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Eine sinnvolle Linie finden

Politische und immer mehr auch amtliche Seiten versuchen mit allen Mitteln, in der Schweiz die Mobilität zu verteuern.
Politische und immer mehr auch amtliche Seiten versuchen mit allen Mitteln, in der Schweiz die Mobilität zu verteuern.

Dem Schweizer Automobilisten droht die Verdoppelung seiner Kosten für den Individualverkehr. Die Autobranche wehrt sich gegen die Abzockerei. Sie will in Zukunft pragmatische Lösungen.

Von Markus Köchli
03.03.2011

Die Auflistung macht keine Freude: Erhöhung des Treibstoffzolls um 10 Rappen, Verteuerung der Autobahnvignette von heute 40 auf neu 100 Franken, zusätzliche CO?-Abgabe von zirka 20 Rappen pro Liter Treibstoff, Verdoppelung der Automobilsteuer von 4 auf 8 Prozent und ein CO?-Grenzwert von 130 Gramm pro gefahrenen Kilometer ab dem Jahr 2015. Zudem drohen das Road Pricing und - noch drastischer - die VCS-Initiative, die den Treibstoff staatlich zusätzlich um 80 Rappen pro Liter verteuern möchte. Selbst bei sehr viel Verständnis für Umweltanliegen stellt man sich als Schweizer Automobilist die Frage: Muss man sich gefallen lassen, dass das Autofahren in unserem Land doppelt so teuer wird?

Ein Rechenbeispiel von auto-schweiz, der Vereinigung der Auto-Importeure, lässt wenig Gutes erahnen. Rechnet man für einen VW Golf 1.4 Liter TSI - das meistverkaufte Auto in der Schweiz - bei einer Jahresleistung von 15 000 Kilometern die Kosten für Motorfahrzeugsteuer, Autobahnvignette, Klimarappen, Mineralölsteuerzuschlag, Mineralölsteuer und Automobilsteuer (4 Prozent) zusammen, so belaufen sich die Abgaben an den Staat heute auf 1972 Franken. Amortisations-, Treibstoff-, Reifen, Versicherungs- und Servicekosten sind hier nicht enthalten. Würde die «grüne Komplettvariante» von der Wunschliste zur Realität, schnellten die Betriebskosten für den Golf, so auto-schweiz, auf 4357 Franken in die Höhe.

Das ist eindeutig zu viel, geht in Richtung Diskriminierung, Geringschätzerei, ja - wie die Autobranche meint - Abzockerei. Zumal die Autofahrer bereits heute vollumfänglich für die Kosten der Strasse aufkommen. Der private Motorfahrzeugverkehr dürfe nicht mehr länger Milchkuh und Selbstbedienungsladen der Nation sein, wehrt sich auto-schweiz. Und verweist auf die Wichtigkeit des Individualverkehrs, dessen Marktanteil bei hohen 85 Prozent liegt. Ohne das Auto ging nichts mehr in der Schweiz, geschweige denn ohne Nutzfahrzeug. Zudem wäre der öffentliche Verkehr, immer wieder in Umsteige-Kampagnen propagiert, kaum in der Lage, einen bedeutenden Teil des Strassenverkehrs zu übernehmen.

Natürlich, im politischen Prozess wird die eine oder andere Forderung weniger heiss gegessen, als sie heute auf der Traktandenliste steht. Dass sich die Autobranche gegen Begehrlichkeiten wehrt und Gegensteuer zu geben versucht, ist ob der Wichtigkeit des Individualverkehrs legitim. Dabei darf nicht vergessen werden, dass in vielen Gegenden dem Auto eine andere Bedeutung zukommt als in urbanen Gebieten. Denn in den Randregionen zirkuliert nicht alle 20 Minuten eine S-Bahn.

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