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«Home Bias»

Warum die Liebe der Schweizer zum heimischen Aktienmarkt berechtigt ist

Wer fast nur auf Schweizer Aktien setzt, verschenkt Rendite - so ein oft gehörter Vorwurf. Doch es gibt gute Gründe für diesen «Home Bias».

Reto Zanettin

Das Dampfschiff DS Unterwalden mit Schweizerfahne legt an der Schiffstation von Beckenried im Kanton Nidwalden an, auf dem Vierwaldstaettersee, am Sonntag, 11. August 2024. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Schiff auf dem Vierwaldstättersee: Ein starkes Motiv für die Heimmarktneigung, ist die Vertrautheit mit den Unternehmen des eigenen Landes.

Keystone

Seit Anfang 2015 hat der breit gefasste S&P-500-Index aus den USA knapp 190 Prozent zugelegt. Im gleichen Zeitraum hat sein Schweizer «Bruder», der Swiss Performance Index (SPI), bloss 92 Prozent hinzugewonnen. Ergo: Während sich der amerikanische Markt fast verdreifachte, hat sich der Schweizer Aktienmarkt nicht einmal verdoppelt. Der SPI konnte auch nicht mit dem MSCI All Country Index mithalten, der sich seit Januar 2015 um über 110 Prozent verbessert hat. Dieser Index enthält über 2500 Unternehmen aus 47 Ländern und deckt zirka 85 Prozent der global investierbaren Aktien ab - eine Weltauswahl also.

So gesehen ist es evident: Wer schwergewichtig auf Schweizer Aktien setzt, lässt Rendite liegen. Er vernachlässigt den - gerade in den letzten Jahren gut laufenden - Technologiesektor und setzt auf den Lebensmittelsektor, die Pharmaindustrie und das Finanzwesen. Zur vergebenen Rendite kommt also eine mangelnde Diversifikation nach Sektoren hinzu.

Dabei bringt - zumindest theoretisch - ein breit aufgestelltes, effizient gestaltetes Portfolio bei möglichst tiefem Risiko eine möglichst hohe Rendite. Daher ist der sogenannte «Home Bias», die Bevorzugung des Heimmarktes gegenüber ausländischen Märkten, nicht optimal. Und ein voll ausgeprägter Home Bias wäre nur dann vertretbar, wenn man davon ausgehen könne, dass der Schweizer Aktienmarkt systematisch höhere Renditen abwerfen wird, sagt Felix Niederer, CEO des Vermögensverwalters True Wealth. 

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Reto Zanettin

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