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Das vorletzte Tabu

Kaum ein Bereich in unserer Kultur wird derart tabuisiert wie das Geldwesen. In ihrem Pavillon «Geld und Wert – das letzte Tabu» verheisst die Schweizerische Nationalbank an der Expo.02 Remedur – und scheitert kläglich.

Veröffentlicht 31.01.2002

Egal, ob wir uns in Moskau mit einem Soziologieprofessor unterhalten, ob wir einen Software-Ingenieur aus Hyderabad oder einen Obdachlosen in den Strassen von Seattle befragen: Die Schweiz gilt als Zentralort des Geldes. Weltweit und quer durch alle Schichten wird der neutrale Kleinstaat im Herzen Europas mit monetärer Solidität und diskretem Reichtum in Verbindung gebracht. Zuverlässig, wertkonservativ und sicher. Stahlgepanzerte Tresorräume und schallschlu- ckende Schliessfach-Galerien gehören zu den identitätsstiftenden Merkmalen dieser Nation. Vor Toblerone, Swatch und Alpenglühen figurieren noch immer die Banken.

Von der Verschwiegenheit helvetischer Bankiers einmal abgesehen, verdanken die Geldhäuser ihre ungebrochene Anziehungskraft vorab der Stabilität des Frankens. Härter und wertbeständiger als jedes andere Zahlungsmittel ist die Schweizer Valuta zu einem Symbol der wirtschaftlichen und politischen Eigenständigkeit, ja der Widerstandskraft schlechthin geworden. «Pas d’argent, pas de Suisse», textet der Fluxus-Künstler Ben Vautier und nennt damit im Expo-Jubeljahr 2002 – wiewohl wie gewohnt leicht überspitzt – die Identifikation mit dem Mammon beim Namen.

Wo, wenn nicht anlässlich einer Landesausstellung, sollen kulturelle Prägungen hinterfragt werden, stehen nationale Glaubensbekenntnisse und Mythen auf dem Prüfstand? «Geld und Wert – das letzte Tabu» lautet der Aufsehen erregende Titel einer von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit 15 Millionen Franken gesponserten Ausstellung auf der Expo-Arteplage in Biel. Wenn sich eine erzkonservative und hermetisch verschlossene Institution – noch dazu die mächtigste im Land – aus eigenem Antrieb aufrafft, das letzte Tabu zu lüften, darf man zumindest gespannt sein.

«Jeder weiss, was Geld ist. Aber dieses Wissen kann man erschüttern», verheisst der gefeierte Ausstellungsmacher Harald Szeemann (69), der den skandalträchtigen «golden cube» im Auftrag der Währungsbehörde bespielt hat (siehe «Überdimensionaler Goldbarren» auf Seite 99). Im Innern des Nationalbank-Pavillons, einem fensterlosen, mit vier Kilogramm echtem Blattgold überzogenen Kubus, hat der Starkurator mit Wohnsitz in Tegna TI ein Panoptikum des Pekuniären eingerichtet: Auf 1200 Quadratmetern präsentiert uns Szeemann ein Sammelsurium von Gegenständen, die im weitesten Sinne etwas mit Geld zu tun haben: von der Spielmünze über den einarmigen Banditen bis hin zum goldenen Kalb. Was uns der Meister hier mit ultimativer Grandezza vorsetzt, entpuppt sich allerdings schon auf den zweiten Blick als ein relativ fantasieloses, stark persönlich gefärbtes Raritätenkabinett. Das museale Kunterbunt enthalte kaum Neues, monieren denn auch mit dem Thema vertraute Kritiker. Die gross angekündigte Enthüllungsschau bleibt weitgehend apolitisch und banal. Statt aufklärerisch zu wirken, scheint sie vorab der Selbstbespiegelung ihres zum Genius verklärten Machers zu dienen.

