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Kowalskys Crashtest: Google ganz Ohr

Crashtest: Google Home ist noch nicht wirklich nützlich, macht aber jetzt schon Spass – für Paranoiker freilich ungeeignet.Quelle: Felice Bruno

Fragen beantworten, Aufgaben erledigen, Geräte steuern: Google Home versucht sich als Flaschengeist.

Marc Kowalsky
Von Marc Kowalsky
22.12.2017

Erinnern Sie sich noch an Siri? Als Apple 2011 den smarten Sprachassistenten vorstellte, war er eine Sensation: Erstmals konnte man mit einem Computer reden - beinahe - so wie mit einem Menschen, erstmals beantwortete er Fragen in natürlicher Sprache, erstmals war künstliche Intelligenz nutzbar für jedermann. So und nicht anders würde die Computer-Zukunft aussehen.

Mit Siri ist seither nicht mehr viel passiert, Pionier Apple hat seinen Vorsprung verspielt. Aber das Konzept hat sich durchgesetzt, noch mehr im Wohnzimmer als in der Hosentasche. Dank Amazon: Schätzungshalber 30 Millionen seiner intelligenten Lautsprecher «Echo» dürften inzwischen verkauft worden sein. 

Warten auf das Codewort

Nun zieht Google nach: «Google Home» ist ein grauer Kunststoffmonolith, dessen dezente Optik sich gut in die Stube einfügt. Wer mehr Pep will, kann farbige Lautsprecherbezüge dazukaufen. «Ok, Google» als Ansprache kommt mir weniger natürlich über die Lippen als «Siri» oder «Alexa», aber auch bei Umgebungslärm oder lauter Musik verpasst der Assistent seinen Einsatz so gut wie nie. Dies, weil er permanent mitlauscht und auf sein Codewort wartet. Das in dieser Zeit Gehörte würde nicht ausgewertet, verspricht der Suchmaschinenkönig, und mittels Schalter auf der Geräterückseite kann man das Mikrofon auch ausstellen. Aber wer sowieso schon Angst hat vor Googles Wissensdurst, der sollte des Seelenfriedens willen den smarten Lautsprecher gar nicht erst aufstellen. 

Drei Dinge kann Google Home: Fragen beantworten, Aufgaben erledigen sowie andere Geräte steuern. Die Antworten auf allgemeine Wissensfragen («Wie heisst die Hauptstadt von Burkina Faso?») googelt sich das System – wenig überraschend - aus dem Internet zusammen und gibt sie mit einer mechanisch tönenden Stimme aus, die so unnatürlich wirkt wie auf alten Navigationsgeräten. 

Mühe mit den Fremdsprachen

Mit Fremdsprachen hat Google Home Mühe. «Ok, Google, wer war Albert Camus?» lässt ihn ratlos, aber spricht man es deutsch aus («Ok, Google, wer war Albert Kamuss?») kommt prompt die Antwort: «Albert Kamuss war ein französischer Schriftsteller und Philosoph...» Da ist es mit der künstlichen Intelligenz noch nicht so weit her. Weil Google Home noch nicht offiziell in der Schweiz lanciert wurde, ist auch sonst vieles deutsch: Die Nachrichten etwa kommen vom Deutschland-Funk. Immerhin kennt das System die Apotheken in meinem Wohnort oder das nächste Chinarestaurant. Was noch komplett fehlt, sind Wegbeschreibungen oder Zugverbindungen. 

Wer Googles Kalender benutzt, kann sich die Einträge vorlesen lassen (aber noch keine hinzufügen). Klasse ist die Fähigkeit, das Smart Home zu steuern – meine Philips Hue-Lampen etwa schalten sich nun auf Zuruf ein. Auch Radio und Musik – etwa von Spotify – spielt Google Home, die Qualität des (Mono-)Lautsprechers dabei ist allerdings mässig. 

«Ich lerne noch»

Immerhin kann, wer einen Chromecast hat, den Ton auf die Stereoanlage beamen. Auf die gleiche Weise startet Google Home auch Youtube-Videos oder Netflix-Serien auf dem TV. An den Funktionsumfang von Marktführer Alexa kommt Google Home aber noch nicht heran. Doch wie die Roboterstimme jedesmal sagt, wenn sie nicht weiterhelfen kann: «Ich lerne noch». 

Fazit: Noch ist Google Home ein Produkt für Early Adpoters. Bis es wirklich nützlich ist, wird es noch Zeit brauchen – Spass macht es jetzt schon. Für Paranoiker freilich ist der Lautsprecher ungeeignet.

Google Home
Info: store.google.com/de/product/google_home
Preis: 199 Franken bei Digitec.ch 

Bewertung: ★★★★☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

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