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Vorsorge / Lebensversicherungen: Sicher nicht sicher

Ein sicheres Verlustgeschäft: Einmaleinlagen bringen statt einer schönen Geldvermehrung bloss mickrige Renditen. Und das derzeitige tiefe Zinsniveau lässt überdies auch die Leibrenten schmelzen.

Von Urs Feldmann
31.05.2005

Fast nichts ist so günstig wie Geld. Die Zinsen sind extrem tief. Das freut zwar Eigenheimbesitzer, ärgert aber Investoren, die ihr Geld sicher anlegen wollen. Bei Obligationen und Sparkonten bleibt nach Abzug von Steuern und Inflation derzeit kaum etwas vom Zinsertrag übrig. Auch die Lebensversicherer bekommen die tiefen Zinsen zu spüren. Kaum jemand hat Lust, sein Geld über Jahre hinaus in einer Lebensversicherung zu binden, die lediglich 1 bis 2 Prozent Rendite pro Jahr abwirft. Mehr ist zurzeit bei Einmaleinlagen nicht zu erwarten. Hinzu kommt die Ungewissheit, ob die bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellten Überschüsse überhaupt erzielt werden. Falls nicht, muss sich der Kunde mit der garantierten Rendite, die meist weniger als ein Prozent beträgt, zufrieden geben.

Bei Einmaleinlagen sind zwar die Erträge grundsätzlich von der Einkommenssteuer befreit. Berücksichtigt man jedoch die Inflation, die derzeit rund 1,4 Prozent beträgt (im Durchschnitt der letzten 20 Jahre knapp 2 Prozent), schwindet das Vermögen kaufkraftbereinigt in vielen Fällen. Vollends unattraktiv sind Einmaleinlagen mit kürzerer Laufzeit. Wer sich etwa nur auf die für die Steuerbefreiung minimal vorgeschriebene Laufzeit von fünf Jahren bindet, dem offeriert etwa die Pax eine Rendite von mickrigen 0,05 Prozent pro Jahr. Nach Berücksichtigung der Inflation ein garantiertes Verlustgeschäft für den Anleger.

Dies sehen wohl auch die Versicherer so, denn Einmaleinlagen mit weniger als sieben bis acht Jahren Laufzeit wurden von vielen aus ihrem Sortiment gestrichen – zumindest solange die Zinsen auf diesem tiefen Niveau verharren. Wer dennoch kürzere Laufzeiten anbietet, stellt wenig bis gar keine Überschüsse in Aussicht, weil ohnehin fraglich ist, ob diese tatsächlich erwirtschaftet werden. Kein Wunder also, harzt angesichts der wenig berauschenden Rendite das Geschäft mit diesen Steuersparvehikeln. Ohnehin kommen Einmaleinlagen wegen der steuerlichen Restriktionen nur für eine sehr eingeschränkte Klientel im Alter zwischen etwa 50 und 65 Jahren in Frage. Denn welcher 40-Jährige möchte schon sein Kapital für mindestens 20 Jahre an eine Versicherung binden? Und falls der Anleger die Erträge aus der Einmaleinlage versteuern muss, schneiden die Versicherungsanlagen schlechter ab als Kassenobligationen.

Bei einer 10-jährigen Laufzeit garantieren viele Anbieter weniger als ein Prozent (siehe untenstehende Tabelle «So wenig gibt es für eine Einmaleinlage»). Aber auch die Pax zahlt als «bester Anbieter» mickrige 1,14 Prozent pro Jahr. Bei den derzeit versprochenen Überschüssen sind die Differenzen etwas grösser, sie schwanken zwischen 1,53 und 2,36 Prozent.

Auch Leibrenten-Policen werden zunehmend unattraktiver. Weil die Lebenserwartung stetig steigt, erhält man für die gleiche Einlage immer weniger Rente. Zusammen mit den tiefen Zinsen sind dies relativ ungünstige Bedingungen für den Abschluss einer Leibrente. Für eine Einlage von 300 000 Franken erhält ein 65-Jähriger derzeit etwa 13 000 Franken Rente garantiert pro Jahr. Zusammen mit den nicht garantierten Überschüssen sind es etwa bei der Swiss Life gut 15 400 Franken. Wer vorsichtig kalkuliert, rechnet aber besser nicht damit, dass die prognostizierten Überschüsse auf Dauer die Rente aufbessern werden. Wer trotzdem eine lebenslange Rente will, soll nicht nur deren Höhe vergleichen, sondern auch die so genannte Rückgewährsdauer. Rückgewähr bedeutet: Stirbt der Rentenbezüger, bevor das eingesetzte Kapital verzehrt ist, geht das Restkapital an die begünstigten Erben. Es verwundert wenig, dass bei Angebotsvergleichen regelmässig Anbieter an der Spitze sind, die eine kürzere Rückgewährsdauer haben. Denn je kürzer die Rückgewährsdauer, desto höher die Rente.

Bei alledem sollte man bedenken, dass sich Leibrenten finanziell meist nicht lohnen. Sie bieten zwar ein lebenslänglich sicheres Einkommen und sind bequem, weil man sich nicht um die Anlage der Ersparnisse kümmern muss. Sie sind aber wegen der hohen Abschlusskosten (Vermittlerprovisionen usw.) teuer und zudem steuerlich nachteilig, weil 40 Prozent der Rente als Einkommen zu versteuern sind. Wer sein Kapital steueroptimiert anlegt und verbraucht, fährt unter dem Strich meist besser als mit einer Leibrente.

Urs Feldmann ist Niederlassungsleiter beim VZ VermögensZentrum in Zug und Spezialist für Pensionierungsfragen.

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