Herzstück der Bieler Kunstgeld-Schau bildet ein einarmiger Geldvernichtungsautomat, eine Installation des Künstlers Max Dean, die Szeemann in leicht abgeänderter Funktion bereits 1999 an der Biennale in Venedig gezeigt hat. Im Zeitlupentempo greift der an eine Zahnarztpraxis gemahnende Roboter nach ausrangierten Hunderternoten, hält diese für einen kurzen Moment in die Luft und lässt sie nach einer unbarmherzigen Drehung im Stahlgelenk zwecks Vernichtung in einen Papier-Shredder fallen. Präzise, perfekt und pausenlos. Während 159 Expo-Tagen werden auf diesem Weg pro Minute zwei Noten im Wert von jeweils 100 Franken in feine Streifen zerschnitten und damit mutwillig zerstört. Bei einer mittleren Laufzeit von zehn Stunden pro Ausstellungstag beläuft sich die symbolische Wertvernichtung auf gegen 20 Millionen Schweizerfranken. Kaum zu glauben. Unverschämt? Skandallös!

«Um neue Werte zu kreieren, braucht es die Zerstörung», erklärt Szeemann den von manchem Expo-Besucher tatsächlich als schockierend erlebten Vorgang. «Diese Ambiguität, dass die Zerstörung von Geld dessen Wert erhält, hat mich fasziniert.» Doch gemach: Was wird hier in Biel vor den Augen des Publikums eigentlich vernichtet? Scheingeld, Blüten oder bedrucktes Papier? Um zu verhindern, dass ein Anreiz für einen Diebstahl oder gar einen Überfall und damit ein potenzielles Sicherheitsrisiko für die Pavillonbesucher entstehen könnte, hat die Nationalbank rigorose Sicherheitsauflagen gemacht. Nicht genug, dass die hinter gewölbtem Panzerglas zerstückelten Hunderternoten aus einer abgelaufenen Serie stammen (Sujet: Borromini). Um das Restrisiko auf ein Minimum zu beschränken, wurde der Betrag der von Rechts wegen noch als Zahlungsmittel verwendbaren Noten von der SNB zusätzlich auf 30 000 Franken pro Tag limitiert. Im Klartext: Drei Viertel der vor den Augen des Publikums vernichteten Scheine wurden im Keller der SNB vorgängig auseinander geschnitten, um zwei Prozent verkürzt und sorgsam mit der Hälfte einer anderen, ebenfalls zerschnittenen Hunderternote wieder zusammengeklebt. Jeder der so präparierten Scheine trägt mithin zwei verschiedene Nummern und ist unmerklich kürzer als ein unpräpariertes Exemplar, was von weitem selbstverständlich nicht zu erkennen ist. Als zusätzliche Vorsichtsmassnahme wurde jedes für die Performance freigegebene Stück von der Behörde als «Ohne Wert» gestempelt. Sicher ist sicher.

Mit anderen Worten: Die demonstrative Schredderei von aus dem Verkehr gezogenen und eigens manipulierten Banknoten gaukelt den staunenden Expo-Besuchern nur Wertzerstörung vor. Derweil darf jeder wissen, der sich dafür interessiert, dass die Nationalbank alljährlich beinahe 100 Millionen Banknoten aus dem Verkehr zieht, routinemässig in ihren Kellergewölben schreddert und zu einem unappetitlichen Brei verflüssigt, den man anschliessend zwecks Verbrennung austrocknen und in wurstförmige Bricketts pressen lässt. Im «Verdauungstrakt» des Pavillons versäumt es Szeemann denn auch nicht, den Vater der modernen Psychoanalyse, Sigmund Freud, zu zitieren: «Am ausgiebigsten» erschienen schon jenem «die Beziehungen, welche sich zwischen den anscheinend so disparaten Komplexen des Geldinteresses und der Defäkation ergeben».

