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Für eine Kotierung an der Schweizer Börse werden namhafte Unternehmen diskutiert.
Das Logo von Syngenta an einem Firmengebäude in Sisslen (Januar 2021).
imago images/Andreas HaasWerbung
Bioversys, Swiss Marketplace Group und Amrize nach der Abspaltung von Holcim: Sie gaben 2025 ihr Debüt an der Schweizer Börse. Für die nähere und fernere Zukunft ist die Pipeline mit Kandidaten wie Syngenta, Syntegon, Infomaniak sowie einigen anderen Unternehmen bestückt, auch wenn es meistens noch keine konkreten Zeitpläne gibt.
Genau genommen würde es sich bei Syngenta um eine Rückkehr an die Börse, nicht um ein Debüt handeln. Das Agrartechnologieunternehmen war bis 2018 an der Schweizer Börse kotiert und wurde dann durch Chem China privatisiert. Ein nächster IPO («Initial Public Offering») wurde hernach am Handelsplatz in Shanghai avisiert. Davon zog sich die Gruppe im Frühjahr 2024 aber zurück. Das Management hielt sich eine Kotierung offen - «entweder in China oder an einer anderen globalen Börse», wie es hiess.
Nach Angaben von Bloomberg des vergangenen Novembers wird nun ein Gang an Hongkonger Börse erwogen, ein europäischer Handelsplatz ist indes nicht vom Tisch gewesen, «wobei auch die Schweiz wieder diskutiert wird», sagt Serge Nussbaumer des Wertschriftenhauses Maverix auf Anfrage von cash.ch. «Die Chancen liegen klar in der Grösse, dem globalen Umsatz und der starken Marke, die institutionelle Investoren anziehen kann», führt der Experte aus. Risiken sieht er in den volatilen Marktbedingungen, doch auch in politischen und geopolitischen Fragezeichen - speziell bezogen auf die chinesische Eigentümerschaft. Dies könne bei europäischen Anlegern zu Zurückhaltung führen.
Das Unternehmen selbst teilt gegenüber cash.ch zum aktuellen Stand mit, noch keine formelle IPO-Entscheidung getroffen zu haben, seine Kapitalmarktstrategien aber weiter zu prüfen. Speziell komme die Schweiz als Standort für eine Zweitkotierung infrage. Eine solche würde hiesigen Anlegern - neben dem Gang des Unternehmens an eine asiatische Börse - den Handel mit Syngenta-Titeln ermöglichen.
Ein IPO in den USA erscheint wegen der Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China hingegen als schwierig. In diese Spannungen fallen nicht nur Zölle, sondern auch Unwägbarkeiten beim Zugang chinesischer oder mit China verbundener Unternehmen zu amerikanischem Ackerland.
Derweil berichtet Syngenta für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025 einen Umsatz von 20,9 Milliarden Dollar, nach 21,4 Milliarden Dollar in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der operative Gewinn auf Stufe Ebitda ist auf 3,4 von 2,7 Milliarden Dollar gestiegen - ein Plus von 31 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Für das Gesamtjahr erwartet das Management stabile Umsätze und eine weiter steigende Profitabilität, wie es Ende Oktober zum Drittquartalsbericht mitteilte.
Der in Stuttgart beheimatete Verpackungsspezialist Syntegon wird seit einiger Zeit als IPO-Kandidat diskutiert. Das Unternehmen, das einen Standort in Beringen SH hat, gehört dem Finanzinvestor CVC. Dieser hält aber nicht unbedingt an Syntegon fest: Offenbar haben die Stuttgarter das Interesse verschiedener Käufer geweckt, und CVC strebe einen Erlös von mehr als 4 Milliarden Euro an, berichtete Bloomberg im November. Zugleich erwägt CVC einen Börsengang von Syntegon in Zürich. Das Management habe angekündigt, den Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen und eine Börsennotierung hierzulande zu prüfen, so Serge Nussbaumer von Maverix.
