Nach den heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten brennt Anlegern eine Frage besonders unter den Nägeln: Bieten Rohstoffe, die in den vergangenen fünf Jahren ein unglaubliches Comeback feierten, auch in einem sich abzeichnenden schwächeren globalen Wirtschaftsumfeld Chancen? Oder ist es an der Zeit, sich nach der langjährigen Hausse aus dem Rohstoffsektor zu verabschieden? Mit Blick auf verschiedene wichtige Faktoren lässt sich die Prognose wagen: Der Rohstoffsektor offeriert Anlegern auch im laufenden Jahr aussichtsreiche Möglichkeiten. Dies unter dem Vorbehalt, dass eine mögliche Rezession in den USA nicht auf die gesamte Weltwirtschaft übergreift. Die Chancen, dass der Rest der Welt die US-Schwächephase meistern kann, stehen dabei so gut wie noch nie. Denn mittlerweile steuern China und Indien zusammen mehr zum globalen Wirtschaftswachstum bei als die USA. Die Performance der einzelnen Rohstoffgruppen dürfte allerdings wie in der Vergangenheit sehr uneinheitlich ausfallen. Die Wahl des richtigen Vehikels ist für Investoren daher entscheidend.

Für eine Fortsetzung der Hausse spricht die Knappheit vieler Rohstoffe, die auf eine steigende Nachfrage, besonders in Schwellenländern, trifft. «Der Rohstoffsektor ist auch im derzeitigen Umfeld interessant», sagt Jakob Schöchli, Analyst bei Clariden Leu. Er traut speziell dem Agrarbereich und Edelmetallen weiterhin eine gute Performance zu. Ein weiteres Plus von Rohstoffen ist die Tatsache, dass deren Preisentwicklung mit dem Kursverlauf von Aktien und Obligationen wenig übereinstimmt. Sie sind daher in einem ausgewogenen Portfolio als Beimischung gut geeignet.

Aus der «Höllenfahrt» der Finanzmärkte im Januar lässt sich zudem die Erkenntnis ableiten, dass sich Anleger mit Rohstoff-Investments trotz hohen Indexständen heutzutage wohler fühlen als in der Vergangenheit. Die Kurseinbrüche sind im Vergleich zu früher spürbar geringer ausgefallen. Ein Grund dafür ist, dass neben einer Vielzahl von Spekulanten eine ständig wachsende Zahl institutioneller Akteure, beispielsweise Pensionskassen, am Markt tätig ist. Diese sind in der Regel nicht auf schnelle Gewinne aus, sondern halten ihre Anlagen – vor allem Produkte auf bekannte Rohstoffindizes – langfristig als Diversifikation im Depot. Ein starker Trend, den Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, seit längerem beobachtet. «Die Nachfrage ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Derzeit sind mehr als 150 Milliarden Dollar in Rohstoffen investiert. Das Anlagevolumen könnte in wenigen Jahren 1000 Milliarden Dollar erreichen.»

Hält man sich die jüngsten Ankündigungen diverser wichtiger Pensionskassen, wie beispielsweise der amerikanischen California Public Employees’ Retirement System (Calpers), vor Augen, scheint diese Annahme nicht überrissen. Calpers plant, den Anteil von Rohstoffanlagen in ihrem 255 Milliarden Dollar schweren Portfolio weiter deutlich aufzustocken.

Trotz intakten Marktaussichten müssen Anleger, um Enttäuschungen zu vermeiden, bei ihren Engagements einige wichtige Faktoren berücksichtigen. Primär müssen Investoren entscheiden, ob sie auf direkte Investments mittels Zertifikaten oder Exchange Traded Funds (ETF) setzen oder indirekte Anlagen via Aktien respektive Aktienfonds bevorzugen. Bei Letzteren kann, je nach Ausrichtung des Vehikels, in die komplette Wertschöpfungskette investiert werden. Anlegern muss jedoch bewusst sein, dass sie in Aktien investieren und unternehmensspezifische Risiken wie beispielsweise Managementwechsel oder Strategiefehler die Performance stark beeinflussen können.

Hat sich ein Anleger für eine direkte Anlage entschieden, sind weitere massgebliche Punkte zu beachten.

Als Fallstrick für Schweizer Anleger erwies sich einerseits oft eine ungünstige Kursentwicklung des US-Dollars. Wer sich gegen dieses Risiko schützen will, hat mit sogenannten Quanto-Produkten das richtige Instrument zur Hand. Andererseits litt die Performance vielfach unter massiven Rollverlusten. Was heisst das? Bei Direktanlagen in Rohstoffe muss auf den Terminmarkt (Futures) ausgewichen werden. Da die Kontrakte eine beschränkte Laufzeit aufweisen und Anleger weder eine Wagenladung Kupfer noch Tonnen von Mais geliefert haben wollen, wird der Kontrakt vor Ablauf verkauft und durch einen neuen, länger laufenden ersetzt. Je nach Preis, der für den neuen Kontrakt bezahlt werden muss, entsteht durch das «Rollen» ein Gewinn- oder Verlustbeitrag. Dieser kann derart hoch ausfallen, dass Anleger mit ihrem Investment trotz einem Preisanstieg des Basisrohstoffes unter dem Strich herbe Verluste einstecken müssen. Verschiedene Anbieter versuchen, mit einem innovativeren Rollansatz Verluste zu vermeiden oder sogar eine Rollrendite zu erwirtschaften. Bekannte Beispiele für die neue Produktegeneration sind der UBS Bloomberg CMCI oder die RICI Enhanced von Jim Rogers.

Ebenfalls zu beachten ist, dass wichtige Rohstoffindizes eine deutlich verschiedene Gewichtung der einzelnen Rohstoffgruppen aufweisen. Entsprechend kann die Performance der unterschiedlichen Indizes auseinanderklaffen. Während beispielsweise der energielastige Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) im letzten Jahr um 40 Prozent in die Höhe schnellte, legte der ausgewogenere Commodity Research Bureau Index (CRB) lediglich um etwa 20 Prozent zu. Anleger müssen sich der unterschiedlichen Gewichtung beim Kauf eines Produktes auf jeden Fall bewusst sein.

Zu guter Letzt sollte Investoren nach den Milliarden-Debakeln diverser Banken die Bonität von Emittenten eine Überlegung wert sein. Hier gilt es, sich den wichtigen Unterschied zwischen Zertifikaten und ETF in Erinnerung zu rufen. ETF sind wie Fonds dem Kollektivanlagengesetz unterstellt. Sie zählen zum Sondervermögen eines Finanzinstituts. Das eingesetzte Kapital ist besser geschützt – es fliesst im Falle einer Insolvenz nicht in die Konkursmasse. Dagegen sind Zertifikate verbriefte Schuldverschreibungen des Emittenten.

Der folgende Überblick über die vier Hauptgruppen Energie, Agrarrohstoffe, Edel- und Industriemetalle zeigt, wie sich die Preise entwickeln könnten und welche Anlagemöglichkeiten sich bieten.

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