Von der Geldschöpfung – dem eigentlichen Tabuthema – ist in der Ausstellung kaum etwas zu sehen. Dieses zentrale Phänomen, das die Menschheit seit dem Altertum beschäftigt, bleibt in Biel weit gehend ausgeklammert. Stellvertretend und in anekdotischer Form lässt Szeemann in der Abteilung «Archaische Wertschöpfung und Kapitalismuskritik» wenigstens den Guru des radikalen Widerspruchs, Marcel Duchamp, zu Wort kommen. Duchamp, so wird an jener Stelle kolportiert, soll seinen Zahnarzt einst mit einem Check bezahlt und ihm den Rat gegeben haben, den Check nicht einzulösen, sondern zuzuwarten, bis das handsignierte Stück Papier als Kunstwerk anerkannt sei und den darauf vermerkten Betrag folglich bei weitem übertreffe. Einen vergleichbaren Geniestreich vollbrachte mit der Kapitalisierung seines Atems und seines in Büchsen abgefüllten Stuhlgangs («Merda d’artista») auch der Italiener Piero Manzoni – laut Einschätzung des Ausstellungsmachers «das prägnanteste Beispiel für eine Wertschöpfung aus dem Nichts».

Wer nach Reformansätzen zur herrschenden Währungsordnung fahndet oder auf Alternativen und Denkanstösse für ein zukunftsfähiges Geldsystem hofft, wird von der als Tabubruch angekündigten Ausstellung derweil bitter enttäuscht sein. Ausgerechnet zu den strittigsten und wohl auch fruchtbarsten Diskussionspunkten, welche die Utopie einer gerechteren Finanzarchitektur betreffen, schweigen sich die Notenbank und der von ihr beauftragte Präsentator hartnäckig aus. Luzides oder gar Aufrührerisches zu den politisch hoch brisanten Problemkreisen von geldpolitischer Machtausübung, Kontrolle und Aufsicht sucht man im Pavillon der Monopolbehörde vergeblich. In Gestalt einer verschämten Fussnote, die er nicht wegzulassen wagte, hat Szeemann zur drängenden Grundsatzfrage rund um die Organisation des Geldwesens in einer Glasvitrine wie zufällig ein unkommentiertes Exemplar von Silvio Gesells «Die natürliche Wirtschaftsordnung» ausgelegt, neben einigen hingestreuten Broschüren zum Thema «Freigeld» und einem Computerausdruck im A4-Format über das «Talent-Experiment» in der Schweiz.

Nicht nur beim Vernichten von präparierten Geldscheinen, auch in intellektueller Hinsicht erweisen sich die Währungshüter im Expo-Jahr als überaus risikoavers. Dabei hatte es ursprünglich – in der «Ideenküche» von Pipilotti Rist – durchaus viel versprechende und auch mutige Ansätze zum Thema gegeben. In den Augen der Video-Künstlerin aus dem Rheintal war nämlich von Anfang an klar: Für die Schweiz und ihre Bewohner ist Geld eines der ganz grossen Themen. Entsprechend prominent – vor allem aber auch diskussionsanregend und frei von überkommenen Klischees – sollte der symbolschwere Gegenstand an der Expo.01 umgesetzt werden. Auf Initiative der für ihre Zeitgeist-Assemblagen weltweit gefeierten Künstlerin wurde im Herbst 1997 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, mit dem erklärten Ziel, ein Projekt zu erarbeiten, das einerseits Substanz hat, das anderseits aber, ohne falschen Respekt, durchaus auch ein bisschen weh tun darf.

In einer Materialsammlung mit dem Titel «Information, Geld, Wert» trugen in der Folge die beigezogenen Geldexperten Bruno Jehle (Aarau) und Daniel Wiener (Basel) einen Strauss von unkonventionellen Ideen, Denkansätzen, Teilprojektskizzen und themenspezifischen Umsetzungskonzepten zusammen. Unter anderem wurde darin auch angeregt, Geldschöpfung anlässlich der Landesausstellung als individuelles, sinnliches Ereignis erfahrbar zu machen. Jeder Expo-Besucher, so der Vorschlag, hätte die Möglichkeit erhalten, durch Auflegen seiner rechten Hand auf einen Scanner sein eigenes Geld zu prägen. Herausgekommen wäre dabei eine Art Sondermünze, die entweder auf dem Expo-Gelände in Waren und Dienstleistungen umgesetzt oder aber als persönliches Souvenir gehortet und nach Hause hätte getragen werden können. Im Unterschied zum gängigen Monopolgeld, das seinen Wert einzig aus dem kollektiven Glauben in eine staatliche Autorität, die Nationalbank, bezieht, hätte das Prägen von Individualgeld mit Sicherheit zahlreiche Fragen aufgeworfen und bei den Expo-Besuchern verschiedenste Emotionen – Zustimmung, Kopfschütteln oder Ängste – ausgelöst.

