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Vorsorge: Vorsichtige Pensionskassen

Obligationen stehen bei Pensionskassen wieder höher im Kurs als Aktien. Auch die viel gelobten Alternativanlagen brachten vorab Verluste.

Von Martin Wechsler
26.09.2008

Seit dem Börsencrash 2000 legen die Schweizer Pensionskassen ihre Vorsorgegelder deutlich konservativer an. Bis 2006 erhöhten sie ihren Obligationenanteil von 31,4 auf 37,3 Prozent und fuhren zugleich ihren Aktienanteil von 32,9 auf 29,1 Prozent herunter. Das zeigt die Vollerhebung bei 2669 Vorsorgeeinrichtungen. Diese umfassende Befragung hinkt der Aktualität hinterher, zeigt aber die Trends.

In der Zwischenzeit sind die Börsen weltweit am Taumeln, und der Druck auf die Anlageverantwortlichen steigt. Der lange Anlagehorizont der ­Kassen vermag die Schwankungen der Kapitalmärkte durchaus auszugleichen. ­Dennoch zwingt sie das Erfordernis der jährlichen Berichterstattung, kurzfristige Ergebnisse zu berechnen.

Jeweils am 31.  Dezember muss jede Pensionskasse ihren Deckungsgrad ermitteln. Dieser zeigt das aktuelle Verhältnis zwischen vorhandenem Kapital und gesamten Verpflichtungen. Zudem legt der Bundesrat den Mindestzins jährlich neu fest, womit die Jahresperformance einer Pensionskasse zur massgebenden Erfolgskennzahl wird. Also suchen die Verantwortlichen laufend nach Alternativen, um die mitunter starken Schwankungen der Aktienmärkte abzufedern und den Vergleichen innerhalb der Branche besser standzuhalten.

So investierten Pensionskassen zuerst in Private-Equity-Anlagen, dann – in bedeutend grösserem Ausmass – in Hedge Funds und seit kurzem in Rohstoffe. Das Anlagejahr 2008 zeigt, dass alternative Anlagen den Einbruch der Aktienmärkte nur begrenzt kompensieren konnten. Im ersten Halbjahr 2008 betrug die Performance bei einem weltweiten Aktienkorb (MSCI World Index) minus 19 Prozent. Die hoch gelobten Hedge Funds konnten mit minus elf Prozent (HFRI Index) nicht überzeugen.

Auch Private-Equity-Anlagen (LPX Index) rentierten mit minus 24 Prozent ähnlich schlecht wie Aktien. Einzig die Rohstoffe verbesserten das Ergebnis der Pensionskassen in den ersten sechs Monaten mit plus 14 Prozent. Zwischenzeitlich sind sie auch im Minus. Die Diversifikation in alternative Anlagen ist also misslungen. Festgelder, Obligationen und Immobilien werden weiter davon profitieren.

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