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Machtnetz von Vladimir Kuznetsov: Der Powerplayer

Vladimir Kuznetsov ist Viktor Vekselbergs erster Offizier. Er tritt allmählich aus dem Hintergrund.

Von Susanne Mühlemann
09.10.2009
Es hat etwas gedauert, doch mittlerweile hat man sich den Namen Kuznetsov in der Schweizer Wirtschaftswelt gemerkt. Als Chief Investment Officer der Renova-Gruppe ist der 48-Jährige erste ausführende Kraft des Rohstoff- und Industriemagnaten Viktor Vekselberg. «Ich muss kein Mitglied des Establish­ments werden, sondern sicherstellen, dass unsere Firmen gut geführt sind», Kuznetsov hält sich lieber im Hintergrund. Doch als ­dominierender Mann im Sulzer-Verwaltungsrat und Präsident von OC Oerlikon steht der nüchterne Schaffer zunehmend in der Öffentlichkeit – und nicht immer im besten Licht. Im Namen Vekselbergs greift der Russe bei Schweizer Traditionsfirmen durch. Er muss dafür sorgen, dass sich die ­Investments auszahlen. Und ohne Aufsehen, wie es ihm lieb wäre, geht das nicht. Selbst die ärgsten Feinde zollen Kuznetsov Respekt für seinen scharfen Intellekt und das gute Urteilsvermögen. Der Moskauer ist bestens geschult. Der Sohn eines Ökonomen ist selber Doktor der Ökonomie, hat mehrere Jahre in New York Station gemacht und einen MBA der Columbia University in der Tasche. In den neunziger Jahren baute Kuznetsov in Moskau Büros für Goldman Sachs und ­Salomon ­Bro­thers auf. 2001 stiess er als Berater zu Viktor Vekselbergs Unternehmen. Die Mitstreiter Ein weiterer starker Mann neben Kuznetsov im Imperium Vekselbergs ist Carl Stadelhofer. Der Wirtschaftsanwalt hatte schon vor dem Einzug in die Schweiz Kontakt zu Renova und ist oberste ­In­stanz in Rechtsfragen. Er präsidiert Renova Industries, die Renova Holding und sitzt im VR von OC Oerlikon. Manch einer wundert sich, wie der schillernde Schaffhauser und der nüchterne Russe miteinander kutschieren. Stadelhofer präsidiert auch die Neue Zürcher Bank (NZB), gegen die ein Finma-Verfahren in Sachen Sulzer läuft. Dass man des Öfteren mit der NZB geschäftet habe, wird bei Renova vehement verneint. Hausbank sei die UBS. Stark gefordert ist derzeit OC-Oerlikon-Sanierer Hans Ziegler. Man arbeite eng zusammen, so Kuznetsov, und tatsächlich sei der Job, den Ziegler gefasst habe, hart: «Ich beneide ihn nicht.» Kennen gelernt hat man sich im Frühjahr 2008, kurz bevor Ziegler zum Oerlikon-VR ernannt wurde. Der neue Sulzer-Präsident Jürgen Dormann wurde Renova vom Chef einer Investmentbank empfohlen, mit der man Kontakt pflegt. Er habe Dormann ohne grosse Erwartungen einer Zusage getroffen, sagt Kuznetsov. Der Ex-ABB-Präsident habe dann überraschend Ja gesagt. Nein, nicht als Gefolgsmann, wie Kuznetsov betont. «Er präsidiert die Firma, aber natürlich wollen wir als grosser Aktionär gehört werden.» Die Gegenspieler «Es reicht aus, wenn mich meine Frau und meine Kinder lieben», erklärt Kuznetsov. Wer im Geschäft nicht mitzieht, hat das Nachsehen. Zu spüren bekam dies Sulzer-Präsident Ulf Berg samt den herausbugsierten Sulzer-VR Louis Hughes und Thor Hakstad. Nicht gut zu sprechen ist man bei Renova auf den früheren Geschäftspartner und OC-Oerlikon-Investor Georg Stumpf und den Aktionär Ronny Pecik. Die Österreicher haben den Russen ihre Beteiligung teuer verkauft. Im Finanzdepartement läuft eine Strafuntersuchung gegen Renova in Sachen Sulzer. Das Finma-Verfahren wurde im Januar abgeschlossen, ohne eine Gesetzesverletzung festgestellt zu haben. Finma-Präsident Eugen Haltiner kritisiert Vekselbergs Vorgehen beim Aufbau der Beteiligung aber öffentlich und scharf. Oerlikon-CEO Uwe Krüger wurde im Spätsommer geschasst. «Geschäft ist Geschäft», persönlich sei das Einvernehmen mit Krüger aber immer noch gut, erklärt Kuznetsov. Die Förderer Sein Professor und Doktorvater, der Ökonom Revold Entov, habe ihn die ­Logik und die Konsistenz gelehrt, die sein Handeln bis heute prägten, so ­Kuznetsov. Über sechs Jahre war er an Entovs Institut akademisch tätig. Die späteren Stationen im Investment Banking waren wichtig, besonders Goldman Sachs war «eine fantastische Schule», sagt er heute. Er lobt Effizienz und Qualität der Leute: «Ich musste schnell lernen.» Seit 2001 steht Kuznetsov im Dienste von Viktor ­Vekselberg und wirkte mit, ­dessen Firmen zur Gruppe zu konstituieren. Das Bild des reinen Befehlsempfängers von Vekselberg kontert er offen und mit trockenem Humor. Ja klar, der Renova-­Besitzer sei sein Boss – «sehr sogar», lacht er. «Doch wenn Sie meinen, ich greife bei jeder offenen Frage zum Telefon, irren Sie sich.» Das gehe schon allein deshalb nicht, weil sein Chef «ein sehr beschäftigter Mann» sei. Das Schweizer Netz Obwohl er in der Schweiz fast «eine Allergie» gegen staatliche Unterstützung der Wirtschaft ortet, bekomme man bei OC ­Oerlikon «alle Unterstützung, die im hiesigen System möglich ist», lobt Kuznetsov. Nicht zuletzt dank Thomas Borer, der den PR-Job für Renova mit Verve verfolgt. Regelmässig lädt Renova Wirtschafts- und ­Politvertreter zum Austausch. Kontakt pflegt man etwa zum Swissmem-Präsidenten Johann Schneider-Ammann, zu Unternehmern wie ­Ruedi Noser oder Peter Spuhler. Wirtschaftsministerin Doris Leuthard war kürzlich an der Eröffnung eines Werks in Trübbach SG. Seco-Chef Jean-Daniel Gerber öffnet für OC Oerlikon Türen in China. Einen guten Draht hat Kuznetsov zu Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Das Privatleben Kuznetsov lebt seit 2004 in Zürich. Er preist die Stadt als dynamisch, expansiv und als Ort, an dem sich Ausländer nicht als solche fühlten. Derzeit aber ziehen er und seine Frau Olga mit den drei jüngeren Kindern nach Zug. Der älteste Sohn (30), der seinen Eltern bereits ein Enkelkind geschenkt hat, lebt nicht mehr zu Hause. Beim Wohnortswechsel spielten die Steuersätze nicht die Hauptrolle, so versichert Kuznetsov, wichtiger sei, dass die Familie ein schönes Haus gefunden habe. Hobbys? «Mit drei Kindern und einem Hund daheim?», fragt er zurück. Zwischen Arbeit und Familie bleibe keine Zeit. Im Winter zieht es ihn immerhin auf die Piste, er steht im Ruf, ein grossartiger Skifahrer zu sein.
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