Der provokative «Gedanken-Steinbruch» (der BILANZ vorliegt) wurde von der künstlerischen Direktorin alsbald auch dem ihr persönlich bekannten Harald Szeemann und der SNB als potenziellem Projektsponsor überreicht. Am 10. September 1998 fand in der Zürcher SNB-Niederlassung dann eine Sitzung zwischen Nationalbank-Exponenten, dem Starkurator aus Tegna und der bezüglich Vernetzung – zumindest bei diesem Projekt – äusserst geschickt agierenden Vorgängerin von Martin Heller statt. «Pipilotti verkaufte der Nationalbank das Thema und den Kurator als Paket», erinnert sich ein Insider. Herr Szeemann «amalgiert die Grundsätze der Expo mit den Interessen der SNB», heisst es dazu im Sitzungsprotokoll. Ausserdem wird die Materialsammlung von Jehle und Wiener darin explizit als «Basisdokument der weiteren Projektentwicklung» aufgeführt.

An dieses Faktum wie auch an die gesamte Vorgeschichte des Projekts wollen sich die Währungshüter, nachdem die künstlerische Direktorin per Ende 1998 zurückgetreten war und die Expo kurze Zeit später um ein Jahr verschoben wurde, heute allerdings nicht mehr erinnern. Eine Inspiration durch besagte Dokumentation, und sei es auch nur in Ansätzen, habe nie stattgefunden, behaupten die SNB-Verantwortlichen. Um die geistige Urheberschaft der Bieler Geldshow tobt deshalb seit Monaten ein erbitterter Kleinkrieg. «Es wird wohl niemand bestreiten, dass die Grundlage zu diesem Projekt eine Idee und eine Materialsammlung ist, welche ich auf Einladung von Pipilotti Rist eingebracht habe», ärgert sich der Geldexperte und Systemberater Bruno Jehle aus Aarau. Und Mitautor Daniel Wiener, der in Basel ein auf Nachhaltigkeitsanalysen spezialisiertes Beratungsunternehmen führt, pflichtet ihm bei. Auch Wiener beteuert, dass es in der Entwicklungsgeschichte des Projekts zu keinem Bruch gekommen sei: «Unser Dossier wurde von Szeemann nahtlos weiterentwickelt.»

Bezeichnend ist es allemal, wie humorlos die SNB auf den Anspruch der beiden Projektpioniere auf gebührende Erwähnung reagiert. In einem Brief an den neuen künstlerischen Direktor, Martin Heller, datiert vom 25. Februar, sieht sich die Monopolbehörde bemüssigt, «sowohl der Expo wie auch Harald Szeemann jede Erwähnung einer entsprechenden Autorschaft zu verbieten». Nicht einmal im Vorwort zum Ausstellungskatalog sollte das Vorprojekt ursprünglich verdankt werden dürfen: Die von Szeemann vorgeschlagene Kompromissformel sei «inakzeptabel», reklamierten seine Geldgeber, «weil sie zu Unrecht eine prominente Mitwirkung bei der Genese unseres Projekts suggeriert».

Wenn jemand beim Thema «das letzte Tabu» sein Veto einlegt, wirkt dies allein schon reichlich kurios. «Mit einem Verbot schafft man Vergangenheiten, und hatten sie auch nur peripher miteinander zu tun, nicht aus der Welt», versucht sich Szeemann, dem die starre Haltung seiner Auftraggeberin zunehmend peinlich zu werden scheint, von dieser freizuschwimmen. Im kulturellen Bereich sei es «nun mal Brauch, dass man die Arbeit anderer erwähnt», liess er die renitente Behörde Anfang März in einem E-Mail wissen. «Bei der Überlappung von Projektbearbeitungen, wie sie hier vorliegt», schrieb der 69-jährige Kuratoren-Doyen weiter, «sollte man die Grösse aufbringen, dies auch zuzugeben.»

