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Meinung

Den Armen nehmen, den Reichen geben

Zölle, Schulden und grosszügige Geldpolitik bewirken eine Umverteilung von unten nach oben.

Adriel_Jost

Adriel Jost

<p>«Gesellschaftliche Stabilität ist kein Naturgesetz», schreibt Ökonom Adriel Jost.</p>

«Gesellschaftliche Stabilität ist kein Naturgesetz», schreibt Ökonom Adriel Jost.

Bilanz

Was ist eine gerechte Wirtschaft? Niemanden stört es, wenn jemand durch grossen Einsatz oder eine innovative Idee zu hohem Einkommen und Vermögen gelangt. Für Unruhe sorgt hingegen, wenn sich leistungsfähige Personen ungerechtfertigt bereichern – also zu Geld kommen, ohne eine entsprechende Leistung zu erbringen. Das gilt für Sozialbetrüger. Das gilt ebenso für Manager, die von risikolosen Boni und Abgangsentschädigungen profitieren. Aber es gilt auch für politische Massnahmen, deren Wirkung in einer Umverteilung von ärmeren zu reicheren Bevölkerungsschichten besteht. Dafür finden sich aktuell leider zahlreiche Beispiele.

Allen voran in den USA: Zölle auf importierte Güter verteuern den Konsum. Darunter leiden vor allem jene, die knapp bei Kasse sind. Gleichzeitig gibt der Staat immer mehr Geld für Schuldzinsen aus – und finanziert damit das Einkommen vermögender Besitzer von Staatsschulden.

Inflation weist generell unsoziale Auswirkungen auf. Es überrascht nicht, dass die seit der Corona-Krise stark gestiegenen Preise in den USA weiterhin im Fokus stehen. Während hohe Preise ärmere Schichten hart treffen, können reichere Personen dank der Preissteigerungen bei Aktien und Immobilien ihren Verlust besser ausgleichen. Entsprechend ist auch eine expansive Fiskalpolitik, die in hoher Inflation mündet, unsozial. Ironischerweise fordern oft gerade jene politischen Akteure höhere Schulden, die gleichzeitig die Ungleichheit kritisieren.

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