Die Busse der UBS in Frankreich, die Vergütungen des Top-Managements und auch das Thema Nachhaltigkeit: Das gab an der Generalversammlung der grössten Schweizer Bank zu reden.

Und tatsächlich gestanden am frühen Nachmittag nur gut 41,6 Prozent der Stimmen dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung die Entlastung zu – eine ebenso grosse Menge (ebenfalls 41,6 Prozent) wandte sich dagegen. Damit wurde das nötige Quorum nicht erreicht. In einer ersten Reaktion sagte Verwaltungsratspräsident Axel Weber, er interpretiere das Ergebnis so, dass «die Unsicherheit in Bezug auf den Prozess in Frankreich Ihnen Sorge bereitet».

Die Aktionäre wollten sich wohl die Möglichkeit rechtlicher Schritte offen lassen. Er erinnere aber daran, dass niemand aus der heutigen Führung zur Zeit, um die es im französischen Justizverfahren geht, im Amt war.

Saläre genehmigt

Damit gingen offenbar auch grosse Investoren, Fonds und Stimmrechtsberater auf vorsichtigen Abstand zur UBS-Spitze. Interessanterweise hatte die GV die Saläre für die Führungsriege der Grossbank genehmigt: Gut 79 Prozent stimmten für den Vergütungsbericht 2018 – kaum weniger als im Vorjahr (gut 81 Prozent).

Die Anlagestiftung Ethos hatte zuvor den Mitaktionären empfohlen, alle Anträge in Bezug auf die Vergütungen des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung abzulehnen und die Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung (Décharge) zu verweigern.

Vincent Kaufmann zeigte sich im Namen von Ethos «beunruhigt über die hohen Risiken durch Rechtsfälle». Er erwähnte dabei nicht nur die Causa Frankreich, wo die Bank vor zwei Monaten erstinstanzlich zu einer hohen Busse verurteilt wurde, sondern auch den Fall der sogenannten Ramsch-Hypotheken (Subprime-Hypotheken) in den USA. Auch in diesem Fall hat sich die Bank nicht - wie andere vergleichbare Institute - mit den Justizbehörden auf einen aussergerichtlichen Vergleich geeinigt.

Weber ahnte es

Präsident Weber und CEO Sergio Ermotti ahnten offenbar, dass es knapp wird bei der Décharge. Auf den Tag der Generalversammlung gaben sie dem «Blick» ein Interview. «Wir haben im Vorfeld der GV mit vielen Aktionären gesprochen, die sich enthalten wollen», sagte Weber. «Sie möchten sich damit gewisse rechtliche Möglichkeiten offenhalten. Solche Enthaltungen zählen aber als "nicht dafür". Wir müssen für die Décharge über 50 Prozent "Dafür"-Stimmen bekommen. Das ist vor diesem Hintergrund möglicherweise nicht gegeben.»

Der Anteil jener Stimmen, die sich enthielten (und insofern als «nicht dafür» gelten können), lag bei gut 16 Prozent. 

Er verstehe, wenn Aktionäre sich ihre Rechte sichern wollen, so Weber im «Blick»-Gespräch weiter. «Ich kann nur sagen, dass die heutige Führung der Bank im Frankreich-Fall stets äusserst sorgfältig und im Interesse der Aktionäre gehandelt hat.»

Umstrittene Vergütung 

Ausserdem betonte Kaufmann, dass die Vergütungen nicht im Einklang mit der Aktienkursperformance stünden und die Kernkapitalquote Ende 2018 erstmals seit längerer Zeit wieder unter 13 Prozent gefallen sei. Daher seien die Vergütungen abzulehnen und der Antrag auf Entlastung der verantwortlichen Kreise komme zu früh. Laut Schweizer Recht haben Aktionäre bekanntlich eine Frist von sechs Monaten, um eine Klage einzureichen. Dies aber nur, falls sie der Décharge nicht zugestimmt haben.

Eine weitere Aktionärin bezeichnete die Rückstellungen der UBS für die beiden Rechtsfälle als viel zu tief. Sie forderte ein «verantwortungsvolles Management» und schlug vor, die Boni um 50 Prozent zu kürzen. Etwa um zu verhindern, dass die Boni für Angestellte im Mutterschutz gekürzt würden. Das Thema Vereinbarung von Arbeit und Familie sei für die UBS von hoher Wichtigkeit, antwortete VR-Präsident Axel Weber.

«In Richtung Nachhaltigkeit»

Ansonsten war im ersten Teil der GV vor allem die Nachhaltigkeit der Bank ein Thema. Die Anlagestiftung Actares, die das nachhaltige Wirtschaften in den Fokus stellt, bedankte sich bei der UBS-Spitze zwar für die Dialogbereitschaft, bezweifelte aber, dass die UBS in Sachen Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder auch Menschenrechten schon genug fortgeschritten sei.

VR-Präsident Weber wies dabei darauf hin, dass die Bank die «Balance» immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit verschiebe, was aber ein langwieriger Weg sei. Überhaupt würden die Standards in Bezug etwa auf Terrorfinanzierung oder Korruption angezogen.

Anwesend waren zu Beginn der Generalversammlung gemäss den Angaben 1254 Aktionäre. Mit den Aktienstimmen, die vom unabhängigen Stimmrechtsberater vertreten werden, sind 76 Prozent der stimmberechtigten Aktienstimmen anwesend.

(awp/mlo/rap/reuters)

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