstehenden Dividendenzahlungen überdurchschnittlich gut während der ersten Wochen eines neuen Börsenjahres. Nicht so im Jahr 2026: Die Titel der fünf kotierten Schweizer Versicherungskonzerne befinden sich im Rückwärtsgang und verlieren zwischen 1 und 5 Prozent. 

Diese Kursrückschläge gilt es allerdings auf einen längeren Zeithorizont zu relativieren. Helvetia Baloise (+36 Prozent), Swiss Life (+30 Prozent), Vaudoise (+52 Prozent) und Zurich Insurance (+13 Prozent) fielen über die letzten zwölf Monate mit überdurchschnittlichen Kurssteigerungen auf. Einzig die Valoren von Swiss Re stagnieren seit längerer Zeit wegen unternehmens- und branchenspezifischer Faktoren.

Im Rückversicherungssegment steht nicht nur der hiesige Rückversicherungskonzern unter Druck. Auch die europäischen Konkurrenten Hannover Rück und Münchner Rück erleiden Kursabgaben, da die Branche bei den Vertragserneuerungen zum 1. Januar 2026 deutliche Preisrückgänge zu verkraften hatte. So seien die globalen Prämien für Sach- und Katastrophenrückversicherungen risikobereinigt um etwa 10 bis 15 Prozent gesunken, teilten zwei Versicherungsmakler aus London in der vergangenen Woche mit. Dies sei der stärkste Rückgang im Jahresvergleich seit 2014. Hinzu komme in Europa ein übermässiger Preisdruck wegen eines Kapitalüberangebots in einem aggressiven Wettbewerbsumfeld.

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Nach Jahren überdurchschnittlicher Performance scheinen die Titel der Rückversicherer an Grenzen zu stossen. Morgan Stanley senkte zum Beispiel am vergangenen Donnerstag in einer Branchenstudie das Kursziel für Swiss Re auf 120 von 130 Franken und beliess die Einstufung weiterhin auf «Underweight». Immerhin kam der Titel hernach nicht weiter unter Verkaufsdruck, da die negativen Schlagzeilen grösstenteils eingepreist sind.

Die Verkäufe von institutionellen Investoren gingen schon im Dezember über die Bühne, als der Aktienmarkt mit deutlichen Abschlägen auf die Aussagen des Swiss-Re-Managements am Investorentreffen in London reagierte. So wurde das neu ausgegebene Gewinnziel des Rückversicherers für 2026 als zu konservativ und wenig ambitioniert kritisiert. Gleichzeitig fiel auch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm klar unter den Erwartungen aus.

Mit einer schnellen Trendwende ist bei Swiss Re nicht zu rechnen. Die Ratingagentur Fitch stufte in ihrem Branchenausblick für 2026 den Rückversicherungsbereich auf «verschlechternd» herab. Da die Preissetzungsmacht schwinde, habe sich der Fokus von der Steigerung der Eigenkapitalrendite (ROE) hin zum Halten der aktuellen Renditeniveaus verlagert.

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Entgegen der pessimistischen Stimmung ist ein Rückzug aus dem Titel des Schweizer Rückversicherers nicht angebracht. Dies hängt einerseits mit der attraktiven Dividendenrendite von 4,8 Prozent und andererseits mit den verbesserten Fundamentaldaten zusammen. Lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei Swiss Re letzten Sommer noch bei 12x im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt von 10x, so hat sich dieses bis Anfang des laufenden Jahres auf 9x zurückgebildet.

Damit wird die Aktie beim KGV mit einem Bewertungsabschlag gegenüber dem langfristigen Durchschnitt gehandelt. Eine vernünftige Bewertung zeigt auch das Verhältnis des Preises zum Buchwert und des Unternehmenswerts im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern und Zinsen (EV/Ebit) an.  

Vier Versicherer weiter teuer bewertet

Bei den Versicherern Helvetia Baloise, Swiss Life, Vaudoise Assurance und Zurich Insurance muss im langfristigen Kontext weiter von einer Überbewertung gesprochen werden, da das KGV gemäss nachfolgender Tabelle immer noch über dem fünfjährigen Durchschnitt liegt. 

 

* KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis. (Daten Bloomberg)

Titel Veränderung 2026 Dividendenrendite 2026 KGV 2026 KGV 5Y Ø
Helvetia Baloise  -4,1 %  3,6 %  19  13
Swiss Life   -4,3 %  4,2 %  18  13
Swiss Re  -4,6 %  4,8 %    9  10
Vaudoise   -0,8 %  3,2 %  13  10
Zurich Insurance  -4,8 %  5,0 %  15  13

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Aufgrund der hohen Bewertungen trauen die angelsächsischen Analysten den beiden SMI-Titeln Swiss Life und Zurich Insurance nur geringe Kursavancen im Jahr 2026 zu. JPMorgan vergibt beiden Valoren ein Rating «Underweight». Swiss Life weise im Vergleich zu europäischen Lebensversicherern hohe Bewertungskennzahlen auf, die weder durch die Eigenkapitalrendite noch durch das Wachstumspotenzial gerechtfertigt seien.