Weitaus versöhnlicher tönte es anlässlich der Pavilloneinweihung Anfang Mai: «Ohne Freiheit von allen Seiten wäre das alles nicht möglich gewesen», schwärmte Szeemann vor versammelten Medien. Und: «Ich hoffe, dass diese Ausstellung zu einer ungeheuren finanzpolitischen Transparenz beiträgt.» Trotz vielfältiger Einschränkungen seitens des Auftraggebers preist der Ausstellungsmacher die Tatsache, dass die Routine der Geldzerstörung anlässlich der Expo.02 erstmals öffentlich gemacht werde, als grosse Innovation. «Das Ganze war nur möglich, weil die SNB nicht nur als Geldgeberin, sondern auch als Partizipantin des Projekts in Erscheinung tritt», lobt der weit gereiste Szenograf. «Das ist in der Geschichte des Sponsorwesens einmalig.»

Einmalig dürfte auch die Gage sein, die sich Szeemann von der SNB für seine doch etwas lasch geratene Geldrecherche überweisen liess: 350 000 Schweizerfranken. Obschon sich sein Engagement insgesamt über vier Jahre erstreckt hat, dürfte der von vielen als unbestechliche Kunstautorität verehrte Berner, auf die Arbeitsstunde heruntergerechnet, ein Mehrfaches dessen verdient haben, was die höchsten Funktionäre der Nationalbank nach Hause tragen. Dass die Direktoriumsmitglieder vom Steuerzahler nicht eben knapp gehalten sind, ist bekannt.

«Kunst und Nationalbank haben, wer wollte es leugnen, durchaus das Potenzial, aneinander zu geraten», liess SNB-Präsident Jean-Pierre Roth anlässlich der Eröffnung präventiv durchblicken. «Unsere Ausstellung wird zweifellos Diskussionen und freundliche und weniger freundliche Kommentare absetzen», stellte der Romand prophetisch in Aussicht. «Wir sind auf jegliche Provokation vorbereitet, solange sie intellektueller Natur ist.»

Die Verteidigungshaltung des höchsten Notenbankers spricht Bände. Die im SNB-Pavillon vorgestellten Denkkonserven und Bilder weisen überwiegend historische Bezüge auf und erscheinen inhaltlich rückwärts gewandt. Sie sind in ihrer Mehrzahl männlich, haben – bildlich gesprochen – einen langen weissen Bart und werden distanziert, gleichsam durch eine dicke Scheibe aus Sicherheitsglas betrachtet. Dabei scheint heute eine wachsende Zahl von Individuen zu realisieren, dass es mit dem herkömmlichen System so nicht mehr lange weitergehen kann. Kaum einer wagt es jedoch, das Neue auch nur zu denken, geschweige denn öffentlich zu äussern. Die Landesausstellung hätte hierfür eine optimale Plattform geboten, zumal es – wie auch die Nationalbank korrekterweise festhält – «von Anfang an erklärtes Ziel der Expo war, mit einer lebhaften Wertediskussion in das neue Jahrtausend aufzubrechen.»

Bruno Jehle spricht von einem «Wachsfigurenkabinett», das die Sachzwänge einer Gesellschaft spiegle, welche die Kraft zur Gestaltung ihres Geldwesens nicht mehr aufbringt: «Was man in diesem Pavillon sieht, hätte Mitte des letzten Jahrhunderts gezeigt werden können.» Fest steht, dass mit der Ausstellung in Biel eine einzigartige Chance verspielt worden ist – die Gelegenheit, über die Expo hinaus eine breite Diskussion über das Mögliche und Wünschbare im Geldwesen zu eröffnen. Ein mutigeres Anpacken dieser Chance hätte im besten Fall dazu beitragen können, dass die Schweiz über ihr angestammtes, von diskreter Zurückhaltung und Solidität geprägtes Image hinauswächst. Und somit nicht mehr nur als profitabler Finanzplatz, sondern auch als offener Denkplatz für Fragen des Geldes brilliert.

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