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Das Unternehmen verfüge über ein starkes, global ausgerichtetes Maschinenbau- und Verpackungsgeschäft. Es ist schwergewichtig in der Pharma-, der Biotech- und der Lebensmittelindustrie aktiv. Beispielsweise stellt es Granulatoren und Tablettenpressen für die Pharmabranche sowie Roboter für Lebensmittelverpackungen her. «Im Falle eines IPOs könnte dies für Investoren attraktiv sein, insbesondere im Hinblick auf internationale Marktpräsenz und stabile industrielle Nachfrage», sagt Nussbaumer.
Finanzinvestor CVC hat die Pläne noch nicht finalisiert, sodass auch kein konkreter Zeitplan für einen Börsengang bekannt ist. Internationale Handelskonflikte - Stichwort US-Zölle - betreffen grundsätzlich auch Syntegon. Doch das Management will durch breit organisierte Lieferketten und Partnerschaften gegensteuern. Es erwartet für das Gesamtgeschäftsjahr 2025 «nur minimale Auswirkungen», wie es zum Drittquartalsbericht im vergangenen November schrieb. In den ersten neun Monaten sei der Umsatz um 14 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro und der operative Gewinn (Ebitda) um 40 Prozent auf 202 Millionen Euro gestiegen.
Infomaniak wiederum bietet IT- und speziell Cloud-Lösungen an. Das Unternehmen hat dazu im Januar 2025 in der Nähe von Genf ein weiteres Rechenzentrum eingerichtet. Zu Beginn hat dieses mit 25 Prozent der Kapazität gearbeitet, 2028 soll es die volle Leistung erreicht haben. Beim Börsengang soll es sich um «einen anderen IPO-Typus» als bei Syngenta und Syntegon handeln, wie Nussbaumer es formuliert.
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Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Informatik und will sich über Themen wie Datenschutz, Nachhaltigkeit und europäische digitale Souveränität profilieren. Das passe gut zum wachsenden Bedarf an datenschutzkonformen Cloud-Lösungen in der Schweiz und biete strukturelles Wachstumspotenzial, erklärt der Experte von Maverix. Allerdings gebe es bislang keine offizielle IPO-Ankündigung, sodass entsprechende Pläne eher als Marktspekulation gelten müssen. Zudem sei Infomaniak im Vergleich zu globalen Hyperscalern ein mittelgrosser Anbieter, «was die Bewertung begrenzen könnte».
Mit DePoly gehört auch ein Jungunternehmen zum Kreis möglicher Börsendebütanten. Seine Technologie zerlegt PET und Polyester in deren ursprüngliche Bausteine. Sie sind dem Anspruch des Unternehmens zufolge von neuwertiger Qualität und identisch mit den aus Erdöl gewonnenen Pendants. So werde die Herstellung von Kunststoffen aus frischem Erdöl umgangen.
Das Unternehmen wurde an der «Sparks IPO Academy» der Schweizer Börse, die sich an wachstumsstarke KMU wendet, als IPO-Aspirant genannt, «was auf mittelfristige Ambitionen hindeutet», wie Nussbaumer sagt. Sollte das Unternehmen effektiv an die Börse gehen, können Anleger in ein Unternehmen investieren, das vom Trend zu Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit profitieren kann. Indes ist hier neben der ökologischen auch die finanzielle Nachhaltigkeit ausschlaggebend: Gelingt es, dass DePoly weiter wächst und langfristig profitabel ist?
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Ebenfalls aus der Kreislaufwirtschaft stammt das als Kandidaten geltende Unternehmen Enespa. Andy Waar, Leiter Marketing und Kommunikation, nannte als einen der Gründe für seinen Einsatz bei Enespa die Aussicht auf ein IPO: «Es war immer ein Traum von mir, mit einer Firma an die Börse zu gehen - eine noch fehlende Checkbox meiner persönlichen Bucketlist. Hier bei Vespa kriege ich die Chance dazu», sagte er laut einer Mitteilung des Unternehmens. Waar trat seinen Posten Anfang 2025 an.
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