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Bezahldienst 
Apple Pay: Kontaktlos erfolglos

ApplePay
Einfach hinhalten: Was bei Apple Pay als Vorteil gilt, funktioniert seit 2014 in der Schweiz auch bei der Kredit- und der Debitkarte.Quelle: Reuters

Der Tech-Riese Apple kommt in der Schweiz mit seinem Bezahldienst nicht vom Fleck. Er ist zu teuer und findet keine Anhängerschaft.

Philipp Albrecht
Von Philipp Albrecht
08.07.2018

Der Boost-Effekt von Apple-Produkten sucht in der Welt der Mediennutzung seinesgleichen. iTunes hat die ­Musikindustrie das Fürchten gelehrt, das iPhone hat die Etablierung von Smartphones gepusht, und die Apple Watch hat die Entwicklung von intelligenten Uhren vorangetrieben. Doch mit der Bezahlfunktion Apple Pay will das nicht recht gelingen.

In der Schweiz ist die Nutzung besonders fahl. Zwei Jahre nach der Lancierung beeindruckt Apple Pay weder Kredit­kartenherausgeber noch Banken. 

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Fünf Anbieter mit Apple Pay

Zur ­Nutzung gibt es keine seriösen Zahlen. Bislang bieten nur fünf kleine bis mittlere Anbieter ihre Kundschaft die Möglichkeit, die Kreditkarte mit Apple Pay zu koppeln.

Darunter Cornèrcard und Swiss Bankers mit ihren Prepaid-Karten. Man sei zufrieden mit der «Entwicklung der Anwendung von Apple Pay», teilt eine Cornèrcard-Sprecherin mit, Zahlen nennt sie aber keine. Die anderen angefragten Kredit­kartenfirmen bleiben eine Antwort schuldig.

Geringer Marktanteil

Eine Umfrage der Nationalbank zeigt, dass Bezahl-Apps in der Schweiz bisher ­einen Marktanteil von vernachlässigbaren 0,3 Prozent erreichen.

Das hat auch mit der Cembra Money Bank zu tun. Das Zürcher Kreditinstitut gibt im Auftrag der Migros die Cumulus-Mastercard heraus. Sie ist mit rund 700 000 Kunden die meistbenutzte Kreditkarte im Land. Cembra hat zwar Samsung Pay aufgenommen, nicht aber Apple Pay.

Offiziell wird das von Cembra mit einer «bescheidenen Nachfrage» begründet. Experten verweisen auf die sehr hohe Kommission, die Apple verlangt. Während sich kleinere Kartenabieter Apple fügen, weil sie sich von diesem Service viele Neukunden er­hoffen, haben es die grossen nicht nötig. Das ist nicht nur in der Schweiz so.

Cembra-Chef Robert Oudmayer
Cembra-Chef Robert Oudmayer glaubt nicht an Apple Pay als wegweisende Bezahl-App.
Quelle: Keystone

«Dem Gewinner anschliessen»

«Wir halten uns mit unserem Kundenstamm für einen attraktiven Partner und werden uns dem Gewinner anschliessen», sagte Cembra-Chef Robert Oudmayer kurz nach dem Apple-Pay-Start zur «Finanz und Wirtschaft».

Mit «Gewinner» meint er einen möglichst grossen Anbieter, der eine humane Kommission verlangt. Google Pay, das im Februar lanciert wurde, könnte so einer sein, heisst es in der ­Branche. Noch wurde aber kein Schweiz-Start terminiert.

Es herrscht Verunsicherung

Derweil steigt die Konfusion im Detailhandel. Viele Konsumenten fragen sich, wo man womit bezahlen kann. Postcard, Maestro, Kreditkarte, Twint oder bar? Kontaktlos oder nicht? Und warum muss man hier den PIN-Code eingeben und dort nicht? Kommt dazu, dass erste Läden kein Papiergeld mehr annehmen.

Beispielhaft dafür ist die Schweizer ­Optikerkette VIU, die an ihren 35 Verkaufsstellen kein Bargeld mehr akzeptiert. Einzig Maestro und Kreditkarten funktionieren bis dato. Apple Pay werde man in absehbarer Zeit aufschalten, sagt Mitgründer Peter Kaeser. Dies, obwohl bislang kaum jemand danach fragte.

Viel lieber als ihr Handy halten die Kunden ihre Karte ans Terminal, stellt Kaeser fest: «Wir spüren, dass sich das kontaktlose Bezahlen mit der Kreditkarte inzwischen etabliert hat.» Zwei Drittel aller Kredit- und Debitkarten sind bereits mit der dafür nötigen NFC-Technologie ausgestattet. Für Apple wirds nicht einfacher.

Viu-Mitgründer Peter Kaeser
Mitgründer Peter Kaeser: VIU akzeptiert an den 35 Verkaufsstellen kein Bargeld mehr.
Quelle: Keystone