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Kowalskys Crashtest: Auf den Zahn gefühlt

Kowalskys Crashtest Oral-B Genius 10100 S
Quelle: Felice Bruno für BILANZ

Die Oral-B Genius 10100 S will jetzt auch die Zahnpflege digitalisieren. Das geht nicht gut.

Marc Kowalsky
Von Marc Kowalsky
05.01.2019

Zähne putzen ist bei mir noch immer ein sehr analoger Prozess: Zahnpasta auf die Bürste, nach Bauchgefühl ungefähr zwei Minuten schrubben, spülen, fertig. Das hat sich in den letzten vierzig Jahren nicht gross geändert. Oral-B (gehört zum US-Konzern Procter & Gamble) will nun die Digitalisierung auch in die Mundhöhle bringen und lanciert zum stolzen Preis von 365 Schweizer Franken die Genius 10100 S, eine Zahnbürste mit App-Unterstützung.

Die Genius basiert auf einem Bürstenkopf, der gleichzeitig rotiert, pulsiert und oszilliert. Und das so heftig, dass sie im Betrieb ziemlich laut ist und jegliche Zahnpasta sofort wegschleudert. Sechs verschiedene Reinigungsprogramme lassen sich einstellen, vom Aufhellen bis zur Zungenpflege. Ein Durchgang dauert zwei Minuten und wird von der App mitprotokolliert.

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Sinnvolle Andruckkontrolle

Sinnvoll ist die Andruckkontrolle: Geben Sie zu viel Druck auf das Zahnfleisch, leuchtet ein LED-Ring am Gerät rot auf, und die Bürste fährt einen Gang herunter. So soll Zahnfleischbluten vermieden werden. Der Akku der Genius hält etwa zwei Wochen, das mitgelieferte Reiseetui dient auch als Ladestation.

Die Bürste speichert die Daten der letzten 30 Sessions, zudem können Sie Ihre Zahnputzaktivitäten in einem PDF protokollieren lassen – wen um Himmels willen soll das denn interessieren? Und dass Ihre Daten dabei mit Google Analytics geteilt werden, weckt bei mir kein Vertrauen.

Oral-B Genius 10100 S
Oral-B Genius 10100 S: Die Bürste speichert die Daten der letzten 30 Sessions.
Quelle: ZVG

Quadranten-Analyse

Den Preis der Genius rechtfertigt Oral-B auch mit der «einzigartigen Positionserkennungs-Technologie»: So will die Genius mit Hilfe der Smartphone-Kamera analysieren, welche Quadranten des Mundes Sie bei der Zahnpflege vernachlässigen.

Dazu müssen Sie einen massiven Handyhalter mitten auf dem Badezimmerspiegel fixieren. Das Festklemmen des Smartphones dort hinein ist dann jedes Mal ein Kraftakt. Alternativ können Sie das Smartphone auch auf die Ladestation der Zahnbürste stellen. Mal abgesehen davon, dass sogar ich als Technikfreak es sehr seltsam finde, mir beim Zähneputzen vom Handy in den Mund schauen zu lassen: Die Funktion ist höchst fehlerhaft, zeigt immer mal wieder die falschen Quadranten an oder noch viel häufiger gar nichts. Irgendwann behauptet die App, man sei gar nicht mehr da, und beendet den Vorgang – auch wenn Sie weiterhin brav mit Schaum vor dem Mund am Spiegel stehen.

Fazit: Unnötig, unausgereift, unbrauchbar – wenn Sie richtig Zoff wollen, dann schenken Sie die Oral-B Genius 10100 S Ihrem oder Ihrer Liebsten.

Oral-B Genius 10100 S
Info: www.oralb.de
Preis: 364.90 Franken

Bewertung: ★☆☆☆☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★cool ★★★★★wegweisend

Dieser Text erschien in der Januar-Ausgabe 01/2019 der BILANZ.