1. Home
  2. Invest
  3. Bantleon-Chefökonom: «Wir prognostizieren eine 10- bis 20-prozentige Börsenkorrektur»

Börse 
«Wir prognostizieren eine 10- bis 20-prozentige Börsenkorrektur»

A businessman checking stock charts on a mobile device. Technology and work on the go.
Es herrschen Zweifel wegen der abflauenden Konjunktur an der Fortdauer der aktuellen Hausse.Quelle: Towfiqu Photography / Getty Images

Bantleon-Chefökonom Daniel Hartmann prognostiziert ein Ende des Aufschwungs und kräftig fallende Kurse.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
28.09.2018

Herr Hartmann, zuletzt sorgte die Türkei an den Finanzmärkten für Verunsicherung. Wie verbreitet ist der Optimismus an den Börsen noch?
Wirklich gross ist der Optimismus eigentlich nur noch in den USA. In Europa und den Schwellenländern ist die gute Stimmung mit der enttäuschenden Performance bereits verflogen.

Ich nehme an, das liegt nicht am angeborenen Optimismus der Amerikaner?
Nein, die Stimmung spiegelt den Konjunkturverlauf. Während der Konjunkturmotor in den USA noch brummt, wächst die Wirtschaft in den anderen Teilen der Welt schwächer als erwartet.

Anzeige

Bleibt das so?
Nein, die USA werden in den übergeordneten konjunkturellen Abwärtstrend einschwingen. Sie sind damit der letzte Dominostein, der fällt. Wir rechnen nicht sofort mit einer Rezession, aber die Enttäuschungen werden sich mehren.

So ein Szenario ist nicht in den Kursen enthalten. Wie heftig wird der Rückschlag?
Bis Ende 2018 prognostizieren wir eine 10- bis 20-prozentige Börsenkorrektur.

Daniel Hartmann
Daniel Hartmann ist Chefökonom bei Bantleon. Er ist kein notorischer Pessimist, zweifelt aber wegen der abflauenden Konjunktur an der Fortdauer der aktuellen Hausse.
Quelle: ZVG

Kommen die Notenbanken den Märkten in so einem Fall nicht wieder zu Hilfe?
Bei kleinen Korrekturen ist es nicht notwendig, dass die Notenbanken sofort in die Bresche springen. Zudem ist ihr Instrumentarium ausgereizt. Das kommt übrigens zu den Negativpunkten noch hinzu.

Aber ein Rückschlag von 10 bis 20 Prozent in so kurzer Zeit geht doch in Richtung eines Crashs.
Man ist ein wenig verwöhnt. In früheren Zeiten waren Korrekturen um 10 bis 20 Prozent selbstverständlich. Bei Rezessionen sehen wir Einbrüche von 30 bis 50 Prozent.

Wie gut schlägt sich die Schweiz?
Die Konjunktur befindet sich auf einem Zwischenhoch. Die kräftige Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken war Mitte 2017 ein Befreiungsschlag. Doch der konjunkturelle Höhepunkt wurde wohl im zweiten Quartal erreicht. Der Franken ist wieder stärker. Bei den Bauinvestitionen gibt es Korrekturbedarf. Die nachlassende Zuwanderung kommt noch dazu.

Zu welchen Anlagen raten Sie in diesem Umfeld?
So unattraktiv es auch erscheint, raten wir zu qualitativ hochstehenden Staatsanleihen wie Bundesanleihen oder Eidgenossen. Mittelfristig haben Tech- und Infrastrukturaktien Potenzial.