Abo
Trumps Dollar-Falke

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh startet mit einem Knall

Die Wahl des neuen US-Notenbankchefs löst ein Chaos an den Märkten aus. Gold und Silber sind im freien Fall – geraten auch Aktien unter Druck?

Beat Schmid, Ringier

Beat Schmid

<p>Kevin Warsh soll neuer Chairman der US-Notenbank werden. Er ist ein Vertrauter von Donald Trump.</p>

Kevin Warsh soll neuer Chairman der US-Notenbank werden. Er ist ein Vertrauter von Donald Trump.

Getty Images

Werbung

Diese Ankündigung kam nicht unerwartet. Und doch löste sie Turbulenzen an den Finanzmärkten aus: Donald Trump nominierte Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank Fed. Am Freitag kam es zu heftigen Kursreaktionen, wie sie teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen waren.

«Das sind Swings, die ich zuletzt in den 1980er-Jahren erlebt habe», sagt ein erfahrener Börsenprofi, der das Marktgeschehen täglich an seinen Monitoren verfolgt. Mit Swings meint er abrupte Kursbewegungen nach oben oder unten. Besonders deutlich waren sie zuletzt bei Edelmetallen zu beobachten: Gold und Silber zeigten in den letzten Wochen eine starke Bewegung nach oben – bis der Kurs praktisch senkrecht nach oben schoss.

Nach Trumps Personalentscheid folgte der brutale Absturz. Der Goldpreis brach um 12 Prozent ein, Silber verlor sogar 36 Prozent. Ein zentraler Auslöser war die Einschätzung, dass der neue Lenker der mächtigsten Notenbank der Welt die Inflation konsequenter bekämpfen und den US-Dollar stärken könnte. Als sogenannter «Falke» steht Kevin Warsh für eine restriktivere Geldpolitik in republikanischer Tradition – ganz anders als der amtierende Fed-Chef Jerome Powell (72), unter dessen Führung die Bilanz der Fed massiv ausgeweitet wurde.

Partner-Inhalte

Das Vertrauen schwindet

Die Reaktion an den Devisenmärkten liess nicht lange auf sich warten: Der Dollar legte am Freitag um 0,9 Prozent zu – der stärkste Tagesanstieg seit Mai 2025. Auch gegenüber dem Schweizer Franken gewann die US-Währung an Wert: von 76 auf 77 Rappen. Das sind vergleichsweise kleine Bewegungen – und doch reichten sie aus, um den sogenannten «Debasement-Trade» ins Stocken zu bringen, wie Insider die Umschichtung von Dollar-Anlagen in Sachwerte wie Gold oder Silber und in klassische Zufluchtswährungen wie den Franken nennen.

Auch die Aktienmärkte erlebten zum Teil heftige Swings. Zwar kam es nicht zu einem breiten Ausverkauf, doch die Kursschwankungen nahmen spürbar zu. Die Aktien von Microsoft oder der deutschen SAP rutschten um 10 beziehungsweise 15 Prozent. Solche starken Ausschläge, die auch von Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz getrieben sind, lassen das Vertrauen in die Bewertungen der Tech-Konzerne schwinden.

«Es ist wie ein Tanz auf dem Vulkan», sagt der Börsenprofi. Pessimistische Beobachter wie er erkennen in diesen Turbulenzen Vorboten einer grösseren Korrektur. Seine Reaktion: In den vergangenen Tagen verkaufte er viele Aktien – stattdessen setzt er auf Cash. Optimisten hingegen wittern bereits neuen Einstiegschancen. Sie vermuten, dass die Kursrallye an den Börsen noch lange andauern könnte.

Werbung

SNB kann sich nicht ausruhen

Eines scheint in dieser wechselhaften Phase so gut wie ausgemacht: Der Franken dürfte ein sicherer Hafen bleiben. Das freut zwar Finanzinvestoren, doch für die Schweizer Exportindustrie werden die Zeiten härter. Ihre Produkte, die durch US-Zölle ohnehin belastet sind, werden zusätzlich teurer. Der Druck auf Schweizerische Nationalbank (SNB), den Franken abzuschwächen, dürfte zunehmen. SNB-Präsident Martin Schlegel (49) kann sich keineswegs zurücklehnen und darauf vertrauen, dass sein neuer Kollege bei der US-Notenbank den Job machen wird.

Denn auch Warsh kann keine Wunder bewirken. Gemäss Einschätzung vieler Devisenstrategen befindet sich der Dollar seit einigen Monaten in einem sogenannten strukturellen Bärenmarkt – also in einer länger anhaltenden Abwärtsbewegung. Gründe sind die enormen Handelsungleichgewichte der USA, die wachsenden Schuldenberge, der schleichende Verlust der amerikanischen Sonderstellung sowie das sinkende Vertrauen in US-Institutionen.

Seit Donald Trump zum zweiten Mal ins Weisse Haus einzog, hat der Dollar gegenüber den wichtigsten Weltwährungen mehr als 10 Prozent verloren; gegenüber dem Schweizer Franken beträgt das Minus sogar rund 15 Prozent. «The Dollar is doing great», sagte der US-Präsident Anfang letzter Woche. Wahr ist das Gegenteil.

Werbung

US-Hypotheken klettern auf 6,1 Prozent

Unter Ökonomen herrscht die Auffassung vor, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr möglicherweise zwei Mal senken wird. Der kommende Fed-Chef würde damit genau das umsetzen, was Donald Trump von Warshs Vorgänger Powell gefordert hatte. Der Markt nimmt die Senkungen bereits voraus: Die Renditen für US-Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten sanken am Freitag leicht, während die langfristigen Zinsen anzogen.

Für junge Familien aber, die ein Eigenheim erwerben möchten, sind das schlechte Nachrichten. Die Zinssätze für 30-jährige Hypotheken stiegen auf 6,1 Prozent, die für 15-jährige auf 5,49 Prozent. Seit der Corona-Pandemie haben sich die Hypozinsen mehr als verdoppelt. Mit solchen Sätzen in der Schweiz würde der Immobilienmarkt komplett zusammenbrechen.

Mit Kevin Warsh setzt Trump auf einen Vertrauten. Der designierte oberste Notenbanker der USA ist mit Jane Lauder (52) verheiratet, der Tochter von Ronald Lauder (81), dem milliardenschweren Erben des Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Ronald Lauder ist ein enger Freund von Donald Trump; beide studierten an der Elite-Universität Wharton. Lauder unterstützte Trumps Wahlkampf mit Millionenbeträgen und gilt als Befürworter der Idee, Grönland unter US-Herrschaft zu bringen.

Werbung

Sollte der US-Senat Warshs Kandidatur bestätigen, wird er als Fed-Chairman ein Jahressalär von rund 190’000 Dollar beziehen. Am Lebensstil der Familie dürfte dies wenig ändern: Gemäss «Forbes» verfügt Jane Lauder, seine Gattin, über ein Vermögen von rund 2,7 Milliarden Dollar.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.

Werbung