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Kowalskys Crashtest: Mit KI gegen Kalorien

Kowalskys Crashtest Vi Trainer

Begleitung auf dem Laufband: Der VI Trainer ist ein virtueller Jogging-Coach.

Quelle: Felice Bruno für BILANZ

Der Vi Trainer soll den Jogging-Coach ersetzen. Die Idee ist gut, die Umsetzung mangelhaft bis unredlich.

Marc Kowalsky
Von Marc Kowalsky
19.02.2019

Eigentlich bin ich recht sportlich: zweimal die Woche Krafttraining, drei- oder viermal eine Stunde auf dem Crosstrainer, gelegentlich Joggen oder Tischtennis. Dummerweise sieht man mir das überhaupt nicht an. Und nach den Weihnachtstagen naturgemäss erst recht nicht. Da kommt der Vi Trainer gerade recht.

Der Vi Trainer ist ein virtueller Jogging-Coach oder, anders formuliert, die Funktionen einer Sportuhr, gepaart mit künstlicher Intelligenz (KI) und in einen Ohrhörer gepackt. Sechs Ziele stehen zur Auswahl, etwa Gewichtsverlust, schneller laufen oder die Fitness verbessern. Die KI analysiert das Laufverhalten (Puls, Kadenz etc.), bastelt daraus einen individuellen Trainingsplan und gibt während des Laufens Instruktionen, Tipps und Motivationssprüche. Nur in Englisch, dafür mit recht angenehmer Frauenstimme.

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Zwischen Kinderpsychologin und Drill Sergeant

Ihre Anweisungen schwanken in der Tonalität zwischen Kinderpsychologin und Drill Sergeant. Das Ganze ist mit Musik unterlegt – wem die vorgegebene Auswahl zu Hip-Hop-lastig ist, der kann auch Spotify im Hintergrund laufen lassen. Leider stoppten meine Playlists dabei immer mal wieder. Die schweiss- und regendichten Ohrhörer selber stammen von der Edelmarke Harman Kardon und bieten gute Tonqualität.

Vi Trainer

Vi Trainer: Durch Sprachbefehle können Laufparameter abgefragt werden.

Quelle: ZVG

Durch Sprachbefehle («Vi, how am I doing»?) können Sie einige Laufparameter abfragen, wobei Vi leider an Schwerhörigkeit zu leiden scheint. Weil das Gerät kein GPS hat, muss man das Smartphone beim Training am Körper tragen, für genauere Ergebnisse sogar auf dem Laufband. Das ist ein Anachronismus für jeden, der sich an eine Sportuhr gewöhnt hat. Dennoch hat mein Testgerät nicht erkannt, wenn ich in Sprintphasen auf dem Laufband bewusst erst verlangsamt und dann ganz pausiert habe – und mir stattdessen fröhlich zu meinem Effort gratuliert.

107 Franken jährlich kosten die Dienste des virtuellen Lauftrainers – wenig im Vergleich mit einem Personal Coach, viel für eine App. Das erste Jahr sei gratis, wirbt Vi auf ihrer Website und auf der Verpackung. Doch tatsächlich wurde mir der Betrag bereits nach einer Woche abgebucht. Der Hersteller spricht von einem «selten auftretenden» Problem, das jedoch – Kundenbewertungen zeigen es – seit langem bekannt ist. Und nach der Installation ist auch in der App nur noch die Rede von einem «7-Day Trial». Für mich ist das Betrug.

Fazit: Egal wie gut oder schlecht die Ohrhörer tönen, egal wie schlau oder dumm die KI ist: Ein Produkt, das den Käufer offensichtlich bewusst über den Tisch zieht, kann ich nicht empfehlen. Finger weg vom Vi Trainer!

Vi Trainer
Info: vitrainer.com
Preis: 199 Fr. +107 Fr. pro Jahr

Bewertung: ★☆☆☆☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★cool ★★★★★wegweisend