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Machtnetz von Didier Burkhalter: Mann der Bälle

Didier Burkhalter

Der neue FDP-Bundesrat Didier Burkhalter ist ein Teamplayer und meidet die Konfrontation. Zur Wirtschaft pflegt er nur indirekt Kontakt.

Von Urs Zurlinden
25.09.2009

Er gilt als liberaler Brückenbauer und Reformer, sucht den Konsens, meidet den Konflikt. Didier Burkhalter aus dem Neuenburger Freisinn war als Couchepin-Nachfolger seit Jahren gesetzt – und zögerte dennoch in letzter Minute: Falls Parteipräsident Fulvio Pelli antrete, liess er die Kantonalpartei wissen, verzichte er. Die Episode belegt: Der 49-jährige Ökonom meidet die Konfrontation, was ihm ein Profil ohne Ecken und Kanten eintrug. In seiner Jugend hörte er als Wettkampfschwimmer auf, weil ihm das Team gefehlt habe. Das fand er als Libero und Mittelfeldspieler bei den Junioren des Fussballclubs Neuenburg Xamax.

Das periodisch erhobene Polit-Rating positioniert ihn regelmässig ziemlich genau in der Mitte der FDP-Fraktion. Seit seiner Wahl in den Ständerat vor zwei Jahren verzichtet er bewusst auf VR-Mandate – die Nähe zur Wirtschaft hätte als Abhängigkeit ausgelegt werden können. Nur für die Buchstabenfolge PPP engagierte er sich bedenkenlos. PPP steht für Private ­Public Partnership, sein Gesellenstück: den Bau der Neuenburger Maladière. Das 2007 eröffnete Uefa-taugliche Stadion mit 12  000 Plätzen wurde in fünf Jahren realisiert. Initiiert hatte das 300-Millionen-Projekt der Architekt Laurent Geninasca. Er ist bis heute eine der wichtigsten Bezugspersonen Burkhalters.

Die Freunde

Seit 25 Jahren hauptberuflich in der Politik – kein Wunder, sind die engsten Vertrauten von Burkhalter im Politumfeld angesiedelt. Personen wie Damien Cottier, auch er Neuenburger und zurzeit Kommunikationschef der FDP Schweiz, dürften bald im Kabinett des neuen Bundesrats auftauchen. Ebenfalls zum engsten Beraterstab, zumindest in der Agrarpolitik, gehören die Nationalräte Laurent Favre, Direktor der Landwirtschaftskammer Neuenburg, und ­Jean-René Germanier, Winzer aus dem ­Wallis. Sehr gut harmonierte Burkhalter mit den Zürchern Ruedi ­Noser und ­Felix Gutzwiller, als es um eine strategische Neuausrichtung der Partei ging. Aber auch FDP-Fraktionschefin Gabi Huber aus der ­Innerschweiz gehört zu seinen Vertrauten.

Burkhalter wurde 1991 als Nachfolger von Claude Frey in die Neuenburger Stadtregierung und 2003 in den Nationalrat gewählt. Beide arbeiteten zusammen im FDP-Zentralsekreta­riat in Bern: Frey als Fraktionssekretär, Burkhalter als Secrétaire ­romand. Francis Krähenbühl, heute Deutschland-Chef des Kabelherstellers Nexans (früher Alcatel), organisierte 2007 für die FDP die Ständeratswahl und damit den erfolgreichen Einzug Burkhalters in die kleine ­Kammer.

Die Gegner

Die Geschichte hinterliess Wunden: 1997 standen in Neuenburg Regierungsratswahlen an. Didier Burkhalter war seit sechs Jahren in der Stadtregierung, als Chef des Polizei- und Infrastrukturdepartements. Ein nächster Karrieresprung lag in Griffnähe, für Schub sorgte Burkhalters wichtigster Förderer, der damalige Nationalrat Claude Frey. Damit geriet Burk­halter mitten in die jahrelang erbittert geführte Fehde innerhalb des Neuenburger Freisinns zwischen den beiden Erzrivalen Frey und Thierry Béguin. Im Machtkampf dieser Clans – auch Béguin politisierte in Bundesbern – wurde der junge Burk­halter aufgerieben und warf schliesslich das Handtuch. Béguin sollte bis im Mai 2005 in der Neuenburger Regierung amten, Burkhalter wollte nie mehr für diesen Posten kandidieren. Keine Freude am neuen Bundesrat hat auch Pierre Bonhôte: Der Sozialdemokrat wurde 2007 von Burkhalter aus dem Ständerat verdrängt.

Die Familie

Sein Privatleben ist tabu. Durchgesickert ist, dass er seine sieben Jahre jüngere Frau während eines Sprachaufenthalts in London kennen lernte. Sie wuchs auf einem Bauernhof in Vorarlberg auf. Loïc, mit 21 Jahren der älteste Sohn, hat nichts mit dem gleichnamigen Eishockey-Stürmer der Rapperswil-Jona Lakers zu tun; wie sein Vater und seine Brüder Nathaniel und Adrien spielte er Fussball bei Neuenburg Xamax. Als Kind wurde Burkhalter vom Grossvater, einem Berufsfischer, geprägt. Vater Eric war Ingenieur bei Longines, dann bei Swiss Timing. Mit 18 durfte Didier nach Algerien mitreisen, machte unerlaubt Fotos und wurde von der Polizei festgehalten.

Die Karriere

Er wollte Journalist werden und unternahm Gehversuche als Redaktor des Westschweizer Wirtschaftsdachverbandes in Genf und bei der FDP Neuenburg. Dann machte ihn François Reber 1986 zum Nachfolger als Sekretär der kantonalen FDP und öffnete so die Tür zur Politik. Jahrelang politisierten die beiden gemeinsam im Kantonsparlament. Reber ist heute Direktor von Finance Active Schweiz, einem europaweit tätigen Finanzsanierer.

Künftig darf der ehemalige Journalist, Politsekretär und Parlamentarier mit Santésuisse-Präsident Claude Ruey, einem freisinnigen Waadtländer, und mit FMH-Präsident Jacques de ­Haller, einem Genfer, die Klingen kreuzen.

Wirtschaftsnetz

Er hat zwar Ökonomie studiert, aber nie eine Firma geleitet. Nach einem Abstecher zum welschen Ableger von Economie­suisse vor 20 Jahren – dort lernte er die Genfer Nationalrätin Martine Brunschwig Graf kennen – hat er die Politik zum Beruf gemacht. Über den Vorstand von PPP Schweiz, einem Verein zur Förderung von Private Public Partnership, hielt er Kontakt zu Rüstungschef ­Jakob Baumann, Guido Grütter, GL-Mitglied der Post, und Niklaus Scheerer, Head Project and Product Development der UBS. Ein anderer Strang ist die Pfadibewegung Schweiz, wo Burkhalter im Stiftungsrat mitmacht. Dort trifft er auf den Aargauer Alt-Regierungsrat Silvio Bircher, Coop-VR, den Chirurgen und FMH-Vizepräsidenten Yves Guisan, die Banker Kurt Mäder (Bank Linth) und ­Claude Scharowski (Julius Bär) sowie auf Verlegergattin Ellen Ringier.

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