Swiss Life sei einem Abwärtsrisiko hinsichtlich der Konsensgewinne ausgesetzt, erläutert der Analyst Farooq Hanif von JPMorgan weiter. Er geht gar noch einen Schritt weiter und verbannt Swiss Life im Hinblick auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025 am 12. März 2026 auf die «Negative Catalyst Watchlist».

Zurich Insurance sei dagegen am stärksten von einer schwachen Preisgestaltung im Bereich der gewerblichen Schaden- und Unfallversicherung betroffen, was das zukünftige Gewinnwachstum potenziell bremsen könnte, so der Experte der US-Investmentbank weiter. JPMorgan empfiehlt alternativ die europäischen Versicherer Aegon, Axa, Beazley, Generali, Hiscox, NN Group, Munich Re oder Sampo zum Kauf.

Daneben findet sich auch der englische Rückversicherer Legal & General ganz oben auf den Kaufzetteln von diversen Analysten. Der britische Finanzdienstleister unterscheidet sich wesentlich von den klassischen europäischen Rückversicherern, welche stark von den Preisen für Naturkatastrophen-Deckungen abhängen. Legal & General ist hingegen primär in der Lebensversicherung und Altersvorsorge tätig. Die erwartete Dividende von 8,3 Prozent liegt wesentlich über dem Branchendurchschnitt von 5,1 Prozent.

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Dividendenrenditen sorgen für Bewertungsaufschlag

Im Gegensatz zu den angelsächsischen Investoren sind die Schweizer Experten optimistischer. Dies hängt stark mit den seit Jahren attraktiven Dividendenrenditen und dem im europäischen Branchenvergleich tiefen, aber soliden Wachstum der Branche zusammen. 

So landet wenig überraschend Zurich Insurance auf der Liste der Jahresfavoriten bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Deren Analyst Georg Marti sieht Zurich Insurance auf Kurs in der Strategieperiode 2025 bis 2027. «Im ersten Halbjahr 2025 konnte der Versicherungskonzern rekordhohe Kennzahlen beim Gewinn und der Eigenkapitalrendite ausweisen. Das gute Geschäftswachstum wird sich unserer Einschätzung nach fortsetzen», so der ZKB-Experte. Zurich Insurance sollte entsprechend die angestrebte, jährliche Erhöhung bei den Ausschüttungen erreichen können.

Die Dividende von Zurich Insurance lag 2024 bei 28 Franken. Für das abgelaufene Jahr geht der Konsens der Analysten von 30 Franken aus, wobei vereinzelt auch optimistischere 31 Franken aufgerufen werden. Die Auszahlung wird für Mitte April erwartet.  

Hohe KGVs bremsen Kurspotenzial ein

Bei Swiss Life ist der Abstand zwischen aktuellem KGV und dem fünfjährigen Durchschnitt unter den fünf hiesigen Assekuranzunternehmen am grössten. Eine gewisse Skepsis scheint deshalb gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass dieser Dividendentitel in den letzten drei Jahren überdurchschnittliche 64 Prozent an Wert hinzugewonnen hat.

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Eine Normalisierung beim KGV erwartet die Deutsche Bank, deren Experten Swiss Life in einer Branchenstudie ein Kursziel von 815 Franken mit einem Rating «Hold» verpassten. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von rund 8 Prozent. Insgesamt geht das Analystenteam der Deutschen Bank von soliden Fundamentaldaten mit weiterem Buchwert- und Gewinnwachstum sowie attraktiven Dividendenrenditen aus.  

Nach der satten Kurssteigerung im letzten Jahr dürften Helvetia Baloise und Vaudoise Assurance im laufenden Jahr kaum ähnliche Kursgewinne generieren. Der Fokus der Anlegerinnen und Anleger liegt vielmehr auf der Bestätigung eines erfolgreichen Fusionsabschlusses von Baloise und Helvetia, bevor Neuengagements in Betracht gezogen werden dürften. Beim Westschweizer Versicherungskonzern Vaudoise spricht die tiefere Dividendenrendite gegenüber den anderen Schweizer Versicherern eher gegen einen Einstieg. 

Langfristig orientierte Investierende dürften sich aber auch im laufenden Jahr Einstiegsmöglichkeiten bieten, nachdem die Volatilität der Versicherungsvaloren seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent angezogen hatte. Die Schwankungsanfälligkeit liegt zwischen 15 und 20 Prozent. Bei allfälligen Kursrücksetzern in Marktkorrekturphasen bieten diese fünf Dividendenperlen entsprechend attraktive Einstiegsniveaus.

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Thomas Daniel Marti

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