Als es 2005 um die Neubesetzung des Präsidiums der Eid­genössischen Bankenkommission (EBK) ging, präsentierte ­Finanzminister Hans-Rudolf Merz dem Bundesrat genau ­einen Kandidaten: Eugen Haltiner, bis dahin Topmanager bei der UBS. Merz und Haltiner sind langjährige Weggefährten. Kennen gelernt haben sie sich Mitte der siebziger Jahre im UBS-Ausbildungszentrum auf dem Wolfsberg, wo Merz ­seinerzeit tätig war. 1995, beim Verkauf der Ausserrhoder ­Kantonalbank an die UBS, sassen sich die beiden Ostschweizer am Verhandlungstisch gegenüber: Merz als Kantonalbank-Präsident und Haltiner für die UBS.

Über einen zweiten sehr einflussreichen Fürsprecher ­verfügt Haltiner in der Person von Bruno Gehrig. Der UBS-Verwaltungsrat und Vizepräsident von Roche hat im Verlauf seiner Karriere in Diensten der Bankgesellschaft wie auch der EBK gestanden. Die ersten zwei Jahre werde er bezüglich UBS jeweils in den Ausstand treten, versprach Haltiner anlässlich seiner Inthronisation vor drei Jahren – bemüht, dem Image eines Schafs im Wolfspelz entgegenzuwirken. Niemand konnte damals ahnen, dass ausgerechnet die UBS schon bald zum Hauptgegenstand der neuerdings unter dem Kürzel Finma auftretenden Kontrollbehörde würde.

SEINE VERBÜNDETEN
Unter Marcel Ospel wurde Haltiner ins Group Managing Board der UBS berufen, verantwortlich für das inländische Privat- und Firmenkundengeschäft. Er rapportierte an Stephan Haeringer, die damalige Nummer zwei im Konzern. Seit seinem Wechsel in den Staatsdienst sucht und findet Haltiner seine Ansprechpartner vor allem in den Reihen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). In der Zürcher SNB-Niederlassung verfügt Haltiner über eigene Sitzungsräume – pikanterweise mit Blick auf den Hauptsitz seines früheren Arbeitgebers. Mit dem Notenbankdirektorium unter Präsident Jean-Pierre Roth befindet sich Haltiner in kontinuierlichem Austausch. Beim zentralen Thema der Finanzmarktstabilität ist SNB-Vize Philipp Hildebrand sein wichtigster Diskussionspartner, während in Zusammenhang mit dem staatlichen Rettungspaket für die UBS die Federführung beim Vorsteher des dritten SNB-Departements, Thomas Jordan, liegt. «Die Finanzkrise hat Haltiner mit der SNB-Spitze zusammengeschweisst», sagt ein Insider.

SEINE GEGENSPIELER
Keinen grossen Vertrauensvorschuss geniesst Eugen Haltiner bei der politischen Linken. Dem langjährigen UBS-Kadermann fehle es an der nötigen Unabhängigkeit, was ihn zu einer «Bedrohung für den Finanzplatz» werden lasse, monierte SP-Fraktionschefin Ursula Wyss in einer dringlichen Anfrage an die Landesregierung. Ohne Erfolg. SP-Präsident Christian Levrat sieht im Finma-Präsidenten eine Art bankenfreundliches Feigenblatt, hinter dem sich Bundesrat Merz in der aktuellen Bonusdebatte bequem verstecken könne. Wiederholt forderte Levrat «dringende Schritte zur Erhöhung von Unabhängigkeit und Kontrolle» bei der neuen Finanzmarktaufsichtsbehörde. Der SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer, die in einer Fernsehdiskussion zu behaupten wagte, ohne Staatshilfe wäre die UBS pleite gegangen, warf Haltiner – kaum weniger polemisch – «Volksverhetzung» vor. Kritik am Kommunikationsverhalten des Finma-Obmanns äusserte auch schon CVP-Bundesrätin Doris Leuthard.

SEIN TEAM
Mit Patrick Raaflaub, einem ehemaligen Kadermann der Schweizer Rück, kann sich der Finma-Präsident auf einen CEO mit einschlägigem Versicherungswissen abstützen. Auch im Verwaltungsrat der neuen «Superaufsichtsbehörde» mit 300 Angestellten und einem Jahresbudget von 95 Millionen Franken mangelt es nicht an Branchen-Know-how. Über langjährige Erfahrung verfügt insbesondere Finma-Vizepräsident Daniel Zuberbühler, der sich jedoch kontinuierlich zurückziehen will. Als zweite Vizepräsidentin figuriert Monica Mächler, vormals Rechstkonsulentin bei Zurich Financial Services und zuletzt Direktorin des Bundesamtes für Privatversicherungen (BPV). Bruno Porro wiederum war während über eines Vierteljahrhunderts in verschiedenen Funktionen für die derzeit krisengeschüttelte Swiss Re tätig.

SEINE MILITÄRKARRIERE
Parallel zu Haltiners beruflichem Aufstieg verlief seine militärische Laufbahn, die ihn zunächst im Schaff­hauser Füsilierbataillon 61 bis zum Hauptmann der Kompanie II/61 führte. Als Kommandanten von «Aanesächzger»-Kompanien dienten seinerzeit auch Hans Vögeli, der ­Finanzchef der Erb-Gruppe und spätere CEO der Zürcher Kantonalbank (ZKB), sowie Urs Oberholzer, Präsident des Bankrats der ZKB. Haltiners Durchmarsch im ­grünen Tenue war damit allerdings noch nicht zu Ende: Über das Kommando des Zürcher Füsilierbataillons 66 empfahl er sich für den Generalstab, wo er zuletzt als Oberst im Stab des vormaligen ­Feldarmeekorps 4 diente.

SEIN PRIVATLEBEN
Eugen Haltiner ist mit der Schaffhauserin Jacqueline Benesch verheiratet. Das Paar lebt in Winterthur und hat zwei erwachsene Kinder: Kathrin und Christoph. In seiner Freizeit betätigt sich Haltiner als Quästor der Krankenpflegeschule Zürich, die vom früheren Stadtzürcher Polizeivorsteher Robert Neukomm präsidiert wird. Im Stiftungsrat des Schweizer Landschaftsschutzes arbeitete er mit Otti Bisang zusammen, dem Bruder von Bellevue-Chef Martin Bisang. Im Stiftungsrat des Fotomuseums Winterthur trifft der oberste Bankenkontrolleur auf Kulturengagierte wie den Winterthurer Mäzen Andreas Reinhart, Verleger Michael Ringier oder Maja Hoffmann aus dem Roche-Clan.

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